Museumsbau und Jobs gegen Abwanderung

Alsfeld (jol). Der Vogelsberg ist eine "Schrumpfungsregion", das bedeutet: weniger junge Leute, mehr Ältere, ein Auseinanderklaffen der "sozialen Schere" und steigende Gebühren für Kanal und Wasserleitungen. Da macht Alsfeld keine Ausnahme, wie am Mittwoch in einer Ausschusssitzung der Stadtverordneten zur "demografischen Entwicklung" deutlich wurde - nur ist Alsfeld mit Antrifttal und Romrod in der komfortablen Lage, aus dem Programm "Stadtumbau West" recht hohe Fördermittel zu erhalten.

Alsfeld (jol). Der Vogelsberg ist eine "Schrumpfungsregion", das bedeutet: weniger junge Leute, mehr Ältere, ein Auseinanderklaffen der "sozialen Schere" und steigende Gebühren für Kanal und Wasserleitungen. Da macht Alsfeld keine Ausnahme, wie am Mittwoch in einer Ausschusssitzung der Stadtverordneten zur "demografischen Entwicklung" deutlich wurde - nur ist Alsfeld mit Antrifttal und Romrod in der komfortablen Lage, aus dem Programm "Stadtumbau West" recht hohe Fördermittel zu erhalten. Da ist der Wunschzettel sehr lang, um bessere Angebote für Familien, Senioren, im Tourismus und zur Ankurbelung der Geschäftswelt zu schaffen, aber bislang steht nur ein Großprojekt in Alsfeld fest: die Sanierung des maroden Museumsgebäudes für rund 2 Millionen Euro. Klar wurde, dass "Stadtumbau" kein Programm für Wirtschaftsförderung ist.

Zum Auftakt stellte Hans-Detlef Krauß von einem Planungsbüro aus Leihgestern die Studie "Alsfeld 2020" vor, in der die aktuelle Lage um elf Jahre in die Zukunft verlängert wird. Ergebnis: Die größte Stadt des Vogelsbergkreises erhält ein "etwas schlechtere Vier". Da flossen Faktoren wie Kaufkraft (Note 3), Anteil der Über-75jährigen (Note 6), und weitere ein, nur bei den Freiflächen war die Stadt spitze, sonst eher im hinteren Mittelfeld. Krauß verwies auf den immer härter werdenden Wettbewerb der Kommunen um Familien, da müsse die Stadt gegensteuern. Stichworte sind mehr Familienfreundlichkeit durch gute Kitas und Horte, Infrastruktur für Alte, was Barrierefreiheit einschließt und gute Einkaufsmöglichkeiten.

Noch ein Trend: Die Zahl der Menschen pro Wohnung nimmt ab, deshalb braucht es bis 2020 rund 25 Hektar zusätzliche Baugebiete. Teurer wird die technische Infrastruktur, weil weniger Menschen lange Kanalleitungen und teure Kläranlagen finanzieren müssen.

Er riet dazu, sich auf geringere Bevölkerung einzustellen, dennoch für attraktives Umfeld zu sorgen und die Infrastruktur zurückzubauen. Das unterstrich Bürgermeister Ralf Becker mit Blick auf die alarmierenden Bevölkerungszahlen. Binnen eineinhalb Jahren hat die Alsfelder Bevölkerung um 1% abgenommen, in manchen Vogelsberg-Gemeinden sind es gar 3%. Es gebe immer mehr Häuser mit über-65jährigen Bewohnern, das biete wenig Raum für Hoffnung.

Da setzte Bernhard Hofmann mit seinem Vortrag über das Programm "Stadtumbau West" an. Dieses soll die Abwärtsspirale von weniger Angeboten und weniger Einwohnern in weiten Teilen Nordhessens abmildern. "Gemeinsam die Zukunft unserer Region sichern" ist das Motto des Gemeinschaftsprogramms für Alsfeld, Antrifttal und Romrod. Bis Ende April sollen die nächsten Vorhaben beim Land angemeldet werden, zur Zeit werde der Maßnahmenkatalog erarbeitet. "Stadtumbau" ist allerdings eher ein Über-Programm, das Planungen ermöglicht, die aus weiteren Programmen finanziert werden, wie Michael Bergholter ergänzte. Dessen Planungsbüro anp hat für die Stadt Alsfeld die Planungen begleitet. So kann das größte Einzelvorhaben in Alsfeld, die Modernisierung des Regionalmuseums für rund 2 Millionen Euro, auch aus Mitteln des Denkmalschutzes geleistet werden.

Skeptisch gab sich Hofmann mit Blick auf weitere Neubaugebiete, weil in allen Ortsteilen innerorts Gebäude leer stehen.

Wichtig sei es nun, eine ansprechende Infrastruktur für die Menschen der Region zu erhalten. Dazu gehören attraktive Wohngebiete, gute Einkaufsmöglichkeiten, eine Aufwertung der wunderschönen Altstadt. Dabei solle der Bereich regenerative Energien unterstützt werden. Weiter wünschte Hofmann mehr Unterstützung für Unternehmen zur Sicherung von Jobs, aber auch weiche Faktoren wie Kultur und Freizeitangebote. Im Wirtschaftsbereich gehe es um mehr Kooperationen im Tourismus, um Gewerbeflächenpools mit Nachbargemeinden und Netzwerke mit Firmen. Priorität haben für Hofmann die Sanierung de Neurathauses mit Umbau zu einem modernen Museum (Kosten rund 2 Mio. Euro) sowie ein Kreativ-Wettbewerb zur Gestaltung der Durchgangsstraße Schellengasse/Alicestraße. Dabei soll auf die wunderbare Altstadt hingewiesen werden, die von der Straße aus nicht sichtbar ist.

Zudem solle ein Marketingskonzept die Stärken der Kommune deutlich machen und die lokalen Akteure zusammenbringen. In den Folgejahren sollen Beschilderung und Sitzbänke modernisiert werden, Kirchplatz und andere aufgewertet und private Bauprojekte wie die Überbauung des Parkdecks Schnepfenhain gefördert. Dann könnte auch der Bereich Klostermauerweg und die angrenzende Gärten netter gestaltet werden. Peter Dörge (SPD) bemängelte, dass zu viel Geld für nur ein Projekt, das Museum, eingeplant sei. Man solle die Mittel besser streuen, was sicher mehr bringt. Heinrich Muhl (UWA) kritisierte, dass zu wenig mit Investoren kooperiert werde. Bergholter setzte dem entgegen, dass umsetzungsfähige Projekte gefragt waren - die Arbeit gehe aber weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare