Amtsgericht

Für A 49 müssen 7500 Flurstücke bearbeitet werden 600 Verfahren pro Richter

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An Arbeit mangelt es am Amtsgericht Alsfeld nicht. Rund 600 Fälle arbeitet ein Richter pro Jahr ab. Außerdem werden die Akten für über 2000 Betreuungsfälle geführt.

Der ländliche Raum wird nicht abgehängt, dafür tritt Dr. Wolfgang Dippel ein. Der christdemokratische Staatssekretär im Sozialministerium besuchte am Freitag das Amtsgericht Alsfeld und verwies darauf, dass in der Landesregierung die Förderung des ländlichen Raums inzwischen Chefsache sei. Ein Indiz dafür ist der Besuch des Sozialpolitikers in einem kleinen Amtsgericht. Dort stellten Direktor Klaus Schwaderlapp und Geschäftsleiter Jens Götting das Aufgabenspektrum des Gerichts vor. Sieben Richter und zwölf Rechtspfleger in einer 53 Köpfe umfassenden Mitarbeiterschaft sind dort tätig. Es ist das Eingangsgericht (erste Instanz des mehrstufigen Justizsystems) für Vogelsberger aus allen Orten des Kreises mit Ausnahme Schottens. Zivil-, Straf- und Familienverfahren werden betreut, dazu Grundbuch-Angelegenheiten, Nachlassgericht und Betreuungen für Menschen, die ihre Alltagsdinge nicht selbstständig regeln können. Hinzu kommen 42 Ortsgerichte, die dem Amtsgericht unterstehen. Im Gebäude sind auch Büros des Oberlandesgerichts und des Amtsgerichts Frankfurt untergebracht.

Staatssekretär Dippel erfreute sich an der gelungenen Synthese des Altbaus von 1858 und des Neubaues, der 2000 angefügt wurde. Beeindruckend war für ihn das Stück historische Stadtmauer, das die beiden Bauteile trennt und beispielsweise eine Wand von Sitzungssaal 3 bildet.

Mitarbeiter dringend gesucht

Beim Rundgang sagte Direktor Schwaderlapp, dass man ganz gut den großen Arbeitsanfall bewältigt. So hat jeder Zivilrichter pro Jahr rund 600 Verfahren zu bewältigen. Geschäftsleiter Götting verwies auf das große Engagement der Beschäftigten, das eine flexible Erledigung der unterschiedlichen Arbeiten sichere. Als Dippel nach Verbesserungswünschen fragte, benannte Götting den Mittleren Dienst als Problemfall. Denn im vergangenen Jahr seien in den Sekretariaten vier Beschäftigte ausgeschieden, davon sind nur zwei Stellen wieder besetzt. In den vergangenen Jahren seien zu wenig junge Leute ausgebildet worden, deshalb müsse man wohl bis Herbst waren, wenn wieder ein Ausbildungsjahrgang fertig werde, befürchtet der Geschäftsleiter. Schwaderlapp fügte an, es sei immer schwerer, geeignete Bewerber für Richterstellen im ländlichen Raum zu finden. Der juristische Nachwuchs wolle lieber in die Städte.

Trend zum Wohnen auf dem Land

Dippel sieht da ein generelles Problem, das er auch deshalb kennt, weil er selbst aus dem ländlichen Nordhessen stammt. "Da geht es um die weichen Faktoren, die Kommunen selbst bestimmen können", sagte er. Kindertagesstätten, Schulen und Ausbildungsplätze seien wichtige Faktoren, um Familien anzulocken. Wenn die Wohnungen in Ballungsräumen weiterhin so teuer blieben, werde sich das Blatt zugunsten des ländlichen Raums wenden. Das sei bereits in den 1970er Jahren so gekommen. Der günstigere Wohnraum sei ein wichtiges Argument, dazu die Verkehrsanbindung und eine hinreichende Breitband-Anbindung. Wenn das Angebot für junge Menschen und Senioren stimme, habe der ländliche Raum gute Chancen.

Die Landesregierung habe seit einiger Zeit den ländlichen Raum stärker im Visier. Seit einem halben Jahr berieten Fachforen darüber, wie man verhindert, dass diese Regionen abgehängt werden. Das Thema Förderung des ländlichen Raums sei inzwischen Chefsache und angebunden an die Staatskanzlei, erläutete Dippel. Ein Zeichen dieser Entwicklung sei die Verlagerung der Grunderwerbssteuerstelle nach Lauterbach. Aber auch in seinem Bereich, im Ministerium für Soziales und Integration, werde darauf geachtet. So seien viele Familienzentren gefördert worden, Zuschüsse gebe es auch für Gemeinschaftspraxen von Landärzten.

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