Mongolische Lieder auf Deutsch

Alsfeld (rs). Die etablierte Reihe "Kultur im Krankenhaus" wurde am Dienstagnachmittag mit einem über weite Strecken sehr exotischen Beitrag bereichert:

Alsfeld (rs). Die etablierte Reihe "Kultur im Krankenhaus" wurde am Dienstagnachmittag mit einem über weite Strecken sehr exotischen Beitrag bereichert: Die 13-köpfige mongolische Gruppe "Steppenmädchen" bot im Foyer interessante Einblicke in ihre asiatische Heimat, sei es mit Liedern, Tänzen oder Textbeiträgen, die über Alltag und Geschichte informierten. So exotische für die rund 50 Zuschauer die Herkunft der jungenFrauen zwischen 15 und 18 Jahren anmutete, so vertraut agierten sie in ihrem Programm, denn sie stammen sämtlich von einer mongolisch-deutschen Schule in Ulan-Bator, sprechen fast alle fließend Deutsch. Hintergrund sind die vormals engen Verbindungen zur ehemaligen DDR, heute fortgesetzt von der Bundesrepublik.

Gerlinde Grebe, die für die Reihe "Kultur in Krankenhaus" verantwortlich zeichnet, hatte mit ihrer Ankündigung eines besonderen Programmpunktes nicht zu viel versprochen. "Ahs" und "Ohs" begleiteten bereits den Begrüßungsapplaus, als die jungen Frauen in sehr unterschiedlichen regionalen Trachten der Mongolei das Foyer betraten.

Dass zu diesen Trachten durchweg höchsthackige Schuhe getragen wurden, gab schon einen ersten Hinweis darauf, dass in der Folge eine interessante und informative Mischung von historischen und modernen kulturellen Ausprägungen der Mongolei folgen sollten. Den Auftakt bildete das Singen der mongolischen Hymne, die Orchestermusik kam dabei - wie auch bei allen folgenden Stücken - von einer CD. Es folgte das Stück "Guten Tag", der sehr gekonnt vorgetragene rhythmische Satzgesang machte die sängerischen Qualitäten der jungen Frauen deutlich. Die Mongolei ist zwar viermal so groß wie Deutschland, aber es leben dort nur 2,4 Millionen Einwohner. Daraus folgt die zwangsläufige Abgeschiedenheit der Landbewohner zu den nächsten Siedlungen, die Abhängigkeit von der Natur und insbesondere von ihren Trage- und Reittieren. Deshalb, so wurde in der Moderation informiert, würden die Mongolen zuerst das Reiten lernen, dann erst das Laufen. In der Abgeschiedenheit haben die Musik und der Gesang schon immer eine große Rolle gespielt, als Instrument wurde die zweisaitige Pferdekopfgeige vorgestellt und zu ihren Tönen auch getanzt. Ein Tanz hatte die Sonne zum Thema, die in der Mongolei an mehr als 300 Tagen im Jahr intensiv scheint, ein anderer das Reiten, von der Tänzerin eindrucksvoll umgesetzt.

"Jeder bei uns kann die Texte von 30 oder 40 Liedern auswendig", so die Moderatorin, die Kinder würden traditionell sehr viel singen. Folgende Musikstücke hatten indes wenig mit der erwarteten asiatischen Tradition zu tun, sie wären mit Klavier, Bass und Schlagzeug auch als mitteleuropäischer Schlager durchgegangen. Dazu gehörte auch die Interpretation eines traditionellen mongolischen Lieds mit moderner Melodie und in Englisch sowie Deutsch gesungen. Das Thema "Mutter" hat eben globale Bedeutung. Mit ähnlichem Hintergrund dürfte das Lied "Kinder der Welt" gesungen worden sein, die deutsch vorgetragene Textzeile "haben nur eine Erde" hat aktuell vor dem Hintergrund des Klimawandels an Bedeutung gewonnen.

Die Moderatorin erläuterte dann Details zur Tracht, während im Hintergrund - sicher zur Überraschung des Publikums und als Kontrast gedacht - die "Steppenmädchen" in weißen Hosen und T-Shirts standen (für folgende moderne Tänze umgezogen). Der Kopfschmuck sagt demnach etwas über den gesellschaftlichen Stellenwert der Frau aus, und die das Gesicht einrahmenden Ketten aus Perlen oder Muscheln sollen die Wangen betonen.

Eine Besonderheit waren schließlich noch Auftritte von zwei Schlangenmädchen, die neben der enormen Biegsamkeit der Körper auch Kraftanstrengungen und Balancevermögen zeigten. Bei allem lag auf dem Gesicht der Akteurinnen immer ein Lächeln.

Zufrieden war letztlich auch Gerlinde Grebe, die hoffte, dass sich die bei allen Auftritten sichtbare Lebensfreude der jungen Frauen auf die Zuschauer, insbesondere die Patienten, übertragen haben möge.

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