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Gemischte Erfahrungen machen Gesamtschulen in Homberg und Mücke mit digitalem Lernen. Die Jugendlichen arbeiten dabei mit der IServ-Plattform.

Digitale Schule

Manche kommen bei Homeschooling nicht mit

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Schüler, Lehrer und Eltern gewöhnen sich langsam an Videokonferenzen und digitale Aufgaben zum Schulstoff. Digitalisierung ist eine Chance, ersetzt aber nicht den direkten Austausch.

Corona ist eine Triebfeder für Veränderungen in Schulen, wenn auf einmal fast alle Schülerinnen und Schüler digitalen Unterricht erhalten. Auch die Lehrer müssen sich umstellen, wie sich an den Gesamtschule in Homberg und Mücke zeigt. Der Druck der Umstände bringt Eltern einer Klasse in Mücke dazu, bei ihren Kindern schneller als erwartet auf das Lernen per Tablet zu setzen, wie Schulleiterin Esther Becker berichtet.

Sie und ihr Kollege Carsten Röhrscheid in Homberg berichten von einer weitgehend reibungslosen Umstellung für die meisten Schüler. Doch freuen sich beide darauf, wenn die Kinder wieder in die Klassenräume kommen.

So sagt Röhrscheid, dass der Distanzunterricht nicht das gleiche leisten kann wie der Präsenzunterricht. Antworten auf Fragen und Hinweise können erst mit Verzögerung gegeben werden. »Andererseits lernen viele Schülerinnen und Schüler in dieser Phase auch ein höheres Maß an Selbstständigkeit«, sagt Röhrscheid. Aber die Förderung benachteiligter Schülerinnen und Schüler wird im Distanzunterricht »erheblich erschwert«.

In Mücke klappt die Umstellung auf den digitalen Unterricht über die Plattform IServ gut, urteilt Esther Becker. Dabei sind die bisher sechs Klassen, deren Schüler mit iPad-Tablets ausgestattet sind, im Vorteil. Im Februar kommt eine weitere Klasse hinzu, deren Eltern zu Beginn des Schuljahres noch skeptisch gewesen waren. Nun haben sie aber doch die Ausstattung der Schüler mit den Kleincomputern beschlossen.

Auch in Homberg entwickelt sich aktuell die Digitalisierung in den Schule erheblich weiter, erläutert Röhrscheid. Unterrichtsformen mit Videokonferenzen und digitaler Aufgabenstellung wären vor Jahren kaum denkbar gewesen.

Die Ohmtalschule ist mit der Einrichtung von iPad-Klassen auf dem richtigen Weg. Gerade in diesen Klassen funktioniert der Distanzunterricht besonders gut. »Die Lehrkräfte bilden sich im Bereich Digitalisierung zur Zeit im Selbststudium in weit überdurchschnittlicher Weise fort.« Die Digitalisierung von Unterricht kommt schnell voran.

Wechselunterricht als bessere Lösung

Allerdings vermisst Röhrscheid den direkten Kontakt. »Ich bin nicht im geringsten glücklich über die jetzige Situation und ich bin mir bewusst, wie viel uns allen zur Zeit fehlt und was uns alles abverlangt wird, dennoch habe wir auch die Chance, in einigen Bereichen durchaus gestärkt aus dieser Pandemie hervorzugehen.«

Und es gibt es Bereiche, in denen digital nicht besser heißt. Beim Distanzunterricht »läuft viel über Filmchen und Texte«, sagt Becker. Die Jugendlichen müssen sich die Inhalte selbst erlesen, das klappt nicht bei allen gut. Viele Jugendliche lernen leicht mit Filmchen, aber das selbstständige Lesen und Verstehen von Texten müssen sie erst wieder üben.

Der Präsenzunterricht bietet verschiedene Zugänge. »Wir bemühen uns, aber das Lernen ist nicht so nachhaltig wie vorher«, sagt die Schulleiterin. Zudem werden Schüler mit schlechteren Voraussetzungen nicht genug gefördert. Besser wäre es, wenn Klassen wochenweise in der Schule und zu Hause sind. »Das wäre die beste Notlösung.«

Das könnte auch Eltern entlasten, von denen »viele sagen, dass sie überlastet sind«, fügt Becker an. Gerade diejenigen mit zwei oder drei Kindern haben es nicht leicht. Manche besitzen keinen Drucker, um Arbeitsblätter auszugeben. Immerhin bekommt es die Mehrheit in den Griff, wenn zeitweise die Server wegen hoher Nachfrage hängen. Aber es gibt einige, »die nicht so mitziehen«. Die Schule versucht zu helfen und verleiht iPads oder druckt auch mal Arbeitsblätter im Sekretariat aus.

An der Homberger Ohmtalschule gibt es »wenige Beschwerden der Eltern«, sagt Röhrscheid. Er sieht die zusätzliche Belastung. »Viele Lehrer sind ja auch selber Eltern und sind mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert.« Man müsse halt die Ausnahmesituation »gemeinsam irgendwie meistern«. Röhrscheid geht davon aus, dass die Jugendlichen durch die Umstellungen im Unterricht keine Schwierigkeiten bekommen werden.

Beide Schulleiter berichten, dass das Angebot mit Präsenzunterricht in 5. und 6. Klassen nur von wenigen genutzt wird. In Homberg sind es meist unter fünf Schülerinnen und Schüler. In der Mücker Schule werden etwa zwölf Kinder der beiden Klassenstufen unterrichtet.

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