Mit Leichtigkeit zwischen Klassik und U-Musik

Gemünden/Alsfeld (mag). "Von Bach bis Blues" ist der Titel eines Konzertprogramms des Organisten Rudolf W. Haidu und des Saxophonisten Frederik Heckel - und sie brachten dies virtuos hin.

Am Wochenende spielten sie es in der Alsfelder Christ-König-Kirche und in der katholischen Kirche Nieder-Gemünden. Haidu stammt ursprünglich aus Alsfeld, beide Musiker studieren an der Würzburger Musikhochschule.

Ein Werk für Solo-Orgel bildete den bombastischen Beginn des Konzerts: Rudolf W. Haidu spielte Johann Sebastian Bachs Präludium Es-Dur, BWV 552. Meistens griff er zu hellen Registern und zu einem dicken Klang, den er mit großer Leichtigkeit des Spiels, unter anderem in Form von flüssigen Läufen und Verzierungen, verband.

Drei der "Kegelduette" von Wolfgang Amadeus Mozart – Nr. 1, 7 und 12 – waren der erste Programmpunkt, den die beiden Musiker gemeinsam gestalteten. Sie spielten ein eigenes Arrangement der ursprünglich rein zweistimmig geschriebenen Stücke, von denen es heißt, dass Mozart sie nebenbei beim Kegeln geschrieben habe. Beim ersten Stück ließen sie Orgel und Saxophon miteinander verschmelzen. Beim zweiten und dritten hoben sich Orgel und Saxophon mehr voneinander ab.

Besonders gut kamen zwei Sätze aus Georg Friedrich Händels Sonate Nr. 6 E-Dur für Geige und Cembalo an. Haidu spielte leise und näherte sich bei der Wahl der Register ein wenig den Klangfarben des Cembalos an. Der Grundcharakter von Händels Musik blieb in dieser Version erhalten, zumal die beiden Musiker mit diesem bestimmten Puls spielten, wie er bei Barockmusik üblich ist. Mit dem dritten Satz aus der "Suite gothique" von Léon Boëllmann war wieder ein Stück für Solo-Orgel an der Reihe, diesmal ein spätromantisches. Haidu spielte es ganz stilecht mit zarten, recht dunklen Registern. Zum Teil ähnelten die Klangfarben denen von Heckels Altsaxophon.

Maurice Ravel hat einmal kritisiert, dass amerikanische Komponisten versuchten, europäische Kollegen zu imitieren, statt ihre eigene Sprache zu finden, indem sie sich von den populären Klängen ihres Kontinents – unter anderem Jazz und Blues – inspirieren ließen. George Gershwin tat genau das, so dass er im Programm von Haidu und Heckel irgendwie nicht fehlen durfte. Klangfarblich verschmolzen Orgel und Saxophon zumeist, was allein schon daran lag, dass Haidu eine ähnliche Registrierung wählte wie bei dem Stück von Léon Boëllmann.

Frederik Heckel improvisierte im Lauf der Darbietung über das Thema, wobei er sehr melodisch und mit keiner Note zu viel spielte.

Der erste und dritte Satz aus Johann Sebastian Bachs dritter Triosonate, BWV 527 waren ein weiterer Beitrag mit der Solo-Orgel. Nicht nur der richtige Puls gelang Rudolf W. Haidu, sondern auch die Registrierung, die darauf abzielte, die drei Stimmen gut voneinander abzuheben. Auch das Saxophon war einmal solo an der Reihe. Frederik Heckel ist ein großer Fan von Charlie Parker – einer der Gründe, weshalb er Altsaxophon anstelle des noch etwas populäreren Tenorsaxophons spielt. Um die Unterschiede zwischen klassischer und jazziger Tongebung zu illustrieren, spielte Heckel das Thema von Parkers "Now’s The Time" einmal in klassischer Spielweise. Dann wechselte er das Mundstück, um für die eigentliche Aufführung des Stücks einen raueren, jazztypischen Ton zu haben. Seine Improvisation war höchst elegant und gefiel mit einem guten Verhältnis zwischen Melodien und Verzierungen. Einmal in diesem Konzert griffen die beiden Musiker zu ganz anderen Instrumenten: Heckel setzte sich ans Klavier und begleitete Haidu, der "Der Musikkritiker" von Georg Kreisler sang.

Wie Kreisler selbst griff Haidu zu einem extrem gerollten "R", mit dem die Garstigkeit der Figur im Lied persifliert wird. Eine herrliche Darbietung einer herrlichen, lustigen Nummer. Es folgte noch eine von beiden gespielte, sehr schöne Version von Bachs berühmter Air aus der dritten Orchestersuite sowie der von Bach inspirierte "Italian Swing" von Liselotte Kunkel, einer Dozentin der Würzburger Hochschule. Hierbei gefiel besonders das dialogische Spiel zwischen Orgel und Saxophon. Mit "Lady Madonna" von den Beatles als Zugabe bedankten sich die beiden Musiker für den großen Beifall.

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