Lebenslange Haft für Messerstecher gefordert

Gießen/Alsfeld (sha). Lebenslange Haft für den Angeklagten wegen Mordes und schwerer räuberischer Erpressung, dies forderte Staatsanwalt Klaus Bender in seinem Plädoyer am Donnerstag vor der Fünften Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts.

Bender geht davon aus, dass der 29-Jährige die Kassiererin eines Alsfelder Getränkemarktes am 15. März dieses Jahres tötete (die AZ berichtete), um den Raubüberfall zu verschleiern. Verteidiger Rüdiger Rausch sagte hingegen, dass sein Mandant die Tötung nicht gewollt habe. Außerdem sei der drogenabhängige Mann nur vermindert schuldfähig gewesen. Er forderte eine Freiheitsstrafe von maximal zwölf Jahren für den gelernten Bäckergesellen. Das Urteil wird für den kommenden Dienstag erwartet.

Hinweise für eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten sah die Staatsanwaltschaft nicht. Im Gegenteil: Bender sagte, dass sowohl die Polizeibeamten als auch der medizinische Gutachter eine mangelnde Erinnerung des 29-Jährigen für eine bloße Schutzbehauptung halten. Zumal der in Kasachstan geborene Mann die Tat nach seiner Festnahme gestanden und seinerzeit noch ein besseres Erinnerungsvermögen besessen habe. Gegen eine eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten spreche auch, dass der Mann, rational durchdacht, mit einer Kapuze und einem Tuch vor dem Gesicht den Getränkemarkt überfallen habe. Außerdem habe er mehrere Kleidungsstücke übereinander getragen, um sich nachher schnell der blutverschmierten Oberbekleidung entledigen zu können.

Eine Plastiktüte mit diesen Textilien war im Schrank eines Freundes des Mannes sichergestellt worden. Die Tatsache, dass der Drogenabhängige nicht nur an der Kasse auf die 34-Jährige eingestochen, sondern sie auch nach draußen verfolgt und an einer Bushaltestelle erneut verletzt habe, zeige darüber hinaus die Absicht, das Opfer zu töten, um unerkannt zu bleiben. Somit sei ein Mordmerkmal erfüllt.

Opfer hinterlässt zwei Kinder

Auch Daniela Elger, die als Nebenklagevertreterin für den Witwer des Opfers auftrat, geht von der vollen Schuldfähigkeit des Angeklagten aus. Zwar habe ein Gutachten Abbauprodukte von Heroin in dessen Urin festgestellt. Aber der medizinische Sachverständige habe gleichzeitig von "therapeutischen Mengen" gesprochen. Mit Blick auf die Gewöhnung eines Abhängigen an Rauschmittel sei eine verminderte Schuldfähigkeit "klar zu verneinen". Die beiden unterschiedlichen Tatorte der Messerattacken machten auch deutlich, dass es sich nicht um ein Verbrechen im Affekt gehandelt habe.

Das Opfer dieser "völlig sinnlosen Tötung" hinterlasse zwei Kinder, gab Elger zu bedenken. Sie plädierte ebenfalls für eine lebenslange Haftstrafe.

Für Kopfschütteln im Zuschauerraum sorgte der Hinweis von Verteidiger Rausch, die 34-Jährige habe nicht die Anweisung des Arbeitgebers befolgt, sich bei einem Überfall ruhig zu verhalten. Nachdem der Angeklagte das Geld aus der Kasse gehabt hatte, habe sie ihn "plötzlich angegriffen", als sie versucht habe, ihm das Tuch vom Gesicht zu reißen. Das wahllose Einstechen des Mannes sei "eine Art Verteidigung" gewesen.

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