Von Kühen und pubertierenden Kindern

Alsfeld (ml). Viel zu lachen gab es bei der jüngsten Lesung der Reihe "Der Vulkan lässt lesen". Im Autohaus Roth in Alsfeld begrüßten Ann-Katrin Mohr (OVAG) und Helmar Bünnecke (Buchladen am Rathaus) Bestsellerautor David Safier.

Vor rund 120 Zuschauern las er aus seinem aktuellen Buch "Muh" und erzählte in der rund 90-minütigen Lesung aus dem Leben eines Autors. Safier, 1966 geboren, ist einer der erfolgreichsten Autoren der vergangenen Jahre. Den Durchbruch schaffte er 2007 mit dem Buch "Mieses Karma". Zudem arbeitet er als Drehbuchautor. Die von ihm kreierte Fernsehserie "Berlin, Berlin" erhielt neben dem Deutschen Fernsehpreis auch den Emmy, den amerikanischen Fernseh-Oscar.

Sein neues Buch "Muh" bietet ebenso wie die anderen Geschichten Safiers wieder eine skurrile Geschichte mit reichlich Humor und amüsanten Charakteren. Es geht um die abenteuerliche Reise einer ostfriesischen Kuhherde, die gemeinsam mit dem italienischen Kater Giacomo nach Indien, ins Paradies für Kühe fliehen will, um ihrem drohenden Schicksal zu entkommen, nämlich beim Schlachter zu enden. Dabei erlebt die von der Kuh Lolle angeführte Herde jede Menge Abenteuer auf ihrer Flucht vor dem Bauern. Frösche, die als Schwangerschaftstest herhalten müssen, oder witzige Kuh-Dialoge boten den Zuschauern in Alsfeld jede Menge amüsante Unterhaltung.

Darüber hinaus erzählte Safier einige Anekdoten aus seinem Leben "als international erfolgreicher Autor" – von peinlichen Erlebnissen bei einem Literaturfestival in Kolumbien über seine Arbeit beim Fernsehen bis hin zur Kindererziehung. Safier, der in Bremen mit Frau, zwei Söhnen und einem Hund lebt, schwankte am Dienstag immer "zwischen Lesung und familientherapeutischer Sitzung". So berichtete er, dass seine Frau gern in Buchläden geht, nur um zu fragen, ob dort seine Bücher vorhanden sind. Seine pubertierenden Kinder finden zwar seine Arbeit fürs Fernsehen spannend, sein Wirken als Autor dagegen eher langweilig. Er konnte viele Episoden aus dem Leben eines gestressten Vaters erzählen, dessen Söhne auch sein internationaler Erfolg kalt lässt.

Laut Safier war es wahnsinnig aufregend für ihn, als er das erste Mal sein eigenes Buch im Laden sah. "Ein Gefühl, als ob man von einem Hammer getroffen wird," hatte er dagegen bei der Emmy-Verleihung. Und auch Fragen des Publikums beantwortete Safier am Ende der Lesung. Er habe zwanzig Kilo durch Sport und eine andere Ernährung abgenommen. Auslöser seien ein kritischer Blick seiner Ärztin beim Blutdruckmessen und der Spitzname gewesen, den ihm seine Kinder verliehen hatten: Walross.

Der Name Lolle für die Kuh habe nichts mit der Hauptfigur in der Serie "Berlin, Berlin" zu tun. Ihm sei nur kein anderer Name eingefallen, gestand Safier.

Eine Besonderheit gab es bei der Lesung auch noch. Er las nicht gegen Honorar, sondern für eine Spende in seine "Gutes Karma-Stiftung", mit der er Kindern in der Dritten Welt helfen will. Eine Schule in Nepal konnte bereits in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk Plan International gebaut werden, derzeit arbeite man an einem Projekt zur Abschaffung der Kindersklaverei. Dazu verwies Safier auch auf die Internetseite www.gutes-karma-stiftung.de. Am Ende der Lesung signierte Safier dann auch Bücher, wozu er anmerkte, dass es nicht zwingend seine eigenen sein müssen. Er habe auch schon Autogramme in Bücher von Stephen King geschrieben oder in "1001 und Kekse backen". Vom begeisterten Publikum gab es am Ende viel Applaus.

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