"Kein Grund zur Panik", weil gut gerüstet

Vogelsbergkreis(sk/ks). "Eine Bankenkrise lauert", titelt das Nachrichtenmagazin "Focus" dieser Tage. Vor allem Volksbanken und Sparkassen seien von möglichen Kreditausfällen aufgrund der Corona-Krise betroffen. Die bedrohten Banken hätten fast 630 Milliarden Euro an Krediten vergeben. "Ein Teil davon könnte gefährdet sein", schreibt der "Focus" und beruft sich auf Wirtschaftsforscher aus Halle.

Die Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss: "Vor allem Volksbanken und Sparkassen sind gefährdet, weil sie Geld an viele kleine Firmen verliehen haben, die besonders unter der Krise leiden."

Sprecher der Sparkasse Oberhessen und der Volksbank Mittelhessen sehen sich indes gut aufgestellt, um die Folgen von Kreditausfällen durch die Konjunkturkrise abzufangen."Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine nennenswerten Kreditausfälle aufgrund der Corona-Pandemie verzeichnen. Als Volksbank Mittelhessen konnten wir in der Vergangenheit alle vertretbaren Kreditwünsche erfüllen. Zudem begleiten wir Restrukturierungen von Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell", teilt Jens Fürbeth mit.

Puffer aus guten Zeiten

Das laufende Geschäftsjahr sei im Kreditgeschäft zwar von der Corona-Pandemie geprägt, aber das Gros der Betriebe im Geschäftsgebiet sei gut aufgestellt. Zudem "haben viele Unternehmen die Corona-Krise genutzt, um ihr Geschäftsmodell nachzujustieren", schreibt der Volksbank-Bereichsleiter Gewerblicher Mittelstand. Darüber hinaus habe die Volksbank durch den "konjunkturellen Rückenwind" der letzten Jahre die Wucht der Pandemie-Folgen größtenteils abfedern können. Dennoch werde die Pandemie noch Auswirkungen auf einige Unternehmensbilanzen haben. Insgesamt, sagt Fürbeth, gebe es keinen Grund zur Panik, da sein Institut über eine gesunde Eigenkapitalbasis verfüge.

Ähnlich gut aufgestellt wähnt sich die Sparkasse Oberhessen. Sie "arbeitet seit vielen Jahren wirtschaftlich sehr erfolgreich und hat die vergangenen Jahre konsequent genutzt, um ihre Subs-tanz zu stärken. Dadurch waren wir in der Lage, uns zur Krisenvorsorge eine überdurchschnittliche Eigenmittelquote (22,8 Prozent) aufzubauen. Dieser Puffer aus guten Zeiten macht sich jetzt bezahlt, denn damit können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie verkraften und die damit verbundenen Herausforderungen aus einer Position der Stärke angehen", teilt SparkassenSprecher Eric Zimdars mit.

Aktuell gebe es bei der Sparkasse Oberhessen noch keinen durch die Krise bedingten Kreditausfall. "Wir sind in vielen unterschiedlichen Branchen engagiert und beobachten, dass von der Krise auch nur Teile unserer gewerblichen Kunden betroffen sind", schreibt Zimdars. Allerdings sei in der Zukunft sicherlich mit Ausfällen zu rechnen. Sein Haus sei dafür gut gerüstet.

Bei der VR Bank Hessenland heißt es: "Die Corona-Krise führte in unserem Haus bisher weder im privaten noch im gewerblichen Bereich zu wesentlich erhöhten Kreditausfällen. Die breite Branchenstreuung in der Region und analog in unserem Kundenportfolio mildert auch in Zeiten von Corona das Risiko ab, da nicht alle Bereiche in gleichem Maß von der Krise betroffen sind".

Sicherlich würden die finanziellen Folgen der Krise durch die staatlichen Maßnahmenpakete abgefedert, allerdings sei die Inanspruchnahme der staatlichen Hilfen "über unsere Bank ebenfalls überschaubar" gewesen. Die strukturellen Veränderungen bedeutender Arbeitgeber der Region werden jedoch weiteren Einfluss auf die Kaufkraft und Kreditfähigkeit der Privathaushalte haben, heißt es aus dem Vorstand der VR Bank Hessenland weiter. "Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass es zu einer signifikanten Erhöhung von Kreditausfällen kommen wird. Dennoch bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten, ein zweiter Lockdown wäre sicherlich mit markanteren Einschnitten verbunden".

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