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Aiswarya Pramod an ihrem Arbeitsplatz im Dekanat Vogelsberg. Vor ihr liegt ein Stapel Briefe. Um richtig in Deutschland anzukommen, muss sie zunächst viele Anträge ausfüllen.

Aus Indien nach Alsfeld

Junge Inderin arbeitet in Dekanat und bei Tafel mit

Wegen der Pandemie musste Aiswarya Pramod zwei Jahre darauf warten, dass ihr Abenteuer im Vogelsberg losgeht. Doch nun hat die junge Inderin die Tätigkeit im Evangelischen Dekanat begonnen.

Zwei Jahre ist es her, dass der junge Inder Joshy John, weltwärts-Kraft im Evangelischen Dekanat Vogelsberg, Alsfeld verlassen hat und in seine Heimat Kerala in Südindien zurückgereist ist. Ebenso lange hat dort Aiswarya Pramod wegen der Pandemie darauf gewartet, seine Nachfolge in Alsfeld antreten zu können. Nun hat es endlich geklappt und das Dekanat freut sich über die neue Mitarbseiterin.

Aiswarya Pramod ist vor kurzem im kalten Deutschland angekommen. Nach über elf Stunden Flug war es soweit: Der Traum von einem Auslandsjahr in Deutschland hat für sie begonnen. Am Flughafen in Frankfurt wurde Aiswarya Pramod von ihrer Gastmutter aus Homberg, Dr. Jona Dohrmann, Geschäftsführer der »Deutsch-Indischen Zusammenarbeit«, weltwärts-Mitarbeiterin Trupti Poduval sowie Ralf Müller, Referent für Bildung und Ökumene im Dekanat Vogelsberg, empfangen.

»Eigentlich sollten wir Aiswarya schon 2020 empfangen, aber Corona hat unsere Pläne gehörig durchkreuzt«, erklärt Müller. So gab es Zweifel, ob es noch klappt. »Es hätte ja auch sein können, dass Aiswarya es sich zwischenzeitlich anders überlegt. Aber umso mehr freuen wir uns jetzt, dass sie endlich da ist.«

Zweifel hatte auch die 25-Jährige, wie sie erzählt. »Ich hatte schon fast aufgegeben. Aber meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt und gepusht, daran festzuhalten.« Denn für eine junge Frau aus Indien sei es eine seltene Chance, nach Europa zu gehen, so Aiswarya. Bekommen hat sie diese Chance über das »Youth Department« der Partnerkirche in Kerala, das jedes Jahr eine Person in den Vogelsberg schicken kann.

Für Aiswarya ist es das erste Mal, dass sie Indien verlässt. »Natürlich war es für mich ein großer Schritt. Ich war sehr aufgeregt und bin es auch jetzt noch. Manchmal habe ich auch ein bisschen Heimweh und ich vermisse meine Familie«, berichtet sie. Mit ihr hält sie per Videocall Kontakt.

In ihrer Heimat wohnt Aiswarya mit Eltern und zwei jüngeren Brüdern von 16 und 23 Jahren zusammen. In ihrer Freizeit malt und liest sie gerne. Die studierte Botanikerin wohnt nun bei einer Gastfamilie in Homberg, wo sie sich sehr wohl und willkommen fühlt, wie sie sagt. »Alle sind sehr herzlich und offen.« Allerdings sei es nicht so einfach, ohne Auto von Homberg nach Alsfeld zu kommen.

Wenn Ralf Müller sie nicht mitnehmen kann, nutzt Aiswarya das Anrufsammeltaxi nach Alsfeld oder Burg-/Nieder-Gemünden zum Bahnhof. »Zeitlich ist das alles aber manchmal eine große Herausforderung«, sagt sie. Denn Pramod besucht täglich einen Deutschkurs an der Volkshochschule in Alsfeld. Dieser beginnt um 8 Uhr und geht bis 12 Uhr. Anschließend kommt sie an zwei Tagen in der Woche ins Dekanat und hilft an zwei weiteren Nachmittagen bei der Alsfelder Tafel mit.

Schon jetzt kann Aiswarya einige Sätze auf Deutsch sprechen. »Sie macht große Fortschritte in kurzer Zeit und ist sehr wissbegierig und motiviert«, erklärt Müller. Leicht sei es nicht, Deutsch zu lernen, findet Aiswarya. »Aber es macht mir Spaß.« Neben der Sprache gibt es für die junge Inderin noch viele andere Neuheiten, an die sie sich gewöhnen muss.

Ungewohnte Stille

»Es ist für mich sehr kalt hier«, erzählt sie. Denn in ihrer Heimat sei es für gewöhnlich immer warm. »23 Grad im Durchschnitt, im Sommer bis zu 40 Grad. Auf den Schnee in Deutschland hat sie sich schon im Vorfeld gefreut.

Zudem sei für sie die Stille sehr ungewohnt, sagt Aiswarya Pramod. »Es ist so leise hier. In meiner Heimatstadt ist es immer laut und hektisch, überall sind so viele Menschen und ständig wird gehupt.« Auch das Essen sei für sie eine Umstellung. Zum Beispiel möge sie kein Brot, sagt Aiswarya Pramoda und strahlt »außer Croissants, die esse ich gerne.« Zuhause in Indien esse sie für gewöhnlich morgens, mittags und abends Reis mit Curry.

Eine weitere Umstellung ist der frühe Schulbeginn. »In meiner Heimat haben wir Schule von 10 bis 14 Uhr. Der Unterricht beginnt nicht so früh, weil manche zur Schule laufen müssen und eine weitere Anreise haben.«

Auf Aiswarya warten im Dekanat verschiedene Aufgaben: So wird sie die Facebook-Seite der »Kerala-Oberhessen-Partnership« federführend übernehmen. Auf diesem Kanal will sie regelmäßig über ihr Leben in Deutschland berichten. Darüber hinaus wird sie das ökumenische Taizé-Team unterstützen.

Sie wird Konfirmandenfreizeiten begleiten und ist für Januar bereits für Vorträge in Romrod und Ilbeshausen eingeladen. Vor Weihnachten hat sie Pfarrer Uwe Ritter in Alsfeld auch beim Videodreh für das Heiligabend-Krippenspiel geholfen. erzählt Aiswarya. Müller ergänzt: »Als studierte Botanikerin wird sie natürlich auch in den Gemeinschaftsgärten des Dekanats mitwirken.« Jetzt aber sei erst »Ankommen, Einleben und Deutschlernen angesagt«.

Um Aiswarya das Ankommen in Deutschland zu verschönern, hatte er im Dekanat eine Adventskalender-Aktion für sie gestartet. Bis zum 24. Dezember schickte jeden Tag jemand anderes einen Adventsgruß oder ein kleines Geschenk an Aiswarya Pramod nach Homberg. »Darüber freue ich mich sehr. Täglich erreichen mich so viele herzliche und warme Worte. Ich fühle mich hier sehr willkommen«, sagt sie.

Auf die Frage, worauf sie sich am meisten in der Zukunft freut, antwortet Aiswarya Pramod lachend: »Auf das Oktoberfest in München. Ich hoffe sehr, dass es 2022 stattfinden kann.« Denn sie wolle so viel wie möglich von Deutschland und seiner Kultur kennenlernen. Auch ein Besuch in Frankfurt steht auf ihrem Plan, denn dort hat sie Bekannte, die sie besuchen möchte. Auf ihr persönliches Abenteuer 2022 in Deutschland ist Aiswarya Pramod jedenfalls »sehr gespannt«.

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