"Er hat immer Stunk gesucht"

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Alsfeld/Gießen(jol). Mit einer Schilderung der Witwe ging am Mittwoch das Verfahren um das Gewaltverbrechen im April im Kleingartengebiet Beerenwiese in Alsfeld weiter. Laut Anklage hat der 37-jährige B. mit einem 1,2 Kilogramm schweren Hammer seinen Parzellennachbarn erschlagen.

Wenige Minuten später eilte die Ehefrau des Opfers hinzu. Der Kopf sei blutig und nicht zu erkennen gewesen, den Puls konnte sie nicht mehr spüren. "Da wusste ich, dass ich nicht mehr helfen kann", sagte sie aus. Sie habe nur noch geschrien.

Bei der Verhandlung am Landgericht Gießen verlas die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze das erschütternde Protokoll, das die Polizei einige Stunden nach der Tat am 4. April dieses Jahres aufgezeichnet hat. Die Prozessbeteiligten hatten darauf verzichtet, die Witwe in Anwesenheit des Angeklagten aussagen zu lassen. Über mögliche Hintergründe der Bluttat meinte sie: "Er hat immer Stunk gesucht und meinen Mann bedroht."

Das bestätigte auch der Schwiegersohn. Er war bei einer früheren Auseinandersetzung dabei, die damit begonnen hatte, dass B. Steine durch die Hecke auf das Nachbargrundstück warf. Sein Schwiegervater habe sich beim Vereinsvorstand über das Verhalten beschwert. Kurz darauf sei B. in die Parzelle gestürmt, wo die Familie in größerer Runde saß: "Er war wie eine Bestie" und wollte meinen Schwiegervater schlagen."

Nur mit vereinten Kräften konnten mehrere Familienmitglieder den Angreifer zu Boden drücken. Die Polizei nahm B. mit, aber eine halbe Stunde später war er wieder auf der Nachbarparzelle und habe mit laut aufgedrehter arabischer Musik provoziert.

Steinwürfe in Hecke

Der 27-Jährige erinnerte sich, dass Polizisten in einem Gespräch mit B. das polnische Wort "Kurba" erläutert haben. Es habe die gleiche Bedeutung wie "Mist". B. habe bei der Polizei gesagt, er habe es verstanden. Zur Erinnerung: Zu Prozessauftakt hatte B. erklärt, er habe sich durch Beschimpfung seines Nachbarn provoziert gefühlt. Deshalb sei er ausgerastet und habe zugeschlagen. Zentrales Schimpfwort war dabei "Kurba", das B. im Prozess als "Hurensohn" deutete. Am Mittwoch sagte B., er habe bei dem früheren Vorfall Steine in die Hecke geworfen, nicht auf Menschen. Die Nachbarn hätten ihn mit einem sexuellen Schimpfwort beleidigt.

Nebenklagevertreter Kuhn forderte, die Vorstrafen B.s sollten erörtert werden. Frühere Körperverletzungen zeigten, dass sich B. in seinen Taten immer mehr gesteigert hat. Kuhn forderte zudem Sicherungsverwahrung.

Staatsanwalt Thomas Hauburger wies darauf hin, dass Vorstrafen im Verfahrensverlauf gegen Ende vorgetragen werden. Die Möglichkeit der Sicherungsverwahrung gebe es nur, wenn in den vergangenen fünf Jahren einschlägige Straftaten verzeichnet wurden.

Gefährliche Körperverletzungen durch B. datieren aber von 2011 und 2012, das liegt zu weit zurück, sagte Enders-Kunze. Sie wies auch den Vorstoß Kuhns zurück, in Unterlagen der Ausländerbehörde nach weiteren Straftaten zu suchen. Kuhn verwies darauf, dass B. in früheren Jahren unter anderen Namen aufgetreten sei. Enders-Kunze stellte klar, dass in der Auflistung der Vorverurteilungen alle Alias-Namen B.s berücksichtigt sind.

Verurteilt wurde B. 2011 wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe. 2012 erhielt er sieben Monate Haft mit Bewährung, weil er einen Bekannten mit einer Bierflasche und Fäusten malträtiert hatte. 2014 gab es zehn Monate Haft mit Bewährung für Körperverletzung und gefährliche Körperverletzung gegen seine Partnerin sowie ihre kleine Tochter. 2018 wurde er wegen Bedrohung und Sachbeschädigung bestraft.

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