Tempo runter: Warnung vor Wildwechsel an der B 49 bei Romrod. FOTOS JOL, PM

Unfälle

Immer mehr Wildunfälle anuf den Vogelsberger Straßen

In der dunklen Jahreszeit geht die Zahl der Wildunfälle deutlich nach oben, auch im Vogelsberg. Solch eine Kollision mit einem Pkw ist für Tier und Mensch gefährlich.

Jeder Autofahrer fürchtet die Situation, dass ihm in der Dämmerung ein Reh oder Wildschwein vor den Wagen springt. Dann kann er nur noch das Lenkrad festhalten und scharf bremsen. Gerade in diesen Wochen besteht hohe Gefahr, in einen Wildunfall verwickelt zu werden. Und es werden immer mehr, wie die Polizei registriert. Im Vorjahr ist ihre Zahl auf 1144 gestiegen, und auch in diesem Jahr wurden schon über 1000 verzeichnet (siehe Kasten).

Die Folgen treffen die Versicherungsunternehmen. So haben nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Wildtierunfälle im vergangenen Jahr ein Rekordhoch erreicht. 2019 verzeichnete die Branche bundesweit 295 000 derartige Kfz-Schäden und damit so viele wie noch nie. Die Schäden werden auch mit jedem Jahr teurer.

Allein die Gothaer Versicherung registrierte 3847 Kfz-Wildtierschäden im Jahr 2019, das bedeutet eine Steigerung von 12,5 Prozent zum Vorjahr. Dabei erhöhten sich die bei der Gothaer verzeichneten Kaskoschäden durch Wildunfälle von 2018 auf 2019 um fast 18 Prozent.

Die Polizei Osthessen hat erst kürzlich wieder vor Wildunfallgefahren gewarnt. Mit 3043 Wildunfällen sind die Fallzahlen in Osthessen 2019 im Vergleich zum Vorjahr tatsächlich um 156 Unfälle leicht gestiegen. Menschen kommen bei diesen Unfällen selten zu Schaden, das Tierleid aber ist groß.

Autofahrer sollten Licht abblenden

Die zunehmende Gefahr alarmiert die Vogelsberger Jäger. So fordert Mario Döweling vom Jagdverein Alsfeld die Autofahrer auf, vor allem in den Abend- und Morgenstunden jeweils ab etwa einer Stunde vor Dämmerung besonders vorsichtig zu fahren. Er selbst ist dann nur noch mit Tempo 80 auf den Straßen unterwegs. Bei Nebel, rutschiger Fahrbahn und Regen sollte man noch etwas zurückhaltender fahren.

Eine weitere Möglichkeit, die Gefahr zu mindern, ist die App hessenWarn. Ist eine Wildwechselgefahr auf bestimmten Strecken wahrscheinlich, schlägt die App Alarm. Die Fahrweise sollte unabhängig davon angepasst werden, regt die Polizei Osthessen an.

Verkehrsexperten und Gutachter sind sich einig, dass die Geschwindigkeit ein großer Faktor bei der Vermeidung von Wildunfällen darstellt. Je geringer die Geschwindigkeit, desto größer ist die Chance, rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Automobilverbände haben in Crashtests mit Wild gezeigt, dass bei 80 Stundenkilometern schwere Schäden am Auto entstehen, der Unfall für die Insassen aber ohne Verletzungen ablaufen kann. Wer 80 statt 100 Stundenkilometer fährt, verkürzt zudem den Bremsweg bereits um 25 Meter.

Noch ein Tipp der Polizei: Wenn ein Tier am Straßenrand steht, sollte man abbremsen, abblenden und hupen. Die Augen der Wildtiere sind lichtempfindlicher als die von Menschen. Fernlicht macht sie orientierungslos. Das Hupen hilft Wildtieren, sich akustisch zu orientieren und zu flüchten.

Falls eine Kollision nicht zu vermeiden ist, gilt die Regel: Das Lenkrad gut festhalten und nicht ausweichen. Sonst gerät man eventuell in den Gegenverkehr oder das Fahrzeug kommt ins Schleudern. Nach einem Zusammenstoß muss die Unfallstelle abgesichert werden. Dazu gehören: Warnblinkanlage einschalten, Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen. Ist das Tier verletzt, auch wenn es geflüchtet ist, sollte die Polizei informiert werden.

Die Fluchtrichtung des Tieres kann man mit Taschentuch oder Kreide markieren. Die Polizei setzt sich mit dem zuständigen Jäger in Verbindung. Polizei und Jäger stellen die Wildunfallbescheinigung für die Versicherung aus.

Noch ein Hinweis der Polizei: Keinesfalls das Tier anfassen oder mitnehmen. Wer getötetes Wild nach einem Unfall einfach mitnimmt, macht sich strafbar. Weitere Tipps bietet die Polizei auf Instagram und im Internet unter www.polizei.hessen.de.

Auch Mario Döweling betont, man solle im Fall einer Kollision unbedingt den Unfall melden. Das gilt auch dann, wenn das Tier weg ist und kein Schaden am Auto entstanden ist. Dann kann der Jagdpächter nachsuchen und unnötiges Tierleid vermeiden. "Wir erlegen immer wieder Tiere mit zum Teil schon mehrere Jahre alten, ausgeheilten Unfallverletzungen, die sich dann auf drei Läufen durchschleppen oder stark abgemagert sind", berichtet Döweling.

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