"Hier und Jetzt haben Sie nur ein Leben"

Alsfeld (AZ). "Da!" und "Da!". Laut, hell und mit ausgestrecktem Zeigefinger eröffneten die Schüler der Jahrgangsstufe 13 ihre Collage zum Thema "Sucht und Abhängigkeit" und bewiesen viel Fingerspitzenge

fühl im Umgang mit dem brisanten Thema. Die Schüler entschieden sich gegen den Vorschlag der Kursleiterin Martina Frische, eine Liebesgeschichte zu inszenieren. So präsentierten sie am vergangenen Freitag in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule unter dem Titel "SehnSucht" ihre Arbeit. Die dargestellten Szenen der 14 Schauspieler wurden zusammen mit Bild- und Videoprojektionen zu einem gelungenen Gesamtbild.

Die Sucht hat viele Gesichter. Alkohol und Zigaretten sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Die Jugendlichen haben ihren eigenen Umgang damit im Laufe des Kurses reflektiert und eine abwechslungsreiche Collage erarbeitet. Neben Tabletten- und Drogenabhängigkeit, Bulimie und Sportsucht standen vor allem die Abhängigkeit von Internet und Computerspielen im Mittelpunkt der Aufführung.

Die Schüler haben sowohl körperliche als auch psychische und soziale Schäden, die aus einer Abhängigkeit resultieren, aufbereitet. Der Betroffene vernachlässigt seine Freunde, kommt in der Schule nicht mehr mit und gibt seine Hobbies auf. Das Leben eines Computersüchtigen zum Beispiel findet in einer virtuellen Welt statt. Zwischen Euphorie und totaler Verzweiflung verliert der Abhängige – hervorragend gespielt von Ray Sandoval – den Bezug zur Realität immer mehr.

Hinschauen und Helfen stehen jetzt an. Mit einem Augenzwinkern geben die Schüler eine Anleitung, um sich im realen Leben wieder zurecht zu finden. Den Computer-Junkie warnen sie: "Hier und Jetzt haben Sie nur ein Leben". Auch die Magersüchtige, die in den Spiegel blickt und sichzu dick findet, hat nur dieses eine Leben. Ein Plakat der "No-Anorexia"-Kampagne aus dem Jahre 2007 schockte das Publikum. Während der Aufführungsdauer von etwa einer Stunde hing das Plakat, welches die magersüchtige Isabelle Caro zeigt, im Zentrum des Bühnenbildes. Wie ein Rahmen umspannten Werbespots die Aufführung. Bereits bei der Saalöffnung flimmerten Fernsehreklamen für Bier, Kaffee und andere Genussmittel über eine Leinwand. Bunt und fröhlich wird der Alkoholgenuss beworben, ein Hersteller beschreibt seinen Vodka als "pure, mild and sexy". Die Kritik wurde bereits durch die Menge der Werbefilme deutlich.

Im Gegensatz dazu zeigten die Schüler Aufklärungskampagnen wie "Never drink and drive" oder "Alkohol? Kenn dein Limit!" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Hast du schon mal dran gedacht, dass du die Ausnahme sein könntest?", fragte Helene Schengel ihre Freundin (dargestellt von Andrea Falk), die in der Schwangerschaft raucht und das Risiko für sich und ihr Kind offensichtlich erheblich unterschätzt. Nicht nur Fragen wie diese blieben dem Zuschauer im Gedächtnis, sondern vor allem die eindrucksvollen und zum Teil schockierenden Bilder der Präsentation.

Die Schüler haben ihr organisatorisches Talent und ihre schauspielerischen Leistungen mit dem Stück unter Beweis gestellt und wurden dafür vom Publikum mit reichlich Applaus belohnt.

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