Für herausragendes Engagement: Das Bundesverdienstkreuz überreicht Staatssekretär Dr. Manuel Lösel an Heinz Pötz. (Foto: jol)
+
Für herausragendes Engagement: Das Bundesverdienstkreuz überreicht Staatssekretär Dr. Manuel Lösel an Heinz Pötz. (Foto: jol)

Herausragende Ehrung für Heinz Pötz

Alsfeld (jol). Er hat Vereine aufgebaut, Reisen um die ganze Welt gemacht, um Natur und Landwirtschaft kennenzulernen, stets fest im Glauben gestanden – nun erhielt Heinz Pötz das Bundesverdienstkreuz.

Die Ehrung erhalten besonders aktive Ehrenamtliche, die "Träger der Gesellschaft", wie es Dr. Manuel Lösel nannte. Der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium war ins Rambachhaus gekommen, um vor einer illustren Gästeschar die hohe Auszeichnung zu überreichen. 95 Jahre ist Pötz alt, schmal geworden, die Beine tragen nicht mehr so gut, aber ungebrochen seine verbindliche Art, sein Gegenüber freundlich anzuschauen und mit "mein Junge" anzusprechen.

Pötz war 53 Jahre Vorsitzender des Gartenbauvereins und jahrzehntelang aktiv für die katholische Gemeinde, für diese Tätigkeiten im Ehrenamt bekam er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Zudem war er Leiter der Landwirtschaftsschule und aktiver Ratgeber in der CDU. Dem entsprechend waren unter den Gästen Dekan Jerzy Dmytruk, Landtagsabgeordneter Kurt Wiegel, Stadtverordnetenvorsteher Michael Refflinghaus und der Leiter der Landwirtschaftsschule, Freimut Krug. "Es ist herausragend, was Sie geleistet haben als Schulleiter, im Pfarrgemeinderat, in der Kolpingfamilie und an anderen Stellen", lobte Lösel. Das Ehrenamt trage die Gesellschaft, ganz besonderer Dank gebühre denen, die aus der großen Zahl an Ehrenamtlichen herausragen. Dazu gehört Pötz ohne Zweifel.

Lösel verwies auf die große Bedeutung der Ehrenamtlichen bei der Betreuung von über einer Million Flüchtlinge in den vergangenen Monaten. Alle Ankömmlinge hätten ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen vorgefunden. "Wir haben erfolgreich gearbeitet", dabei hätten gerade die Ehrenamtlichen sehr viel geleistet. Ihnen gebühre großer Dank.

Der 95-jährige Geehrte schlug in seiner Dankesrede einen großen Bogen. Im 2. Weltkrieg habe die Wehrmacht den "Gefrierfleisch-Orden" an Teilnehmer des Russland-Feldzugs vergeben. Dort herrschten zeitweilig 40 Grad minus. Es war so kalt, dass Soldaten erfroren. Dem gegenüber setzte Pötz auf die Landwirtschaft als Basis fürs Leben. "Wer Hunger erlebt hat, der weiß, was die Landwirtschaft leistet." Die Landwirtschaftsschule war 1953 gerade erbaut worden, als er dorthin kam. "Die Schule war mein Leben," sagte Pötz, er habe "nur mit Freude" unterrichtet. Diese Erfüllung gelte auch für 53 Jahre an der Spitze des Gartenbauvereins. Zum Schluss zitierte er eine Bitte um religiöses Leben aus dem Wallfahrtsort Medjugorje. Die Verbindung von Religion und Landschaftspflege hob auch Bürgermeister Stephan Paule hervor.

Pötz habe das 3. Reich als "glaubensfeindliches Regime" erlebt. Nach 1945 hatte Pötz Agrarwissenschaften studiert und schon damals einen Studienaufenthalt in Wisconsin erlebt. Die modernen Agrarmethoden habe er in die Tätigkeit an der Landwirtschaftsschule in Alsfeld sowie in den Obst- und Gartenbauverein eingebracht. OGV-Vorsitzende Rita Balada fügte an, Pötz habe den Verein 53 Jahre lang geleitet und bis zu 500 Mitglieder betreut. Lehrfahrten führten nach China und Kanada, viele Vorträge zu den Reisen folgten.

Udo Kornmann, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Landwirtschaftsschüler, sagte, Pötz sei "ein Lehrer im Herzen". Waltraud Enderlein, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, dem Pötz bis 1993 vorstand, sagte, er habe bei keiner Veranstaltung gefehlt, war Mitbegründer der Kolpingfamilie in den 1960ern, Sänger im Kirchenchor und Pressereferent der Gemeinde. (Foto: jol)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare