DRK

Helfer haben immer weniger Zeit

  • vonPhilipp Weitzel
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Bei einer Zwischenbilanz reden DRK-Vertreter im Kreis über die Flut von Einsätzen. Problem ist der Personalmangel, die Helfer haben immer weniger Zeit.

Zur traditionellen Zwischenbilanz der Arbeit hat die Kreisbereitschaftsleitung des Deutschen Roten Kreuzes dieser Tage eingeladen. Im halbjährlichen Resümee zogen Ulf Immo Bovensmann und Andreas Fischer schon jetzt eine beindruckende Bilanz für die Ehrenamtlichen in den neun Bereitschaften und 13 Ortsvereinen. Von ihnen wird auch der erste Betreuungszug und der zweite Sanitätszug des Vogelsbergkreises gestellt. darin enthalten sind jeweils zwei Schnelleinsatzgruppen die bei größeren Unglücken mit vielen Betroffenen zum Einsatz kommen.

Fast 50 000 Stunden wurden von den rund 450 Helfern in diesem Jahr schon geleistet, doch die Zahl der Aktiven im DRK nimmt weiter ab. "Früher hatten unsere Helfer eine hohe Flexibilität, heute ist der Beruf wichtiger und es gibt ein verändertes Freizeitverhalten", sagt Ulf Immo Bovensmann.

Sanitätsdienst

Dies wirke sich besonders auf die sogenannten Sanitätsdienste aus, von denen bisher etwa 60 geleistet wurden. "Es gibt Dienste, die wir nicht mehr besetzen können", sagt der Kreisbereitschaftsleiter. Aus seiner Sicht sind hohe Anforderungen und fehlendes Personal ursächlich, dass die Ausrichtung eines Sanitätsdienstes nicht mehr zur Selbstverständlichkeit gehört.

Die bisherigen Dienste liefen aus Sicht von Andreas Fischer relativ ruhig, abgesehen von zwei Extremen. So wurden im Juni an einem Wochenende elf Sanitätsdienste gestellt und am Faschingsumzug in Mücke wurden an einem einzigen Tag 450 ehrenamtliche Stunden geleistet. Zwei besondere Sanitätsdienste stehen in diesen Wochen an.

So sichern DRK-Helfer aus der Region Alsfeld noch heute beim letzten Tag die "Steinexpo" bei Homberg und später dann die Weltmeisterschaft der Polizei- und Militärschützen ab. "Viele unserer Ehrenamtlichen nehmen sich dafür Urlaub oder werden von ihren Arbeitgebern für ihr Ehrenamt freigestellt", hob Fischer hervor.

Bei einem halben Dutzend Einsätze waren die Bereitschaften im Vogelsbergkreis gefragt, meistens in Ergänzung zu Feuerwehreinsätzen. So kamen die Helfer beim Brand einer Flüchtlingsunterkunft in Schlitz zum Einsatz. Besonders gut laufe die Zusammenarbeit zwischen der Homberger Bereitschaft des Roten Kreuzes und der Feuerwehr.

Flüchtlingshilfe kein Thema mehr

Bei bestimmten Alarmstichworten werden die Rotkreuzhelfer automatisch mitalarmiert. Aus ihrer Sicht erhöht das die Sicherheit für die freiwilligen Feuerwehrleute und sorgt für eine bessere Versorgung von Verletzten. Bei der Schlammlawine in Ober-Ofleiden verpflegte die Bereitschaft die Einsatzkräfte. Für den Blutspendedienst wurden rund 2 500 Stunden von den Ehrenamtlichen geleistet, doch auch hier merkt das DRK einen Rückgang. Die Spendenbereitschaft sinke und mit ihr auch die angebotenen Termine und Orte. Rund 2000 Menschen wurden bei 20 Terminen an zehn Orten zum Aderlass motiviert. Erfreulich zeigten sich die Kreisbereitschaftsleiter über eine leicht steigende Anzahl bei den Erstspendern.

Zur Entlastung der Ehrenamtlichen und zur Aufrechterhaltung des Services schloss sich in der Gemeinde Mücke eine Kooperation, so wechseln sich die Bereitschaften Atzenhain und Mücke bei der Ausrichtung der Blutspende ab. "Pro Termin konnten im Durchschnitt 86 Spender gezählt werden", unterstrich Bovensmann diesen Kooperationserfolg. Fast kein Thema mehr ist die Flüchtlingshilfe für die Bereitschaften des DRKs, lediglich bei der Kleiderkammer in Merlau ist das Engagement noch nötig.

Für den Bereich der Ausbildung hoben Bovensmann und Fischer eine engere Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Marburg/Gießen hervor, so werden dort bereits Lehrgänge absolviert. Bei mehreren Übungen trainierten die DRK-Einsatzkräfte ihre Schlagkraft, besonders hervorgehoben wurde die Großübung in der Gemeinde Mücke. Alle verfügbaren Einheiten des DRK-Kreisverbandes waren vor Ort, darunter drei Ärzte. "Die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gemeindebrandinspektor Martin Schlosser klappt einfach hervorragend", so die Kreisbereitschaftsleiter. Aus ihrer Sicht ist es ein Trend, dass sich die Ehrenamtlichen verschiedener Behörden und Organisationen annähern. Dahingehend zeigten sich die Kreisbereitschaftsleiter erfreut, dass nun alle Helfer im Katastrophenschutz die Möglichkeit für die Gewährung von Anerkennungsprämien zugesprochen wurde.

Wie bei den Feuerwehrleuten will das Land nun auch an DRK-Helfer Prämien für längjährigen Dienst im Katastrophenschutz verleihen. Zur Einführung sollen auch Helfer berücksichtigt werden, die bereits mehr als vierzig Jahre aktiv sind. Im Hinblick auf die Zusammenlegung der Rettungsdienste aus den Landkreisen Vogelsberg, Gießen und Marburg-Biedenkopf sahen die Kreisbereitschaftsleiter keine negativen Auswirkungen auf die Arbeit der Ehrenamtlichen. Zur technischen Ausstattung teilte die Kreisbereitschaftsleitung mit, dass unter anderem in Gemünden am Standort Ehringshausen die Unterkunft modernisiert wird. Zwei neue Garagen entstehen dort, in denen auch Einheiten des ersten Betreuungszuges des Vogelsbergkreises untergebracht werden. "Ein sehr reger und sehr aktiver Ortsverein", stellten die Kreisbereitschaftsleiter fest. In der neuen Seniorenresidenz am Storchennest in Alsfeld wird ein Lehrsaalentstehen, teilte Kreisgeschäftsführer Manfred Hasemann mit. Im Vogelsbergkreis werden aber auch Feldbetten, Zelte und Nahrungsmittel dezentral gelagert, um im Notfall über einen längeren Zeitraum zu helfen.

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