Heilung mit einem Händedruck von tausenden erhofft

Alsfeld (rs). Das Potenzial scheint gewaltig: Rund die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands ist auf der Sinnsuche und könnte sich vorstellen, die Dienste eines Geistheilers in Anspruch zu nehmen, so der Veranstalter.

Victor Rollhausen zitiert aus einer Spiegel-Ausgabe vom Sommer. Der Geschäftsführer von Earth Oasis, Slogan "Gesundheit, Bewusstsein, Heilung", organisiert die 6. Europäischen Geistheilungstage, die nach dem Auftakt in Salzburg vor acht Tagen jetzt am Wochenende in der Hessenhalle auf die Zielgerade biegen. Unter dem Strich werden bis Sonntag Abend wohl über 12000 Besucher gekommen sein, haben Vorträge zu ihren Problemen gehört und vielleicht sogar Kontakt zu dem Medium João de Deus gehabt. Der 71-Jährige aus Brasilien ist seit 55 Jahren in dem Metier tätig, der dienstälteste Geistheiler und deshalb wohl auch der bekannteste.

In Deutschland ist das Angebot der Geistheilung etwas Besonderes, im heimischen Brasilien ist er nur einer unter 7000. Allerdings ist João de Deus nach Angaben von Rollhausen auch einer der regsten, denn Hochrechnungen hätten ergeben, dass sich ihm bereits rund acht Millionen Menschen anvertraut haben. "Mehr als ein großes Krankenhaus leisten kann", so der Geschäftsführer zufrieden. Allerdings seien sicher nicht alle acht Millionen Hilfesuchenden geheilt worden, stellt er klar, und wenn, dann nicht von João de Deus.

Denn der fasse sich ja nur als Medium auf, durch ihn wirkten geistige Kräfte. Zwar sieht Rollhausen das Wirken von João de Deus im Zusammenspiel mit anderen Heilungsformen, etwa der Schulmedizin, aber zu dem brasilianischen Medium kämen eben überwiegend diejenigen Menschen, die nach Einschätzung des "normalen" Gesundheitssystems austherapiert sind, die Krebs oder chronische Schmerzen haben. Ihnen wende sich João de Deus in ihrer Gesamtheit zu, behandele Körper, Geist und Seele.

Wenn das brasilianische Medium "behandelt", dann gibt er den "Patienten" die Hand - mehr nicht. Dabei muss dann nicht immer etwas über João de Deus auf den vorbeigehenden Menschen einwirken, meint Rollhausen. Es könne schon positiv sein, wenn sich der Hilfesuchende durch den Besuch der Geistheilungstage innerlich sammelt, sich auf sein Problem konzentriert, eine Art der Meditation eingeht. Schon das könne Wunder wirken. Es komme immer auf die spirituelle Grundhaltung der Menschen an; sich mal mehr Zeit für sich selbst zu nehmen: Das Schlimmste jedenfalls sei, wenn nichts geschehe, wenn sich der Mensch aufgebe. Auch wenn der Besuch der Geistheilungstage mal nichts Heilendes bewirkt habe, Schaden hätten die Hilfesuchenden jedenfalls auch nicht genommen.

Innerer Frieden für die Menschen

Insgesamt ordnet der Organisator der 6. Europäischen Geistheilungstage den großen Zulauf in Salzburg und Alsfeld dem allgemein immer weiter zurückgehenden Gottesglauben zu. Damit einher gehe automatisch die Angst vor dem Tod, denn wenn man nicht an ein Leben nach dem Tod glaube, was komme dann? Wenn Menschen Hilfe bei João de Deus suchten, dann würden sie immerhin indirekt akzeptieren, dass es da etwas gebe, das über das brasilianische Medium wirke. Dann habe der Mensch einen inneren Frieden gefunden. Dass es neben der materiellen Welt noch eine geistige Welt gebe, sei eine Glaubensfrage und nicht allen Menschen zu vermitteln.

So bleibt es auch eine Glaubensfrage, was das Trinken des "gesegneten und energetisierten" Wassers mit dem Konterfei von João de Deus anlangt, das zu Tausenden auf Paletten bereit steht. Denn es soll die Kräutermedikamente ersetzen, die in Lateinamerika bei Geistheilungen an der Tagesordnung sind. In Deutschland scheitert deren Ausgabe am Medikamentengesetz.

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