Was Hänschen nicht lernt, das lernt halt Hans

Alsfeld (aaz). Wer bisher gedacht hatte, die Kreisjugendbücherei sei nur für Kinder und Jugendliche ein interessanter Ort, der muss spätestens seit Freitag umdenken.

Alsfeld (aaz). Wer bisher gedacht hatte, die Kreisjugendbücherei sei nur für Kinder und Jugendliche ein interessanter Ort, der muss spätestens seit Freitag umdenken. Pünktlich zum Deutschen Weiterbildungstag unter dem Motto "Bildung stärken - Chancen nutzen" eröffnet die Landesinitiative Hessencampus Vogelsberg genau dort ein so genanntes "Selbstlernzentrum". Alle Bürger ds Kreises sind von jetzt an eingeladen, das kostenfreie Angebot an Lern- und Informationsmaterialien zu nutzen und sich weiterzubilden - egal ob für Job, Freizeit oder Urlaub.

"Ich bin auch gekommen, um zu lernen", gestand Kreisbeigeordneter Gerhard Ruhl. Aus diesem Grund waren alle Anwesenden zur Eröffnung des Selbstlernzentrums in der Krebsbach 10 gekommen. Wie wichtig Bildung und Weiterbildung für jeden Einzelnen und für die Gesamtbevölkerung ist, hob Ruhl hervor: "Die volkswirtschaftliche Rendite von Bildung ist höher als jede andere Rendite." Außerdem senke eine Investition in Bildung langfristig die Arbeitslosigkeit und verhindere unnötige Kündigungen. Die Bedeutung von Bildung gelte nicht nur für Kinder und Heranwachsende, sondern für alle Menschen in jedem Lebensalter.

Dies verdeutlichte auch Dr. Christine Meinhardt-Remy, Lernberaterin im Zentrum in Alsfeld. Das Selbstlernzentrum stehe für lebensbegleitendes Lernen. Seine Zielgruppe umfasst nicht nur Schüler als offensichtlich Lernende, sondern auch alle anderen: Lehrer, Eltern, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Arbeitssuchende und alle diejenigen, die ihren Horizont - aus welchen Gründen auch immer - erweitern möchten. Egal ob man seine fachlichen Kompetenzen in einem bestimmten Bereich verbessern, sich beruflich orientieren, eine Fremdsprache für den nächsten Urlaub erlernen möchte oder ob man Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen benötigt: Das Selbstlernzentrum bietet für all diese Anfragen eine passende Hilfestellung.

Im Vordergrund steht das selbstständige Lernen. Die Besucher richten sich ihre Zeit eigenständig ein und entscheiden, wann sie die Dienste des Zentrums in Anspruch nehmen und wie intensiv sie sich fortbilden. Unterstützung erhalten sie von gut ausgebildeten Lernberatern, die hilfreiche Tipps geben. Dazu erstellen sie zunächst ein individuelles Lernprofil, das die Eigenschaften des jeweiligen "Klienten" erfasst und diese in einem Lernplan berücksichtigt. Hier unterscheidet sich das Lernzentrum klar vom typischen Schulunterricht: Jeder Besucher kann davon ausgehen, ein perfekt auf ihn abgestimmtes Lernprogramm zu erhalten.

Zur Verfügung stehen nicht nur Bücher, sondern auch die neueste Technologie: An PC-Stationen kann man mit Hilfe des Internets und hilfreicher Software das eigene Wissen testen, trainieren und erweitern.

Und dass ein Lernzentrum gut funktionieren kann, bestätigte Marianne von Kölichen, Lernberaterin im bereits laufenden Zentrum in Lauterbach. Sie berichtete, dass beispielsweise viele Aussiedler das Lernzentrum aufsuchen, wenn sie Hilfe beim Schreiben ihrer Bewerbungen brauchen. In einem anderen Fall wurde sie von einem jungen Mann ohne Schulabschluss angesprochen, der seine Mittlere Reife nachholen will und sich im Lernzentrum auf die Prüfungen vorbereitet. Für den Leiter der Volkshochschule, Hans-Günther Oer, stellte sich die Frage, ob "normale" Lehrer und Schulen überhaupt noch gebraucht werden. Lernberaterin Christine Meinhardt-Remy betonte allerdings, dass man Schüler zwar dazu anregen wolle, selbstständig zu lernen, dennoch sei der persönliche Umgang mit den Lehrern und den Mitschülern nicht ersetzbar.

Außerdem müssten sich die Schüler eine gewisse Medien- und Informationskompetenz in den Schulen aneignen, um eigenständig recherchieren zu können. Von daher sei die schulische Bildung nicht austauschbar. Auch die drei anwesenden Schulleiter, Heinz Horst von der Vogelsbergschule, Claudia Galetzka von der Max-Eyth-Schule und Elisabeth Hillebrand vom Albert-Schweitzer-Gymnasium, versicherten jeweils, dass sie die Einrichtung für eine sinnvolle Ergänzung zum schulischen Unterricht halten. "Während der Berufsorientierungswoche durften die Schüler bereits das Angebot des Lernzentrums nutzen und waren ganz begeistert. Danach waren sie auf jeden Fall schlauer als vorher", so Hillebrand.

Heinz Horst wünschte sich, dass möglichst viele Menschen das neue Angebot annehmen. Wie hilfreich und reizvoll das Angebot tatsächlich für die Jugendlichen ist, wurde von zwei Schülern des Matheleistungskurses demonstriert. Auf anschauliche Weise präsentierten Dominik Böcher und Carsten Gemmer den Anwesenden, wie spezielle Lernsoftware den Schülern zu einem besseren Verständnis der Lerninhalte aus dem Unterricht verhelfen kann.

"Es geht darum, Synergieeffekte der Schulen und Institutionen erfolgreich zu bündeln, um ein besseres Bildungsergebnis zu erzielen" erklärte Heinrich März, Leistungskursleiter und Mathelehrer an der ASS. Das Lernzentrum trage einen wesentlichen Teil dazu bei.

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