Wasser

Grundwasserspiegel im Vogelsberg sinkt

Trocknet der Vogelsberg langsam, aber sicher aus? Der Grundwasserspiegel sinkt, jedes Jahr werden Millionen Kubikmeter Trinkwasser nach Frankfurt gepumpt.

Dürre in den Wäldern und das Verbot, Wasser aus den Bächen zu nehmen: all das sind nur Vorboten. Schon in zwei bis drei Jahren könnten bisher ergiebige Quellen im Bereich des Vogelsberges versiegen, warnt die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV). Bereits im langen und heißen Sommer 2018 sind die Grundwasserstände teilweise um mehrere Meter gesunken, erklärt Hans-Otto Wack von der Schutzgemeinschaft: "Seit 15 Jahren kann man zuschauen, wie das Grundwasser weniger wird."

Wack erklärt das Problem: Wenn Regen und Schnee im Hohen Vogelsberg ausbleiben, fehlen sie vier Jahre später in den Brunnen von Nidda und Schotten. In der Folge verdörrt die obere Bodenschicht, Bäche fallen trocken und Quellen versiegen. Im Vogelsberg seien inzwischen bereits 40 bis 70 Prozent der Quellen ausgetrocknet. Das wird auch die Wälder verändern, denn die Buche braucht feuchte Böden. Wacks Hauptkritikpunkt ist, "dass in der Politik zu kurzfristig gedacht wird". Er befürchtet, dass die aktuelle Dürre nur ein Vorgeschmack auf die größeren Probleme der Zukunft ist. Wenn man jetzt nicht umsteure, werde sich ein "Weiter so" für die Region bitter rächen. Der Wasserexperte der SGV fordert endlich Bemühungen im Ballungsraum Rhein-Main, um Wasser zu sparen. Die Stadt Frankfurt bezieht 33 Prozent ihres Trinkwassers aus dem Vogelsberg. Dort müsse man sich viel stärker selbst versorgen, stattdessen würden Brunnen stillgelegt, beklagt Wack.

Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald und Geologin, sieht die Lage noch kritischer. "Seit 2003 haben wir keine Nassjahre mehr, die für die Neubildung des Grundwassers nötig sind." Nur bei andauernden Regenfällen im Winter wird das Wasser nicht von den Pflanzen an der Oberfläche gehalten, sondern fließt in den Untergrund. Bei Gewitter fließt das Wasser schnell ab und sickert nicht in den Boden. "Wir haben schon lange unterirdische Trockenzeiten". Sie wendet sich ebenfalls gegen den Export von Wasser in die Rhein-Main-Region, "solange man dort nicht seine Hausaufgaben macht". Nur aus kommerziellem Interessen werde das saubere Wasser aus dem Vogelsberg und aus Nordhessen nach Frankfurt gepumpt. Der Wasserverband Stadtallendorf habe sogar beantragt, noch mehr Wasser abzupumpen und nach Frankfurt zu leiten. Sie sagte auch, dass beim Transport ungefähr eine Million Liter verloren gehe.

Ein Vorbild könne stattdessen Fraport sein. Der Flughafenbetreiber sammelt das Wasser, das von den Rollfeldern fließt, in riesigen Zisternen und nutzt es für die Toilettenspülung. In Frankfurt sieht man die Gemengelage anders. Vertreter der Stadt wiesen die Vorwürfe kürzlich gegenüber der "Hessenschau" zurück. Die Forderung, bei Toilettenspülungen in Neubauten auf Brauchwasser zu setzen, steht bisher nur auf dem Papier, musste eine Sprecherin allerdings einräumen. Ein zweites Leitungssystem sei "zu teuer."

Die Kritik der Schutzgemeinschaft Gleental, der Schutzgemeinschaft Vogelsberg und die Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald betrifft zwei Bereiche des Kreises, die räumlich getrennt sind, aber eines gemeinsam haben: dort wird jeweils Wasser für die Rhein-Main-Region gefördert.

Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg SGV hat den Bereich Schotten und Nidda im Blick, die Initiativen im Gleental und Burgwald die Brunnen bei Lehrbach, die zum Wassergewinnungsgebiet Stadtallendorf gehören. Auch der Bau der Autobahn 49 bei Kirtorf hat Folgen für den Wasserschutz. Die SG Gleental verweist darauf, dass der Bau der A 49 durch das Tal der Gleen bei Lehrbach führt. Dort besteht ein Trinkwasserschutzgebiet mit einer Brunnenkette, die bis in den Großraum Frankfurt Wasser liefert.

"Angesichts der sinkenden Grundwasserpegel stellt der Ausbau der A 49 ein unberechenbares Risiko für die Trinkwasserversorgung dar", sagt Christoph Schulze-Gockel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Gleental. Er befürchtet, dass die Bauarbeiten das Grundwasser verschmutzen. Zudem verstoße der Autobahnausbau gegen die Wasserrahmenrichtlinie der EU. Die Schutzgemeinschaft findet es widersinnig, wenn der Landrat zum Wassersparen aufruft, "während die Frankfurter mit unserem Wasser Grünanlagen gießen".

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