Gräber nach 70 Jahren endlich gekennzeichnet

Alsfeld (jol). Es sind nur kleine Veränderungen, die kaum auffallen, die aber für einen historisch sensiblen Menschen wichtig sind. Auf Initiative von Heinrich Dittmar sind auf dem jüdischen Friedhof Alsfeld eine Gedenkplatte für die 1942 ermordete Alsfelderin Hannelore Strauss sowie vier Grabrahmen für die letzten dort beerdigten Menschen platziert worden.

Alsfeld (jol). Es sind nur kleine Veränderungen, die kaum auffallen, die aber für einen historisch sensiblen Menschen wichtig sind. Auf Initiative von Heinrich Dittmar sind auf dem jüdischen Friedhof Alsfeld eine Gedenkplatte für die 1942 ermordete Alsfelderin Hannelore Strauss sowie vier Grabrahmen für die letzten dort beerdigten Menschen platziert worden. Es gibt keine jüdische Gemeinde mehr in Alsfeld, aber für Dittmar ist die Erinnerung an die gemeinsame christlich-jüdische Geschichte in der Region hochgradig wichtig. Dazu gehört auch das ehrende Gedenken an diejenigen Menschen, die unter der Nazi-Herrschaft zu Tode kamen, meist ermordet. Dabei vermisst er allerdings die Unterstützung der Kommunalpolitik, wie er bei einem Pressegespräch am Friedhof betonte. Positiv: Städtische Mitarbeiter sind engagiert bei dieser Erinnerungsarbeit.

Dittmar ist seit langem Vorstandsmitglied im Geschichts- und Museumsverein (GMV) Alsfeld, mit Dr. Herbert Jäkel und Helmuth Riffer hat er vor Jahren Buch und Ausstellung über "Juden in Alsfeld" erstellt. Er hält seit rund 35 Jahren Kontakt zu früheren jüdischen Bewohnern der Stadt und ihren Nachfahren. In diesem Zusammenhang wurde er auf vier Mulden im hinteren Bereich des jüdischen Friedhofs aufmerksam. Michael Maynard bestätigte ihm dann, dass dort in der Tat vier Gräber sind, die in der Nazizeit angelegt aber nicht mehr gekennzeichnet wurden. Maynard wuchs als Manfred Moses in Alsfeld auf und konnte mit einem Kindertransport nach England der Ermordung entkommen.

Dittmar stellte bei seinen Recherchen fest, dass die vier Gräber 1937 bis 1939 belegt wurden. Bestattet sind dort: Mathilde Lorsch geb. Löwenstein, (1854 - 9. Mai 1937), Untere Fulder Gasse 34; Markus Strauss (1873 - 28. November 1937) Rossmarkt 20; Isabelle Strauss geb. Fischer (1879 - 11. Oktober 1938) ebenfalls Rossmarkt 20; Ida Adler geb. Strauss (1868 - 29. Dezember 1939), Untergasse 7.

Dittmar bemühte sich darum, die Gräber einzufassen, um zu verhindern, dass sie aus Versehen noch einmal für eine Beerdigung genutzt werden. Nach jüdischen Begräbnisregeln ist ein Grab auf Dauer zu sichern, Doppelnutzung ist verboten. Deshalb bemühte sich Dittmar in Abstimmung mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden um einen Zuschuss für Grabrahmen, das lehnte aber das hessische Sozialministerium ab, wie er bei dem Pressegespräch auf dem jüdischen Friedhof berichtete. Deshalb war er froh, dass die Friedhofsgärtnerei unter ihrem Leiter Bernd Schmidt vier gelagerte Grabrahmen zur Verfügung stellte.

Überhaupt war Dittmar voll des Lobes für das Engagement der städtischen Stellen, Verwaltungsmann Frank Winkenstern und die Gärtner würden sich sehr engagiert um den Erhalt des jüdischen Friedhofs bemühen. Dieser werde nicht mehr benutzt, weil es keine jüdische Gemeinde im Ort gebe, aber oft von Nachfahren jüdischer Alsfelder besucht. Da sei es wichtig, dass die Anlage gepflegt werde.

Als Problem empfindet es Dittmar, dass die politische Spitze der Stadt "null Interesse" am jüdischen Teil der Stadtgeschichte habe. So gebe es kein Engagement für "Stolpersteine" zur Erinnerung an ermordete Juden. Besuche der Überlebenden und ihrer Nachkommen würden nicht unterstützt.

Der früherer Alsfelder Walter Strauss, er lebt in Atlanta und hat mehrfach Alsfeld besucht, will die Kosten für zwei Grabsteine tragen. Dittmar: "Ich hoffe, ich finde noch jemanden, der die Kosten für die beiden anderen Grabsteine übernimmt".

Ein besonderes Anliegen war Dittmar seit Jahren das Anbringen einer Erinnerungstafel an eine junge Alsfelderin, die nicht mehr aus dem Deutschland des 3. Reichs flüchten konnte. Jeanette Hannelore Strauss wurde 1942 in Zamosz ermordet, sie wurde keine 21 Jahre alt. Ihre Brüder und Eltern hatten es noch geschafft, aus der feindlich gewordenen Umwelt in Deutschland zu emigrieren, die Schwester konnte nicht mehr rechtzeitig Auswanderungspapiere erhalten. Ihre Brüder Walter und Henry stifteten die Erinnerungsplatte am Grab von Angehörigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare