Gedenken an NS-Opfer: Demokratischen Staat stärken

Alsfeld (aaz/jol). Ein Basaltblock erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, im Vorübergehen nehmen Passanten an der viel frequentierten Ecke Amthof/ Hersfelder Straße einen "Stolperstein" zur Kenntnis.

Am Freitag wurde die Stele eingeweiht, dabei bedankte sich Initiator Heinrich Dittmar bei den Spendern des Projekts. Der Gedenkstein am Amtsgericht wurde im Zusammenhang mit dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar nahe dem Geburtsort eines Alsfelder Opfers errichtet.

Dittmar verwies auf das Schicksal von Emilie R., die in der Hersfelder Straße aufgewachsen ist und später mit einem Polizeibeamten verheiratet war. Emilie R. wurde Opfer des Nationalsozialismus, weil sie im Alter von 39 Jahren wiederholt ohne Grund sehr traurig wurde und aufgrund dessen von ihrem Mann getrennt wurde, obwohl sie vier gesunde Kinder geboren hatte. Sie kam 1931 in die Heilanstalt Hadamar und später in ein Pflegeheim. Die Helfer des Regimes brachten sie am 21. Februar 1941 wieder nach Hadamar, wo sie in der Gasmordanstalt ums Leben gebracht wurde. Ihren Verwandten sagte man, sie sei an einer Hirnhautentzündung gestorben. Etwa 40 000 Menschen mit geistigen Krankheiten oder Behinderungen wurden "Opfer der Wahnsinnsgedanken im Nationalsozialismus", so Dittmar. Der Gedenkstein erinnere an sie und die übrigen Opfer im Dritten Reich.

Die Opfer seien eine Mahnung an Gesellschaft und Politik, gegen rechtsgerichtete Entwicklungen einzuschreiten. Die Menschen sollten wachsam sein gegenüber dem Übermenschentums-Gedanken der Nazis. Bürgermeister Stephan Paule lobte die Initiative Dittmars und die Umsetzung durch Steinmetz Kurt Schmidt. Der zentrale Platz für den Stein nahe des Marktplatzes bringe dieses wichtige Thema in die Mitte der Stadt. Er erinnerte daran, dass in der Zeit des Nationalsozialismus Millionen Menschen jenseits der Kriegsgeschehens ums Leben kamen. So gab es Millionen von jüdischen Opfern, dazu Sinti, Homosexuelle, Künstler, Zwangsarbeiter, Deserteure, Widerstandskämpfer und viele mehr.

In Alsfeld lebten 1933 noch 220 Juden, 1939 war ihre Zahl auf 33 geschrumpft und 1942 wurden die letzten verschleppt, darunter Selma Rothschild. Über 100 jüdische Alsfelder fanden im 3. Reich den Tod. Dabei waren jüdische Kaufleute wichtig für die Entwicklung der Stadt, so die Wallachs mit Brauerei und Sägewerk, Kleiderfabrikant Steinberger und Kaufhausbetreiber Baer.

Das Erinnern müsse in die Zukunft wirken, so Paule. Deshalb sei es wichtig, die Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen und den demokratischen Rechtsstaat zu stärken.

Jens Götting vom Amtsgericht freute sich, dass auch das hessische Immobiliern-Management mitgezogen hat, als man den Gedenkstein aufstellen wollte. Steinmetz Schmidt war es ein besonders Anliegen, den Stein zu bearbeiten, weil sein Großvater in Großenlüder fast aus politischen Gründen von den Schergen des NS-Regimes abgeholt wurde. Nur der Einsatz des Bürgermeisters habe das verhindert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare