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Liest am liebsten Zeitung: Buchhändler Helmar Bünnecke (83) geht nun in den Ruhestand.

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Ein ganz besonderer Buchladen und seine Kunden

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Der Laden "Buch 2000" und sein langjähriger Inhaber Helmar Bünnecke sind eine Alsfelder Institution. Jetzt stehen Veränderungen an.

"Buch 2000" wirkte immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Der Buchladen von Helmar Bünnecke neben dem markanten Fachwerkrathaus war kein durchgestylter Umschlagplatz für gängige Bestseller, sondern eine Fundgrube für Literatur aller Art. In hohen Regalen und auf Stapeln an schmalen Gängen waren auch Bücher zu finden, die schon vor Jahren herauskamen. Und es war fast immer Zeit für ein kleines Schwätzchen mit dem Buchhändler oder seinen freundlichen Mitarbeiterinnen.

"Es geht darum, Interesse an dem Anderen zu haben", beschreibt Bünnecke im Gespräch seine Einstellung zu der Tätigkeit. Deshalb hat er sich auch erst mit 83 Jahren von der vertrauten Aufgabe gelöst. Mit den zwei Mitarbeiterinnen standen Menschen bereit, das Geschäft zu übernehmen. "Da musst du dich entscheiden", sagt er mit einem Blick über den Eisbecher hinweg. Bünnecke hat Interesse an den Menschen, die zu ihm kommen.

Das Wort Kunde verwendet er nicht, er redet lieber von Menschen mit unterschiedlichen Interessen. Er sucht das Gespräch, um festzustellen, was der andere erwerben will. Leute, die Bücher kaufen, zeigten doch damit, was für sie wichtig ist, sie öffneten sich ein wenig, und würden Einblicke in ihr Denken geben. Deshalb gibt Bünnecke den Inhalt der Gespräche nicht weiter, "denn sie zeigen einen Teil der Persönlichkeit". Der Austausch über Bücher ist ihm wichtig, "aber das Geschwätz in der Stadt interessiert mich nicht". Er freut sich aber, wenn er im Gespräch Dinge erfährt, für die sich der andere Mensch begeistert. Zu seiner Art zu arbeiten gehört, dass er sich über Bücher informiert, um den passenden Tipp geben zu können. Dabei hilft ihm die Erfahrung. Der gebürtige Alsfelder hat das Geschäft seiner Eltern übernommen, als diese in den 1960er Jahren krank wurden. Seine Mutter hatte bereits 1932 ein Reformhaus in Alsfeld eröffnet, eines der ersten damals. Sein Vater hat es dann um einen Buchladen ergänzt. Der Laden war in der Obergasse

Bünnecke war nicht immer Buchhändler, Anfang der 1970er Jahre hat er mit Paul Lausch die "Columbus-Bar" geführt. Das war ein Tanzlokal mit Musik vom Plattenteller und Cocktails. Etwa um 1974 herum hat er mit einem Bekannten eine Buchhandlung eröffnet, die sich als Gegenstück zu einer vorhandenen Buchhandlung verstand, deren Programm vielen nicht passte. "Aus der Zeit stammt der Name Buch 2000", sagt Bünnecke. Etwas später hat er allein weitergemacht, zog in die Obere Fulder Gasse und verkaufte auch faire Produkte, wie sie heute der Weltladen anbietet.

Vor 30 Jahren bot ihm die Stadt dann an, in das Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes "Markt 2" zu ziehen. Das nutzte er, um Literatur, Sachbücher, Reiseführer und Lokalgeschichtliches zu verkaufen. "Auf dem flachen Land musst du das Kochbuch verkaufen, ebenso den Reiseführer und ein Buch über Schafzucht", deshalb hat er ein breites Sortiment. Hin und wieder bot er eine Autorenlesung an. "Ich in ein Fan von Büchern, die auf Papier gedruckt sind, eine gelungene Lesung stellt das Buch in den Mittelpunkt." Vor etwa 14 Jahren bekamen diese Veranstaltungen einen größeren Rahmen, als er mit der OVAG die Reihe "Der Vulkan lässt lesen" auf die Beine stellte. Dadurch kamen ßen Autoren wie Hannelore Hoger, Harry Rowohlt und Roger Willemsen in die Region. Besonders genoss er den Auftritt von Feridun Zaimoglu, "der kann seine Texte zelebrieren". Der Buchhandel hat sich verändert, geblieben ist das Gewicht der Bücher. Dieser Tage hatte Bünnecke Schulbücher in den Händen. Fünf Kisten zu je 25 Kilogramm Gewicht waren zu bewegen, "das ist schon was". Noch etwas ist geblieben: "Man muss zuhören, um zu verstehen, was die Leute wollen."

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