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Friedliche Koexistenz mit dem Nager

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Fast 40 Biberreviere hat die AG Biber im Vogelsbergkreis schon dokumentiert. © Red

Vogelsbergkreis (pm). Es gibt sie noch nicht lange, aber sie hatte gleich viel zu tun: Die Arbeitsgemeinschaft »Biber« beim NABU Kreisverband Vogelsbergkreis, zu der aktuell Martin Krauß (Lauterbach), Edgar Schramm (Grebenhain) und Thomas Steinke (Schwalmtal) gehören.

Diese Arbeitsgemeinschaft, die sich privat und in Fortbildungen der Naturschutzakademie Hessen auf ihre Aufgaben vorbereitet hat, möchte dazu beitragen, mehr über den Biber und seine Ausbreitung im Vogelsberg zu erfahren und zu vermitteln.

Dazu gehört viel »Feldarbeit«: Bereits bekannte Biberreviere werden aufgesucht, kartiert und beschrieben. Dabei dauerte es nicht lange, bis auch bisher unbekannte Reviere entdeckt und erfasst wurden. Dies wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern, da die Ausbreitung des Bibers im schmalen Bereich der Gewässer des Vogelsbergs gerade so richtig an Fahrt gewinnt.

Nutzen nicht so leicht zu erkennen

Besonders wichtig ist es der AG deshalb, die Bevölkerung mit Vorträgen und Exkursionen über den Heimkehrer Biber zu informieren und vor allem die vielen Vorteile von Biberansiedlungen für den Natur- und Wasserhaushalt zu erläutern. Denn der Biber sei ein nützliches Tier, wenn das auch nicht ganz so leicht zu erkennen sei wie bei einem Tier, das Schädlinge vertilgt oder den Boden im Beet lockert.

Zudem soll Kontakt zu den für das Bibermanagement zuständigen Behörden beim Regierungspräsidium, der Kreisverwaltung und künftig auch bei den zuständigen Forstämtern gepflegt und den Behörden zugearbeitet werden. Inzwischen verfügt die AG bereits über eine ausführliche Datensammlung aus fast 40 Vogelsberger Bibervorkommen und bildet sich und andere interessierte Menschen beständig weiter.

Wer die Vogelsberger Nachrichten verfolgt, hat längst erfahren, dass die Wiederansiedlung von Bibern auch Probleme mit sich bringen kann. Das liegt in erster Linie daran, dass die Landnutzung auf verschiedene Weise häufig bis an den Rand der Gewässer geschieht, sodass Gebäude, Land- und Fischwirtschaft, aber auch mal ein Garten oder ein Feldweg durch Stauungen und das Graben von Wohngängen des Bibers in Mitleidenschaft gezogen werden. In den meisten Fällen gibt es für solche Konfliktfälle Auswege durch technische Eingriffe oder Anpassungen in der Landnutzung, für die auch Sach- und Finanzmittel bereitstehen. In solchen Fällen verweist die AG Biber stets an die zuständigen Naturschutzbehörden, weil nur über deren Fachkräfte derartige Maßnahmen geplant, genehmigt und abgewickelt werden können.

Der NABU Vogelsberg wirbt in diesem Zusammenhang um die Bereitschaft, konstruktiv mit diesen Behörden zusammen zu arbeiten. Negativbeispiele aus der Vergangenheit von heimlich eingerissenen Biberdämmen zeigen, dass solche Aktionen die Gefahr eines hohen Bußgeldes mit ich bringen und dabei meist nicht einmal den gewünschten Erfolg zeigen.

Unterschiede bei den Gemeinden

Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit scheine bei Privatleuten wie bei Kommunalvertreten höchst unterschiedlich ausgeprägt zu sein, bedauert die AG Biber beim NABU. Wo mancherorts geduldig und sachlich nach Lösungen gesucht werde, die menschlichen Bedürfnisse mit denen des Naturschutzes in Einklang zu bringen, führe dies in anderen Gemeinden anscheinend zur Überforderung.

Die meisten Biberreviere bestünden jedoch konfliktfrei oder Probleme wurden gemeinschaftlich ausgeräumt, betont die AG Biber, und dort könne heute bereits eine Verbesserung der Biodiversität, der Wasserqualität, des Hochwasserschutzes und der kleinklimatischen Bedingungen beobachtet werden. »Seit der Biber hier lebt, gibt es mehr Fische«, wunderte sich unlängst ein Landwirt in Rimlos.

»Vogelsberger können stolz auf ihre Biber sein: Wo sie in friedlicher Koexistenz leben dürfen, herrschen Vernunft und Naturliebe«, finden die Mitglieder der AG Biber.

Kontakt zur AG Biber findet man über die Internetseite www.nabu-vogelsberg.de.

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