So könnte eine der mächtigen Brücken beim Anschluss der A 49 an die A 5 bei Gemünden aussehen. FOTO: PM
+
So könnte eine der mächtigen Brücken beim Anschluss der A 49 an die A 5 bei Gemünden aussehen. FOTO: PM

Autobahn

Evangelisches Dekanat fordert Überprüfung des geplanten Autobahnbaus

  • vonRedaktion
    schließen

Obwohl derzeit alles dafür spricht, dass die Autobahn 49 ab Oktober wie geplant gebaut wird, schaltet sich nun auch die evangelische Kirche noch einmal in die Debatte ein.

Eine Diskussion, die "ganze Familien und Dörfer spaltet," wie es in der Mitteilung heißt.

Die Synode des evangelischen Dekanats Vogelsberg hatte dafür eigens im Herbst vergangenen Jahres einen Ausschuss gebildet. Nach seinen Vorschlägen plädiert der Dekanatssynodalvorstand (DSV) nun für eine Berücksichtigung der Herausforderungen der Gegenwart - "auch und gerade nach dem vor Kurzem ergangenen Urteil, das einen Weiterbau ermöglicht". Ganz klar spricht sich der DSV zudem für den Vorrang der Klimapolitik aus.

Im Rahmen der Anhörungen wurden sowohl die Verkehrsströme im Vogelsberg als auch Ökonomie und Ökologie beleuchtet. Einem erwarteten Rückgang des Pkw-Durchgangsverkehrs an unterschiedlichen Teilabschnitten der B 62 und der B 254 von zehn bis 60 Prozent, des Lkw-Verkehrs gar bis 80 Prozent stellt der Ausschuss eine Neubelastung durch den zunehmenden Autobahnverkehr gegenüber.

Laut den herangezogenen Verkehrsprognosen würden die Anrainerdörfer der geplanten "Maulbachtrasse" im Bereich Homberg/Ohm und Gemünden/Felda mit etwa 8000 Lkw- und 36 000 Pkw-Bewegungen täglich neu belastet. Der innerörtliche Autobahnzubringer in Homberg/Ohm werde 5000 zusätzliche Pkw- und 750 zusätzlichen Lkw-Bewegungen bringen, das Aufkommen demnach etwa verdreifacht.

Aus ökonomischer Sicht würden insbesondere die Verbesserungen des Industriestandortes Stadtallendorf herausgestellt. Eine wahrnehmbare ökonomische Bedeutung der A49 für die Vogelsberg-Region erwarte die Landespolitik nicht. "Der Vogelsberg ist unsere Heimat, die wir schützen, stärken und in die Zukunft führen möchten. Dabei liegt uns die Förderung der ökologischen und ökonomischen Entwicklung gleichermaßen am Herzen", heißt es in der Verlautbarung der Synode.

Rezepte aus der Vergangenheit?

Die Berechnungen, die dem Weiterbau zu Grunde liegen, berücksichtigten nicht die politischen und gesellschaftlichen Überlegungen und Anstrengungen zu einer Verkehrswende der vergangenen Jahre. Den Mitgliedern ist klar, dass in einer Region wie dem Vogelsberg eine Reduzierung des Individualverkehrs schwierig ist: "Das Auto wird auf absehbare Zeit das wichtigste Verkehrsmittel bleiben."

Gleichzeitig schließt sich der DSV dem Plädoyer für eine Erweiterung der Möglichkeiten des ÖPNV im Vogelsberg an, denn wenn Verkehrswende sich nur auf Ballungsräume beschränke, bleibe Mobilität von Jugendlichen, Hochbetagten und sozial Benachteiligten im ländlichen Raum problematisch.

Ökologisch betrachtet sehe die Politik in der "Maulbachtrasse" die Streckenführung mit den geringsten Eingriffen in die Natur. Diese Eingriffe würden in 160 Einzelprojekten auf einer Gesamtfläche von 700 Hektar ausgeglichen.

Naturschutzverbände hingegen betonen, dass die "Maulbachtrasse" im Bereich Herrenwald (bei Stadtallendorf) ein Gebiet durchqueren, dass der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unterliegt und somit besonders schutzwürdig ist. Auch der Dannenröder Wald mit seinen bis zu 200 Jahre alten Bäumen sei besonders schützenswert. Weiter als besonders schutzwürdig und gefährdet werden die zahlreichen Brunnen entlang des geplanten Trassenverlaufs herausgestellt. Der DSV sieht in der Diskussion um die A49 nicht nur eine regionale, verkehrstechnische Herausforderung. Vielmehr sei sie auch "Symptom unserer Zeit" und stelle die Frage: "Wie soll unsere Zukunft aussehen, wie können und wie wollen wir angesichts des Klimawandels leben?" Dabei überzeugt der Gedanke einer "Ethik des Genug", der sich jedoch individuell wie gesellschaftlich erst noch durchsetzen müsste. Allein Wachstum könne nicht länger ökonomische und gesellschaftliche Leitvorgabe sein, zumal es ökologische und gesellschaftliche Kollateralschäden sowie globale Ungerechtigkeiten mit ihren Folgekosten nicht einpreist, heißt es in der Verlautbarung weiter.

Menschen sollten sich bescheiden

Jeder einzelne Mensch sowie die Kirchengemeinden im Dekanat seien aufgefordert, den eigenen Ressourcenverbrauch einzuschränken. Dies betreffe ebenso das Konsum- wie das Mobilitätsverhalten. Gleichzeitig würden politische Rahmenbedingungen und Richtungsentscheidungen benötigt.

Diese müssten auch Einschränkung lieb gewonnener, individueller Gewohnheiten bedeuten, wenn dies der Erhaltung der Lebensgrundlagen dient. Mit Blick auf den Weiterbau der A 49 fordert der DSV eine nachhaltige, ressourcenschonende Mobilitäts- und Klimapolitik.

Der Planungsstand von 2012 solle auf seine globalen Klimaauswirkungen hin geprüft werden, ebenso müssten vor dem Weiterbau der A49 Möglichkeiten ressourcenschonender Verkehrskonzepte geprüft und abgewogen werden. So fordert der DSV zeitnahe und dauerhafte Maßnahmen zur Entlastung der Durchgangsstraßen. Der Forderungskatalog wird in den nächsten Tagen an verschiedene Gremien in Politik und Kirche geschickt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare