Erst die Polizei beendete den Ehestreit "um Lappalien"

Alsfeld/Homberg (jol). Am Amtsgericht wurde nun ein 49-jähriger Homberger zu sieben Monaten Bewährungsstrafe verurteilt: Er hatte seine Ehefrau massiv geschlagen und sich gegen die Beamten gewehrt.

Alsfeld/Homberg (jol). Diese Schläge waren wirklich teuer – ein 49-jähriger Homberger verließ dieser Tage das Alsfelder Amtsgericht mit einer Verurteilung zu sieben Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Er hatte wenige Tage vor dem Jahreswechsel 2011/12 seine Ehefrau geohrfeigt und zudem mit einer Sektflasche geschlagen. Diese rief die Polizei und er wehrte sich gegen die Beamten, als sie zur Polizeistation mitnehmen wollten. Inzwischen hat sich das Paar wieder versöhnt.

Anlass des Ehestreits waren Nichtigkeiten, wie er der Richterin in der Verhandlung erklärte. "Es ging um Lappalien", meinte er, aber schließlich wuchs sich das heftige Ehegespräch zum handfesten Streit aus. Seine Frau habe ihn provoziert und angegriffen, er habe sich gewehrt und dabei wohl auch zugeschlagen, gab er zu Protokoll.

Seine malträtierte Gattin rief schließlich bei der Polizeistation an, zwei Beamte kamen gegen 2.30 Uhr in die Wohnung des Paares in Homberg. Zunächst ging alles noch manierlich ab, wie sich eine eingesetzte Beamtin erinnerte. Sie habe die Aussagen der Ehefrau aufgenommen, die auch ramponiert ausgesehen habe. Sie hatte eine geschwollene Wange und klagte über einen Schlag mit einer Sektflasche gegen den Oberkörper.

Zudem hat der 49-Jährige seine Gemahlin an den Haaren gepackt und gegen einen Tisch oder Schrank gestoßen. Vor Gericht verweigerte die Ehefrau die Aussage. Sie hat sich mit dem 49-Jährigen versöhnt, "er hat sich gebessert", sagte sie.

Ein weiterer Polizeibeamter fasste zusammen, wie er mit drei Kollegen versuchte, den 49-Jährigen mit zur Wache zu nehmen. Der habe sich vehement geweigert mitzukommen, nachdem ihm eine Wegweisung aus der Wohnung erteilt worden war. Die Polizisten mussten ihn am Boden Handfesseln anlegen, bevor sie ihn in den Wagen bugsieren konnten. Auch dabei wehrte sich der 49-Jährige nach Kräften – das gilt als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. "Ich habe Angst gekriegt, als mir Fesseln angelegt werden sollten und habe mich gewehrt", gab der Angeklagte an. Er entschuldigte sich bei den Polizisten für die Attacke.

Auf der Polizeistation nahm man dem Homberger eine Blutprobe ab. Demnach hatte er zur Tatzeit zwischen 2,1 und 2,4 Promille Alkohol im Blut. Der Arzt stellte aber auch fest, dass sich der 49-Jährige klar ausdrücken konnte, seine Wahrnehmungsfähigkeit offenbar nicht gestört war. Das deutet auf deutliche Alkoholgewöhnung hin, merkte die Richterin an. Sie glaubte ihm nicht so recht, dass er sich an die Attacken auf seine Frau nicht mehr erinnern konnte.

Aber zumindest war der Angeklagte durch Alkohol enthemmt, wie der Staatsanwalt anmerkte. Er sei aber "Herr seiner Sinne" gewesen. Der Anklagevertreter forderte eine Haftstrafe von sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Weniger sei nicht drin, meinte er zur Erklärung, weil auf gefährliche Körperverletzung eine Mindeststrafe von sechs Monaten steht. Hinzu kam der Widerstand gegen die Polizeibeamten mit einem weiteren Monat. Damit der Angeklagte spürt, dass er etwas falsch gemacht hat, solle er als Bewährungsauflage 120 Stunden in einer gemeinnützigen Einrichtung arbeiten.

Dem schloss sich die Richterin uneingeschränkt an. Die Bewährungsstrafe bedeute, dass er sich drei Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen dürfe, sonst müsse er für mehrere Monate in Haft. Schließlich könne ein Schlag mit einer Sektflasche schlimme Folgen haben. Die Arbeitsauflage sei wichtig, weil er so mehrere Stunden an sein Fehlverhalten erinnert wird. Zudem biete sie ihm die Chance, wieder ins Berufsleben zurück zu finden. Das hat sich übrigens schon nach einer Verurteilung des 49-Jährigen wegen Volksverhetzung vor einigen Wochen gezeigt: Da war der Arbeitsuchende ebenfalls zu Arbeitsstunden verurteilt worden, die dazu führten, dass der zufriedene Arbeitgeber einen festen Job in Aussicht gestellt hat.

Der 49-Jährige und die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an.

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