Rettungswagen bei der Anfahrt.
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Weil er wissen will, ob eine Corona-Vorschrift für seinen Sohn gilt, ruft ein Kommunalpolitiker aus dem Vogelsbergkreis sogar den Notruf an. (Symbolbild)

Quarantäne

Kommunalpolitiker wählt Notruf zur Auskunft über Corona-Vorschriften - „Form der Freiheitsberaubung“

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Ein Kommunalpolitiker aus dem Vogelsbergkreis will herausfinden, ob sein Sohn in Quarantäne muss. Dazu ruft er unter anderem den Notruf an. Hilfe findet er nicht.

Vogelsbergkreis – Der Student hat im Dezember vergangenen Jahres nach einem positiven Corona-Test zwei Wochen unter Quarantäne gestanden. Vor Kurzem erkrankte ein Bekannter an Covid-19, der junge Vogelsberger durfte wieder seine Wohnung nicht verlassen. Das war kurz vor Inkrafttreten der neuen Regelung des Bundes, wonach Geimpfte und Genesene in diesem Fall nicht mehr in Quarantäne müssen. Also versuchte Walter Momberger an jenem Wochenende, eine offizielle Bestätigung zu bekommen, dass der junge Mann nicht in Isolation muss. Denn die neue Regelung sollte am Sonntag um 0 Uhr greifen.

Corona-Vorschriften im Vogelsbergkreis: Samstags niemand zu erreichen

Aber er erreichte am Samstag keine offizielle Stelle. »Das ist eine Form der Freiheitsberaubung, wenn man eingesperrt wird, nur weil man keinen Zuständigen erreicht«, ärgert sich Momberger. Die Bürger müssten doch auch an einem Wochenende einen Bereitschaftsdienst erreichen können. Alles andere sei schlechte Organisation.

Er hat nach eigenen Angaben erst versucht, die Kassenärztliche Vereinigung unter der zentralen Nummer 116 117 zu erreichen. Als er nach vielen Versuchen jemanden in der Leitung hatte, erklärte sich die Gesprächspartnerin für nicht zuständig.

Corona-Vorschriften im Vogelsbergkreis: Notrufnummer als Auskunft

Also wählte der Gemündener die Notrufnummer 112. Dort wurde ihm beschrieben, es gebe einen Notdienst des Gesundheitsamts. Aber die Nummer dürfe man aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Momberger rief sogar bei Landrat Manfred Görig an, dessen Nummer er aus seiner kommunalpolitischen Tätigkeit hat. Doch auch der Verwaltungschef konnte nicht helfen. Inzwischen war es Sonntag geworden und Sohn Momberger immer noch in Zwangsquarantäne. Erst am Montagmorgen rief ein Mitarbeiter des Vogelsberger Gesundheitsamts an, um mitzuteilen, dass der junge Mann die Isolation verlassen kann.

Corona-Vorschriften: Sohn hat seinen ersten Wohnsitz nicht im Vogelsbergkreis

Eine Nachfrage der AAZ bei der Kreisverwaltung ergab ein ähnliches Ergebnis. Man sei nicht zuständig, hieß es: »Sohn Momberger hat seinen ersten Wohnsitz nicht im Vogelsbergkreis, von daher ist unser Gesundheitsamt nicht zuständig. Er muss sich an das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem er mit seinem ersten Wohnsitz gemeldet ist, wenden.«

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