Anwalt Ralf Kuhn Foto: pm
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"Ein Bild, das sie tagtäglich verfolgt"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Alsfeld(jol). Vor dem Gießener Landgericht wird seit Kurzem wegen eines Tötungsdelikts verhandelt. Bereits beim ersten Prozesstag hat der Angeklagte B. eingeräumt, seinen Nachbarn in einem Alsfelder Kleingartengebiet mit einem Hammer mehrfach geschlagen zu haben, der Mann ist daran verstorben. Hintergrund sei ein Streit gewesen, er habe sich beleidigt gefühlt, so der Angeklagte. Sein Verteidiger Ralf Becker machte in der Verhandlung geltend, dass der algerischstämmige Familienvater psychisch krank sei und zur Tatzeit seine Medikamente nicht genommen habe. Die Witwe des Getöteten ist Nebenklägerin in dem Gerichtsverfahren. Sie ist traumatisiert und hat die Folgen der Tat noch nicht bewältigt, wie der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Ralf Kuhn aus Fulda/Gelnhausen, im Interview mitteilt.

Was bedeutet das Gerichtsverfahren für Ihre Mandantin und die Familie?

Lebenslänglich hat die Witwe, die ihren Ehemann mitten im Leben nach 25 Ehejahren durch eine brutale Tat verloren hat. Den gerade verstorbenen Ehemann hat sie mit zerschlagenem Schädel auf ihrer Schrebergartenparzelle vorgefunden. Ein Bild, das sie tagtäglich verfolgt. Trotz dieser Traumatisierung verrichtet sie ihren Dienst als Intensivkrankenschwester weiter.

Ihre Mandantin wird nicht als Zeugin gehört, woran liegt das?

Ihre Eigentumswohnung liegt in Sichtweite des Schrebergartens, den die Familie mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern seit 15 Jahren bewirtschaftet. Die Familie gibt den Schrebergarten nunmehr auf - in welchem der Ehemann und Vater der Kinder mit einem 1200 Gramm schweren Vorschlaghammer ermordet wurde. Die Geburt des Enkelkindes durfte der Familienvater nicht mehr erleben. Die Konfrontation mit dem sie nach der Tat angrinsenden Täter ist ihr nicht erneut zumutbar. Es wird daher von ihrer Zeugenvernehmung abgesehen. Leider wieder einmal ein Beispiel für einen misslungenen Integrationsversuch. Nach eigenen Bekundungen ist der Angeklagte eingereist auf der Balkanroute mit Schlepperhilfe, nachdem er schon in Algerien aggressiven Familienstreit hatte. Dort und auf der Reise nach Deutschland brauchte er keine Tabletten, auf die er jetzt angeblich angewiesen ist.

Welche Folgen hat die Tat für die Familie des Opfers?

Hier muss die Rechtsordnung verteidigt werden durch lebenslängliche Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Darin sehe auch ich meine Aufgabe als Nebenkläger.

Der Prozess wird am heutigen Freitag vor dem Landgericht Gießen fortgesetzt

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