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Eine Blühwiese anzulegen, ist gar nicht so einfach. Homberg hat in der Vergangenheit bereits einige Erfahrungen gesammelt (hier Bürgermeisterin Claudia Blum mit Sabine Sendrowski und Volker Schneider). Foto: Archiv

Umweltchutz

"Eh-da-Flächen" helfen Insekten

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Warum nicht etwas nutzen, das es schon gibt,umgangssprachlich "eh da ist". Wenn man das Ganze noch wissenschaftlich begleitet, kommt etwas Gutes für den Naturschutz heraus.

Sie sehen schön aus und leisten etwas für den Artenschutz: Blühwiesen haben seit einiger Zeit auch im Vogelsbergkreis Konjunktur. Landwirte legen sie an Ackerrändern an, Obst- und Gartenbauvereine werten Flächen damit auf, Kommunen stellen Staatgut zur Verfügung und säen Freiflächen ein. Aber was Bienen und Co. helfen soll, will gut geplant sein. Einfach aussähen, gießen und abwarten reicht oft nicht.

In diesem Sinne trafen sich auf Einladung der Homberger Bürgermeisterin Claudia Blum und des Forschungszentrums Neu-Ulrichstein (FNU) Vertreter aus Homberg, Kirtorf, Mücke und Gemünden, um sich intensiv mit dem Thema Blühflächen in ihrem Einzugsbereich auseinander zu setzen. Auch die Flurbereinigungsbehörde entsandte Vertreter zum Treffen. Der Geowissenschaftler Matthias Trapp und der Landschaftsplaner Klaus Ulrich stellten im Rahmen eines Vortrages das sogenannte "Eh-da-Konzept" vor. Es ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zur Entwicklung von Blühflachen im kommunalen Bereich.

Landläufig nimmt man an, dass mit dem Ausbringen einer bunten Saatmischung an möglichst vielen Stellen für die Artenvielfalt und gerade für die Insekten das Beste getan wird. Im Vortrag der Wissenschaftler erfuhren die Gemeindevertreter aber, dass eine gehörige Portion an Planung und Fachwissen sinnvoll ist. Die Mischung des Saatgutes ist nur einer der Punkte. Wichtig sind vor allem die Kombination der Landschaftselemente und die Nähe der Blühfläche zu Nistplätzen der Insekten. Sogenannter Offenboden (Rohboden als Brutmöglichkeit für Insekten), Totholz oder Insektenhotels sind solche Nistplätze. Sind die Entfernungen der Blühflächen zu Nistplätzen zu groß, können die Insekten die Blüten nicht zur Nahrungsbeschaffung nutzen.

Auch die Technik bei der Einsaat und der Saatzeitpunkt spielen eine große Rolle. Mehrjährige Saatgutmischungen sind teuer und müssen fachgerecht ausgebracht werden. Die Mischungen enthalten überwiegend Lichtkeimer, das heißt die Samen brauchen Licht und dürfen nicht tief in die Erde gelegt werden. Die landwirtschaftliche Technik führt, je nach Bodenart, häufig nicht zum gewünschten Erfolg. Gartenbauer sind da in der Regel besser aufgestellt.

In Hessen würden die vier Vogelsberger Gemeinden erstmals nach diesem Prinzip arbeiten, wenn sie das Konzept aufnehmen.

Es gilt, einen gewissen Aufwand zu stemmen. Hier könne die Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum in Neu-Ulrichstein helfen. Wenn die wissenschaftliche Begleitung und die Öffentlichkeitsarbeit über die Hochschulen und das Zentrum bewältigt werden könnten, würden die Gemeinden mit ihren Bauhöfen die Arbeit vor Ort erledigen.

"Dies könnte ein Modell sein," warb Bürgermeisterin Clauda Blum. "Ich würde das Projekt auf jeden Fall unterstützen wollen", äußerte Mückes Bürgermeister Andreas Sommer. Bürgermeister Fey aus Kirtorf steht dem Projekt ebenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber und er will die nötigen Schritte in den Kirtorfer Gremien einleiten. Auch die Gemündener Verwaltungsmitarbeiterin Dunja Werneburg will in den Gemeindegremien für eine Beteiligung an diesem Projekt werben.

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