Erntegespräch des Bauernverbands: Dr. Jens Mischak, Anja Püchner, Michael Ruhl, Andreas Kornmann, Hans Siefert, Volker Lein und Armin Pfeil (v. l.). FOTO: JOL
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Erntegespräch des Bauernverbands: Dr. Jens Mischak, Anja Püchner, Michael Ruhl, Andreas Kornmann, Hans Siefert, Volker Lein und Armin Pfeil (v. l.). FOTO: JOL

Landwirtschaft

Dürrestress bei Rinderhaltern im Kreis

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Der Regen der letzten Tage hat die Bilanz aufgehellt: Von knapp unterdurchschnittlichen Ernten geht der Bauernverband für dieses Jahr aus. Aber viele Wiesen verdorren, deshalb wird Futter knapp.

Die 500 Zuchtsauen brauchen viel Futter. Mit einem kleinen Getreideberg zeigt Andreas Kornmann, dass die Ernte in diesem Jahr recht gut ausgefallen ist. Doch das gilt nicht für alle landwirtschaftlichen Betriebe im Vogelsberg, heißt es beim Erntegespräch des Bauernverbands. Die längeren Trockenperioden der vergangenen Monate haben auf einigen Äckern für schlechten Ertrag gesorgt.

Schwierig ist die Lage beim Viehfutter: "Bei uns sind die Wiesen braun", sagt Hans Siefert, Bio-Bauer aus Schlitz. Dort, wo die Böden gut Wasser speichern, vermeldet man durchschnittliche bis gute Ernten. So erinnert Volker Lein an den feuchten Winter und eine Trockenperiode ab April. "Das ergibt regional sehr große Unterschiede in Abhängigkeit vom Niederschlag", erläutert der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Dazu kam eine Mäuseplage, die Nager haben viele Pflanzenwurzeln angefressen. Das trockene Frühjahr hat zu schlechter Heuernte geführt, "wir entwickeln uns zum Hartz-IV-Kreis beim Grünland". Im Unterschied zu früher müssten Viehhalter Heu zukaufen. Künftig müssten mehr Betriebe Futter kaufen und Klee sowie Mais anbauen, die besser mit Trockenheit fertig werden, sagt Lein. Positiv wirkt sich der Regen der letzten Tage aus, der den Mais vor der Notreife bewahrt hat.

Gastgeber des Erntegesprächs war Andreas Kornmann in Zell, der einen Mastbetrieb mit 500 Muttersauen führt. Er baut selbst das Futter für Zuchttiere und Ferkelaufzucht an. Neben Weizen und Raps hat er zum ersten Mal Erbsen angebaut, "mit einem guten Ergebnis".

Von trockenen Wiesen und wenig Grünfutter berichtete Hans Siefert. Sogar die Feuchtwiesen an der Fulda sind braun, das Grundwasser sei weg. Er setzt nun auf Kleegras, das weniger empfindlich ist. Beim Getreide ist die Qualität unterdurchschnittlich, dafür gab es auf den trockenen Feldern kaum Unkraut.

Lein bestätigte, dass die lange Trockenperiode auch im konventionellen Anbau zu verringertem Pflanzenschutz führte. Es gab nur wenig Pilzbefall. Beim Getreide musste nicht gespritzt werden.

Anja Püchner, Leiterin des Amts für Wirtschaft und den ländlichen Raum, berichtete von "vielen Hilferufen wegen Futterknappheit". Denn im Vogelsberg gibt es viele Viehhalter, die zu wenig Futter von den eigenen Flächen holen können. "Einige Betriebe müssen 20 000 bis 25 000 Euro für den Zukauf von Futter ausgeben", berichtet sie. In einigen Ställen wird bereits das Grünfutter von diesem Frühjahr an die Tiere ausgegeben, das normalerweise erst im Dezember angegriffen wird.

Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak sieht den Wassermangel als "Dauerthema" im Vogelsberg. So besteht seit Juni ein Entnahmeverbot von Wasser aus Bächen, im Vorjahr war das erst im Juli notwendig. Ohne hinreichend Wasser werde der Vogelsberg zum Abnehmer von Viehfutter aus dem Allgäu.

Noch eine Veränderung betrifft den Öko-Landbau. Inzwischen werden 23 Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet. Knapp 17 Prozent der Betriebe setzen auf Bio. Wichtig war Mischak, dass regionale Produkte in der Region gekauft werden sollten. Deshalb setze man mit der Marke "Vogelsberg Original" auf regionale Vermarktung.

Dem stehen aber Absatzstrukturen entgegen, die eher zentralisiert sind, wie Armin Pfeil von Raiffeisen Alsfeld deutlich machte. So habe man Vogelsberger Braugerste nur für vier Jahre für Alsfelder Bier geliefert. Beim Getreide liefert Raiffeisen an die großen Mühlen im Rheinland und in Norddeutschland. Im Vogelsberg sind nur zwei kleinere Getreidemühlen übrig geblieben.

Den Bogen zur Landespolitik schlug der Landtagsabgeordnete Michael Ruhl. Die sinkenden Grundwasserstände im Vogelsberg bedeuteten, dass weniger nach Frankfurt gepumpt werden darf.

Zudem müsse der höhere Aufwand für den Trinkwasseranschluss der verstreuten Dörfer im Kreis eingerechnet werden.

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