Drei Frauen wollen als Hausärztinnen arbeiten

Vogelsbergkreis (pm). "Hausärztemangel in ländlichen Regionen" – diese Meldung, die immer wieder in den Medien auftaucht, versetzt den einen oder anderen in Angst. Für alldiejenigen gibt es jetzt eine gute Nachricht.

Im Alsfelder Kreiskrankenhaus lassen sich gerade drei Frauen als Fachärztinnen für Allgemeinmedizin weiterbilden, um sich in den kommenden Jahren im Kreis als Hausärztinnen niederlassen zu können. Die Wege, die sie in die Alsfelder Klinik geführt haben, sind unterschiedlich und dann doch wieder gleich. Sie eint der Wunsch, mit engem Patientenkontakt zu arbeiten. Die jüngste der Frauen verwirklicht den Wunsch voraussichtlich direkt nach Studienabschluss, während die beiden anderen nach Erziehungszeiten und Lehraufträgen den Wiedereinstieg geschafft haben.

Dr. Uta Schindler steht in ihrer Facharztausbildung kurz vor dem Abschluss. Nach ihrer zweijährigen Zeit im Alsfelder Krankenhaus wird sie bereits im November in eine Alsfelder Praxis wechselt. Dort wird sie die letzten sieben Monate ihrer Weiterbildung absolvieren, bevor sie Mitte nächsten Jahres ihre Prüfung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin niederlegen kann. Anschließend wird sie in die Gemeinschaftspraxis der beiden Kollegen als Partnerin einsteigen.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal die Chance bekomme, wieder in meinem eigentlichen Beruf zu arbeiten", freut sich die dreifache Mutter, die seit neun Jahren mit ihrer Familie in einem Ortsteil von Alsfeld lebt. Nach einer Ausbildung als Medizinisch-Technische Assistentin studierte sie in Marburg Medizin und absolvierte ihre Assistenzzeit in der Kinderklinik Fulda, bevor sie der Familie den Vorzug gegenüber ihren beruflichen Zielen gab.

Losgelassen hat die Medizin sie aber dennoch nicht, denn während der gesamten 15 Jahre unterrichtete sie als ärztliche Lehrkraft an Krankenpflegeschulen und Berufsschulen und hielt dadurch engen Kontakt zu den rasanten Entwicklungen der Medizin. Bis zu dem Tag, an dem der Anruf von einer Lauterbacher Allgemein- und Kinderarztpraxis kam, von der sie das Angebot, als Weiterbildungsassistentin zu arbeiten, erhielt. "Das war für mich die Chance, in meinen Beruf zurück zu kehren" – eine Chance, die sich durch zunehmenden Ärztemangel in ländlichen Regionen Ärztinnen wie Dr. Uta Schindler und Andrea Weidmann bietet.

Andrea Weidmann hat eine ähnliche Biografie wie Uta Schindler. Auch sie studierte Medizin – in Gießen – und absolvierte ihre AIP-Zeit in der Bad Hersfelder Klinik, bevor sie Kinder bekam und diese erste Priorität in ihrem Leben erhielten. Nachdem ihre zwei Jungs aus dem Gröbsten heraus waren, entschied sich die gebürtige Darmstädterin dafür, zu unterrichten. Zunächst arbeitete sie als Lehrkraft an der Krankenpflegeschule, bevor sie an die Max-Eyth-Schule wechselte.

Es war die selbe Praxis aus Lauterbach, die bei Andrea Weidmann anrief und fragte, ob auch sie sich nach 17 Jahren eine Rückkehr in die medizinische Praxis vorstellen kann. "Ich habe dort hospitiert, um wieder ein wenig medizinische Alltagsluft zu schnuppern", erzählt die Alsfelderin, die in ihrer Freizeit gerne mit ihrem Hund durch die Felder joggt.

"Der Entschluss, meine Lehrtätigkeit aufzugeben, war keine leichte Entscheidung. Letztendlich habe ich mich aber doch für meinen alten Beruf entschieden." Nachdem die Entscheidung gefallen war, hat Andrea Weidmann sich vor dem Sommerferien von ihrem Kollegium und der Schülerschaft der Max-Eyth-Schule verabschiedet und am 1. August im Kreiskrankenhaus Alsfeld ihren Dienst angetreten.

Dieser Herausforderung stellt sich auch Kristin Wolf. Die 27-Jährige lässt sich direkt nach ihrem Studium in Gießen und ihrem praktischen Jahr in Limburg als Fachärztin für Allgemeinmedizin im Alsfelder Krankenhaus und in einer kooperierenden Arztpraxis ausbilden. Die Münsteranerin ist die Zweite, die die Weiterbildung in einer derartigen Kooperation absolviert, in der sie nach einer Grundzeit von eineinhalb Jahren im Alsfelder Klinikum halbjährlich ihre Praxiszeiten in Klinik und Arztpraxis wechselt. Davon versprechen sich die Träger eine bessere Kommunikation untereinander.

"Ich möchte gleich meinen Facharzt machen, direkt in einem durch…", erklärt die junge Frau. "…und wenn ich einmal Kinder haben sollte, möchte ich gerne weiter arbeiten und nicht pausieren." Dies sei – da sind sich die drei Medizinerinnen einig – als niedergelassene Ärztin in einer Berufsausübungsgemeinschaft, so nennt man Gemeinschaftspraxen heute, mit anderen Kollegen deutlich besser möglich als in der Klinik, da dort auch Nacht- und Wochenenddienste anfallen. "Die Arbeitszeiten lassen sich als Hausarzt deutliche flexibler gestalten und dennoch können wir ganz für unsere Patienten da sein."

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