Demo gegen Werksschließung

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Alsfeld(bf). Die geplanten Sparmaßnahmen der Firma Kamax haben am Freitag knapp 250 Beschäftigte, darunter auch zahlreiche Menschen aus dem Kreis Gießen, in Alsfeld auf die Straße getrieben. Das Werk des Autozulieferers in Alsfeld soll im kommenden Jahr geschlossen werden, für Homberg sind Stellenstreichungen angekündigt.

Aufgerufen zum Protest hatte die IG Metall. Neben etlichen Betroffenen und ihren Familien war auch die örtliche Politik-Prominenz unter den Demonstranten, Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule etwa oder Kreis-Wirtschaftsdezernent Jens Mischak (beide CDU). Die Folgen der Pandemie dürften von der Geschäftsleitung nicht als Vorwand genutzt werden, Sparmaßnahmen umzusetzen, sagte Mischak. "Verträge sind einzuhalten, das gilt auch für den Ergänzungstarifvertrag." SPD-Kreisvorsitzender Patrick Krug nannte das Vorgehen der Kamax-Spitze gar "unanständig". Sowohl der SPD-Mann als auch seine CDU-Kollegen schlossen sich den Forderungen der IG Metall an, auf Entlassungen zu verzichten und das Werk in Alsfeld zu erhalten.

Genau dies ist im Ergänzungstarifvertrag vereinbart, der noch bis 2022 läuft. Darin ist zugesichert, dass Kamax auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet, wenn die Beschäftigten Lohnverzicht üben und Überstunden leisten. Kamax beruft sich nun auf eine Klausel, die besagt, dass bei Wegfall der Geschäftsgrundlage der Vertrag gekündigt werden oder geändert werden könne. Man halte sich exakt an die Regeln, sagte Unternehmenssprecher Marc Kennedy.

Die Beschäftigten fühlen sich von der Geschäftsführung massiv betrogen. "Wir haben seit 2017 hart gearbeitet, und das Unternehmen hat zweieinhalb Jahre von uns kassiert, um nun ein Werk in der Slowakei aufzumachen", sagte Alsfelds Betriebsratsvorsitzender Lutz Koch. Das sei eine "Riesenschweinerei".

Die Arbeitnehmervertreter sagten, man erkenne an, dass Kamax Probleme habe, aber diese seien nicht existenzbedrohend. Gewerkschaftler Sachs erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die Chefetage. Diese wolle durch die Werksschließung in Alsfeld und den Abbau von 320 Stellen nur zügig wieder Profit machen.

Die Geschäftsführung argumentiert dagegen in einer Stellungnahme, dass man allen Mitarbeitern verpflichtet sei, Kamax eine langfristige Perspektive zu bieten. Es gebe auf Dauer nicht genug Aufträge, um das Werk in Alsfeld zu erhalten. Die Produktionsstandorte in Alsfeld und Homberg befänden sich seit 2017 in einer zunehmend schwierigen Lage. Seit Ende 2019 würden sich nun die Ereignisse überschlagen.

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