Corona-Stress in der Kreisverwaltung

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Vogelsbergkreis(jol). Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die Kreisverwaltung über Monate durchgeschüttelt, von der Reinigungskraft bis zum Arbeitsvermittler. Auch Landwirte und Volkshochschuldozenten sind betroffen. Das stellte Landrat Manfred Görig dieser Tage in seinem Bericht für den Kreistag fest. Die Schulgebäude unterstehen dem Kreis, das eigene Reinigungspersonal und Dienstleister mussten nun die Gebäude nicht mehr nur nachmittags, sondern auch vormittags reinigen. "Dabei nahmen sie sich besonders Toiletten, Handläufe und Türklinken vor". Dem Reinigungspersonal zollten die Kreistagsabgeordneten dann mit einem kurzen Applaus ihren Dank.

4000 Masken verteilte der Kreis an Nutzer der Schulbusse. Die Kosten aller Maßnahmen beziffert Görig auf "rund 80 000 Euro". Eltern erhalten das Geld zurück, das sie für die ausgefallene Betreuung an Grundschulen gezahlt haben.

Tablets für Schüler

Weiter laufen die Anstrengungen des Kreises, Schulen mit Computertechnik aufzurüsten. So werden die Gebäude an schnelle Glasfaserleitungen angeschlossen. Dazu kommen Geräte für eine guten WLAN-Empfang. Der Kreisausschuss werde hierfür in Kürze Aufträge für rund 700 000 Euro vergeben. Damit werden Geräte angeschafft und Installationen für elf Schulen bezahlt.

Aus einem Sofortprogramm des Bundes zur Anschaffung von Tablets erwartet Görig 500 000 Euro. "Theoretisch können mit diesen zusätzlichen Mitteln mindestens 1000 mobile Endgeräte beschafft werden." Im Vorgriff wurden 120 Endgeräte geordert. Sie sollen auch den Unterricht zu Hause erleichtern.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Maßnahmen wirken sich auf Arbeitsplätze aus. Die Kommunale Vermittlungsagentur KVA verzeichnete im April und Mai 271 Anträge auf Gewährung von Grundsicherung für Arbeitsuchende. Damit hat sich "die Anzahl gegenüber den Vorjahresmonaten mit 137 verdoppelt", sagt Görig. Um die Mehrarbeit aufzufangen, werden Kreisbeschäftigte aus anderen Bereichen eingesetzt.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Fachstelle Prävention im Alter ein Hilfetelefon für ältere alleinstehende Bürger eingerichtet. Es wurde von rund 130 Personen in Anspruch genommen.

In seinem Rückblick auf die Corona-Maßnahmen im Kreis verwies Görig auf die Verteilung von Schutzmaterial. Das Land hat größere Mengen an Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Schutzbrillen bestellt. Die Verteilung an Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste, Eingliederungshilfe, Rettungsdienst und weitere koordiniert das Sachgebiet Katastrophenschutz beim Kreis. Aktuell wurde eine Lieferung von Schutzmasken für den Rettungsdienst und die Gesundheitsämter angekündigt.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben Folgen für die Landwirtschaft, wie Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak berichtet. So konnten Landwirte den Agrarantrag 2020 nicht persönlich im Amt abgeben. Dieses Jahr haben nur noch 1401 Betriebe einen Agrarantrag gestellt. "Dies bedeutet einen Rückgang um weitere 22 Betriebe gegenüber dem Vorjahr", so Mischak. Es gebe größeren Bedarf an Beratungen zu Soforthilfen für kleine Unternehmen. Das Sachgebiet Wirtschaftsförderung prüfe Kreditanträge, die dann an die landeseigene WI-Bank weiter geleitet werden.

Corona bedingt wurden die im Mai geplanten Tage der Ausbildung verschoben. Die ersten Tage der Ausbildung sind jetzt für den 25. September 2020 für Homberg, Alsfeld und Mücke geplant. Am 27. November sollen Jugendliche im Grebenhain, Lauterbach, Schlitz und Schotten erreicht werden.

Einschränkungen gab es bei der Wahl zum Kreisjugendparlament. Die Wahlvorbereitungen konnten nicht abgeschlossen werden. Die KJP-Wahl soll in der letzten Woche vor den Herbstferien laufen. Die Fachstelle Kindertageseinrichtungen musste viele Verordnungen bewältigen. Sie wurde "nahezu pausenlos von Kita-Trägern, Leitungen und Eltern zu Rate gezogen". Die Vorgaben wechselten und Eltern waren stark beansprucht, weil die Kinderbetreuung ausfiel. Sehr viel Zeit und Energie nahmen Klärungen der "systemrelevanten Berechtigten" in Anspruch. Aktuell gehe es vor allem um Raumkonzepte als Hygienemaßnahme. Die Mitarbeiterinnen der Fachstelle seien um unbürokratische Entscheidungswege bemüht. Auch Standard-Aufgaben wie die Schuleingangsuntersuchung sind von Einschränkungen geprägt. So werden die Kinder in größeren Abständen eingeladen. In der Volkshochschule sind nach einer Zwangspause wieder Kurse möglich. Online-Angebote sind im Kommen. Für das neue Semester werden kleinere Gruppen gebildet. Um Einnahmeausfälle der vhs bei Deutschkursen und Honorarausfälle von freiberuflichen Kursleitungen etwas abzufangen, wurden Zuschüsse beantragt. Die Bewilligung steht noch aus, so Mischak.

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