Mit einem Erdpflug werden bei Erbenhausen Leerrohre für Breitbandkabel verlegt, das Arbeitsgerät wiegt rund 25 Tonnen. FOTO: JOL
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Mit einem Erdpflug werden bei Erbenhausen Leerrohre für Breitbandkabel verlegt, das Arbeitsgerät wiegt rund 25 Tonnen. FOTO: JOL

Breitband

Boden für schnelles Breitbandnetz umpflügen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Baugruben an Straßenrändern weisen darauf hin, dass nach langen Jahren des Wartens nun vielerorts "Auffahrten" auf die Daten-Autobahn entstehen.

Rund 25 Tonnen Eigengewicht undeine zusätzliche Zugkraft von 50 Tonnen durch einen großen Schlepper - mit schwerem Gerät baggern Bauarbeiter bei Erbenhausen für das Breitbandnetz der Zukunft. Mit einem sogenannten Erdpflug wird entlang eines Feldwegs Leerrohr für die Glasfaserleitung verlegt. Ein ähnliches Bild bietet sich derzeit im ganzen Vogelsberg. 70 Firmen und Schulen sollen so an das schnelle Netz angeschlossen werden.

In Homberg, Mücke und Ulrichstein finden umfangreiche Tiefbaumaßnahmen statt, die bis August 2020 laufen. Im Sommer geht es auch in Gemünden und Feldatal los. Im Auftrag der BIGO, der Breitbandinfrastrukturgesellschaft Oberhessen, verlegt die Telekom auf rund 34 Kilometern Länge Leerrohre. Zudem werden 78 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. "Damit ist für Jahrzehnte vorgesorgt", zeigt sich BIGO-Geschäftsführer Raphael Kupfermann erfreut.

Die BIGO ist ein Zusammenschluss von Kommunen aus Vogelsberg und Wetterau, um Lücken in der Breitbandanbindung zu schließen. Die Erdbauarbeiten erledigt Firma Leinberger. Meist wird gepflügt, gefräst oder gespült, um den steinigen Untergrund aufzureißen. "Manchmal müssen wir mit der Felsfräse oder Bohrungen vorgehen, wenn da eine Basaltader in die Quere kommt", berichtet Siegfried Leinberger.

Knapp vier Kilometer Strecke schaffen die Arbeiter pro Tag mit dem Erdpflug. Verlegt wird ein Kunststoffrohr von fünf Zentimetern Durchmesser. Später werden sieben Röhrchen "eingeblasen", die jeweils bis zu 96 Glasfasern aufnehmen. Vorsichtshalber verlegt man das Rohr in einer Tiefe von bis zu einem Meter. Weiter oben könnte ein Bauer beim Pflügen sonst für Schäden an der Leitung sorgen. Der Anschluss von Firmen und Schulen wird vom Bund gefördert. Dafür müssen die Leitungen auch anderen Anbietern offen stehen, bei Privatunternehmen gilt das nicht. In Erbenhausen wird eine Firma angeschlossen, weitere Anschlüsse über die Telekom sind möglich.

Voraussichtlich bis August werden Glasfaser-Netzverteiler aufgestellt. Ziel ist, einen Großteil der Schulen und Unternehmen an rund 70 Stellen anzuschließen. Wegen der Zuschüsse aus einem Förderprogramm werden keine Privathaushalte angeschlossen. Landrat Manfred Görig freut sich über den Fortschritt, die lange Vorbereitungszeit zahle sich nun aus. Bereits in wenigen Wochen werden die ersten echten Glasfaseranschlüsse für Schulen und Unternehmen in Betrieb genommen. Die Erschließung betrifft Schulen, Gewerbegebiete sowie Unternehmen in Ortslagen. Das ist für Görig ein enormer Vorteil für den Kreis: "Während anderenorts teilweise ganze Gewerbebetriebe lediglich mit DSL (FTTC) versorgt sind, gibt es bei uns schon Glasfaserverbindungen bis zum Gebäude mit fast unerschöpflichen Kapazitäten."

Die Anschlussarbeiten sind in den Kommunen unterschiedlich weit, wie BIGO-Chef Kupfermann erklärt, eine Übersicht findet sich unten.

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