Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen.
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Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen.

Es bleibt dabei: Gefängnis nach sexuellem Missbrauch

Alsfeld/Gießen (ks). Berufung zurückgezogen, da bleibt nur Haft: Ein 47-Jähriger hat beim Landgericht versucht, eine Bestrafung wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Mädchen zu mindern - das klappte nicht.

Mücke/Grünberg/Gießen (ks). Ein im Juni vergangenen Jahres vom Amtsgericht Alsfeld verurteilter Mann geht ins Gefängnis. Er hatte nach dem Urteil wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen, das er wohl als zu hart empfand, Berufung eingelegt. Die zog er jetzt vor der 1. Strafkammer am Landgericht Gießen zurück. Offenbar sah er keine Chance, eine für ihn mildere Strafe als die verhängten drei Jahre zu erlangen. In der Verhandlung am Montag zeigte er aber mehr Einsicht und beteuerte, sich seiner Schuld stellen zu wollen. Das hatte bei der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht Alsfeld noch anders ausgesehen. Da waren in seinen Augen immer die anderen schuld, die Schwiegermutter, die sich in die Ehe einmischte, die Ehefrau, die keine körperliche Nähe mehr wollte und so weiter.

Der 47-Jährige war wegen Missbrauchs, teilweise in besonders schwerem Fall, verurteilt worden. So hatte er sich an der elfjährigen Tochter eines Bekannten und an seiner Stieftochter vergangen. Als besonders gravierend ahndete das Alsfelder Gericht die Übergriffe auf seine Stieftochter. So hatte er die Elfjährige während eines Kurzurlaubs der Mutter, in dem er auf die Kinder aufpassen sollte, nicht nur gezwungen, am PC Pornoszenen anzuschauen.

Er hatte sie auch begrapscht und mehrere Male bei der Selbstbefriedigung auf das Kind ejakuliert, das sich nur mit Unterhose bekleidet auf den Boden legen musste. Von weiteren Übergriffen hatte er nach der deutlich gezeigten Abscheu des Mädchens abgelassen.

Die Opfer leiden bis heute an posttraumatischen Belastungsstörungen und sind in Therapie, machte die Vorsitzende Richterin noch einmal deutlich. Eine Betroffene war mit ihrem Anwalt erschienen, ebenso ein weiterer Nebenklagevertreter.

Nachdem der Anklagte zuletzt wenig Unrechtsbewusstsein gezeigt hatte, äußerte er sich jetzt anders. Es tue ihm leid und er würde das Geschehene gern rückgängig machen, wenn er könnte. So hat er vor einigen Monaten eine weitere Therapie begonnen, um seine pädophilen Neigungen aufzuarbeiten, "damit so etwas nicht wieder passiert."

Beim ersten Verfahren hatte sein Mandat das Ganze wohl noch nicht richtig verarbeitet, so der Anwalt. Nun sei der 47-Jährige bereit, sich seiner Schuld zu stellen. Dieser berichtete noch kurz von zwei gescheiterten Ehen, derzeit hat der zweifache Vater wieder eine Freundin. Am Urteil des Amtsgerichts sei "normalerweise nichts falsch," meinte er, er wolle aber eine Chance haben, alles wieder gerade zu biegen.

So zeigte er sich bereit, mit den Anwälten der Opfer über Schmerzensgeldzahlungen zu verhandeln. Wie das gehen soll angesichts vorhandener Schulden, einem eher geringen Einkommen und dem jetzt folgenden Gefängnisaufenthalthalt, blieb offen. Nach einer Beratung mit seinem Pflichtverteidiger (der Anwalt hatte das Wahlmandat zuvor niedergelegt), zog der Angeklagte die Berufung dann zurück.

Die Richterin hatte ihm zuvor nahe gelegt, er solle sich überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, die Berufung durchzuziehen. Seinen Verzicht darauf nannte sie eine kluge Entscheidung. Damit habe er Einsichtsfähigkeit zum Ausdruck gebracht.

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