Schwarzhafer, Margeriten und Gräser - die Vielfalt hat im Ökolandbau ihren Platz auf den Feldern. FOTO: PM
+
Schwarzhafer, Margeriten und Gräser - die Vielfalt hat im Ökolandbau ihren Platz auf den Feldern. FOTO: PM

Landwirtschaft

Öko bewährt sich in der Krise

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
    schließen

Gesellschaftliches Umdenken kann sehr langwierig sein, was sich nicht nur am Beispiel Ökolandbau und dessen Produkten zeigt. Aber jetzt gibt es gleich einen doppelten Schub.

In der Ökolandbau Modellregion Vogelsberg herrscht Freude. Einerseits über die Ausweitung der Förderung auf ganz Hessen, aber besonders über die zeitgleich von Landwirtschaftsministerin Priska Hinz verkündete Verlängerung der bisherigen Ökomodellregionen ab 2021 um weitere fünf Jahre.

"Für das Projekt bedeutet das weitere fünf Jahre Planungssicherheit, Perspektive und Bestätigung für die geleistete Arbeit im Vogelsbergkreis", freut sich der Erste Kreisbeigeordneter und zuständige Dezernent Jens Mischak (CDU) über die Verlängerung. Schon jetzt nehme der Vogelsbergkreis mit einem Bioanteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche von aktuell knapp 23 Prozent und etwa 240 Betrieben hessenweit einen Spitzenplatz ein. "Das Ziel der Landesregierung von 25 Prozent ist schon fast erreicht - daran werden wir weiter arbeiten".

Der Schwerpunkt der Ökolandbaubetriebe liegt im Hohen Vogelsberg, informiert Anja Püchner, Leiterin des Amts für Wirtschaft und ländlichen Raum. Hintergrund ist, dass der Hohe Vogelsberg eine Grünlandregion ist, und dort extensives Wirtschaften mit Rindviehhaltung und Milcherzeugung Tradition hat.

Schwerpunkt im hohen Vogelsberg

Der Trend zu dieser Bewirtschaftungsform ist nach Angaben von Püchner "dann immer mehr den Berg runtergewandert". Beispielhafte Betriebe sind unter anderem der von Bernd Weiß in Unter-Seibertenrod, der über das Label Landmarkt aktiv ist. Unter dem Begriff Landmarkt vermarkten Bauernhöfe der Vereinigung der hessischen Direktvermarkter. Bei Weiß sind es Backwaren und diverse Sorten an Hausmacher Wurs sowie Rind- und Schweinefleisch.

Insgesamt sind bei Landmarkt aber nur sechs Betriebe aus dem Kreisgebiet vertreten. Der Ulrichsteiner Selgenhof ist ein sehr großes Betrieb im Bereich Ökolandbau. Dort wird auch eine eigene Molkerei betrieben. Zu nennen sind ferner in Kirtorf-Heimertshausen die Betriebe Alfred Haberlach (Demeter) und Dr. Sybille Krick.

Wie sind die Rahmenbedingungen, wenn sich ein konventioneller Landwirt überlegt, auf Ökolandbau umzustellen? Nach Einschätzung von Püchner ist das bei der Milchproduktion derzeit schlecht, weil die einschlägigen Molkereien keine Erzeuger mehr aufnehmen. "Da müssen sich Erzeuger kundig machen, es ist schwierig", Die Upländer Molkerei bei Usseln (Willingen) erweitert gerade, aber bis es zu Neuaufnahmen kommen kann, das dauert noch, meint Püchner. Immerhin hat diese Molkerei inzwischen ein Einzugegebiet zwischen Paderborn und Bad Nauheim sowie zwischen Koblenz und Mühlhausen in Thüringen. Bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist die Umstellung auf Bio derzeit einfacher. Püchner nennt beispielhaft den Raum Schwalmtal. Auf dem Demeterhof von Moritz Schäfer in Hopfgarten stehen rund 100 Milchkühe und Nachzucht. Auf dem Ackerland werden neben Linsen auch Ölsaaten, Getreide, Kresse, Speiselupinen und viele weitere Kulturen in einer weiten Fruchtfolge angebaut.

Die Artenvielfalt wird vor allem durch Mischkulturen unterstützt. In Liederbach hat Robert Kasper im Getreidebau gute Erfahrung mit alten Sorten gemacht. Püchner spricht sich für Biodiversität aus, ein Produkt alleine sei kein Standbein. "Die Mischung macht es", ist sie sich sicher.

In der Coronakrise merke man sehr deutlich, dass die Direktvermarktung oder regionale Produkte mehr und mehr nachgefragt werden. Derzeit sei man dabei, die kleinen Strukturen zu unterstützen. Auf den Fleischmarkt bezogen sagte Püchner, die Aktion "Vulkanrind" sei eine Möglichkeit, kurze Transportwege zu realisieren. In diesem Zusammenhang sei es gut, dass es in Fulda noch einen Schlachthof (einer von zwei in Hessen) gibt. Aber an der Umsetzung müsse bei "Vulkanrind" noch gearbeitet werden. Ein Gewinner in der Coronakrise seien die Spezialitäten- und Bauernmärkte, wie es einen erfolgreichen Feldatal gibt.

Interessierte Erzeuger können sich beim Projektleiter der Ökomodellregion Vogelsberg, Mario Hanisch, melden unter Telefon 06641/977-3507 oder E-Mail an mario.hanisch@vogelsbergkreis.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare