Windkraft

Für besten Weg müssen Bäume in Alsfeld weg

  • schließen

An einem schiefen Linden-Duo scheiden sich in Alsfeld die Gemüter. Die am Ludwigsplatz angepflanzten Winterlinden sollen im Februar für den Bauteiletransport des Windenergieparks gefällt werden.

Das sieht der ein oder andere Bürger Alsfelds als einen Umweltfrevel. Eine Petition mit 1092 Unterschriften zum Erhalt der rund 40 Jahre alten Straßenbäume wurde bereits im Vorjahr verfasst, nach unzähligen Debatten in der Stadtpolitik dennoch ein Fällungsbeschluss gefasst. Seitdem kursieren durchaus alternative Fakten zum Sachverhalt, die mit dem Baubeginn des Energieparks frischen Wind bekamen. Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule bezog auf Anfrage erneut Stellung. Ausschlaggebend war laut Paule nicht eine fünfstellige Ausgleichszahlung je Fällung, sondern die Auswirkungen der Winterlinden auf zwei weitaus ältere Bäume "Zwei unabhängige Beurteilungen haben ergeben, dass beide Linden die platzprägenden Bäume in Form einer großen Linde und einer großen Eiche beeinträchtigen, weil sie in die Kronen hineinwachsen".

Eine Entfernung der Linden innerhalb der nächsten zehn Jahre wäre aus seiner Sicht auch ohne Schwertransporte sehr wahrscheinlich. "Die Eiche und die Linde in der Mitte des Ludwigplatzes bleiben auf jeden Fall und profitieren davon, dass die anderen Bäume nicht mehr in ihre Krone wachsen". Wie Paule ausführte, stehen das Fällen eines Bergahorns und einer Platane vor der Hausnummer 4 des Ludwigsplatzes für die Schwertransporte nicht zur Diskussion. Eine weitere, vor etwa fünf Jahren angepflanzte Linde, wird laut Paule für die Transporte versetzt und nicht gefällt.

Bei den Transporten handelt es sich um die Bauteile für den Windpark der VSB Holding bei Fischbach. Dort soll eine 14 000 Quadratmeter große Waldfläche für den Bau zweier Anlagen gerodet werden. "Die Windenergieanlagen werden auf Flächen des Landesbetriebes Hessen-Forst errichtet", informiert die VSB-Pressereferentin Kathrin Jacob-Puchalski. Sämtliche Planungen seien mit den Behörden abgestimmt. "Für die Standorte der Windenergieanlagen muss dauerhaft eine Fläche von etwa 1,4 Hektar Wirtschaftswald, also Wald für die Holzgewinnung, gerodet werden", so Jacob-Puchalski. Laut ihren Schilderungen wurde bei der Planung darauf geachtet, die Standorte in einen naturschutzfachlich weniger wertvollen Bestand zu legen. Wie sie sagte, liegen die Areale auf einer 20 bis 30 Jahre alten Aufforstungsfläche beziehungsweise in einer alten Windwurffläche mit jungem Baumbewuchs.

Im Hinblick auf die Schwertransporte teilte die Pressereferentin mit, dass in der Zeit von April bis Mai 2019 der Ausbau der Transportstrecke erfolgen soll. Dazu gehöre auch die Wegführung in der Stadt Alsfeld am Ludwigsplatz. "In Vorbereitung darauf werden voraussichtlich im Februar 2019 die betroffenen Bäume am Ludwigsplatz gefällt", so Jacob-Puchalski. Die Transporte für die Windenergieanlagenteile sollen im Juni 2019 rollen. Zu einer innovativen Transportmethode von Rotorblättern in Form der sogenannten Bladelift-Technik sagte die Unternehmenssprecherin, dass diese nicht pauschal überall zum Einsatz kommen kann. "Für den Bladelifter müsste das Logistikkonzept in wesentlichen Teilen neu erarbeitet werden, was Mehrkosten und großen zeitlichen Verzug für das Bauprojekt bedeuten würde", so Jacob-Puchalski. Zudem sei zur Verkleinerung der Rodungsflächen im Windpark Fischbach eine Just-in-Time-Lieferung der Großkomponenten geplant, so dass große Lagerflächen im Wald entfallen können. Bei der Anlieferung mittels Bladelifter wären größere Rodungsflächen für die Logistik im Wald nötig. Die Nutzung von alternativen Routen sei selbstverständlich geprüft und abgewogen worden. "Im Fazit hat sich die Strecke über den Ludwigsplatz als bestmögliche Variante hinsichtlich Kosten, Logistik und Eingriff in die Natur erwiesen." Übrigens: Im benachbarten Romrod wurde ein Baum in der Zufahrt eines städtischen Bauprojekts ohne öffentliches Aufsehen gefällt. Statt einer Ausgleichsmaßnahme erinnert dort ein hölzerner Stumpf an den ehemaligen Standort einer Platane.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare