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Bauern "brennt der Kittel"

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Bauern stehen unter Druck und sie geben ihn weiter an die Politik. Rund 300 Landwirte nutzten eine CDU-Veranstaltung in Mücke, um mit Generalsekretär Manfred Pentz ins Gespräch zu kommen.

Bei den Landwirten "brennt der Kittel", wie es Martin Schreiner aus Laubach formuliert, deshalb sind bei der Demonstration 150 Schlepper und gut doppelt so viele Landwirten bei der CDU-Veranstaltung dabei. Am Donnerstagabend überraschten Bauern aus der Region CDU-Generalsekretär Manfred Pentz beim Besuch in Flensungen mit massiver Präsenz. Binnen kurzem hat sich eine Basisbewegungen von enttäuschten Betriebsleitern und ihren Familien gebildet.

Die Resonanz hat auch die Organisatoren überrascht, wie Tobias Wagner von der Aktin "Land schafft Verbindung" betont. Melanie Schreiner hatte zur Diskussion im Rahmen der "CDU-Klartext-Tour" in Flensungen eingeladen. "Wir haben mit 50 Schleppern gerechnet, die Resonanz liegt weit über unseren Erwartungen", so Wagner. Im Saal der "Alten Mücke" brachten gut 300 Landwirte ihre Argumente vor. Pentz, Landtagsabgeordneter Michael Ruhl und Landwirtschaftsdezernent Jens Mischak versprachen, die Kritik aufzunehmen. Keine guten Noten gab es für die Grünen, "die in Hessen eine ideologische Kampagne gegen Landwirte fahren".

Über Umweltministerin Svenja Schulze meinte Ruhl: "Ihr Auftritt bei der Bauerndemo in Berlin war unter aller Sau". Wagner sagte, Bauern wollten von der Produktion hochwertiger Lebensmittel leben und nicht als Subventionsempfänger verunglimpft werden. Sie erzeugen Nahrungsmittel mit höchsten Standards und durch die Landwirtschaft werde Humus aufgebaut, der Kohlendioxid aus der Luft bindet.

Sabrina Emmerich aus Kirchhain kritisiert das schlechte Image der Branche, wobei die meisten Menschen viel zu wenig Einblick in die Realität hätten. Sie als Schweinehalterin könne nur mit gesunden Tieren arbeiten: "Wir schädigen unseren Betrieb, wenn wir unsere Tiere verletzen".

Scbwarze Schafe in der Branche

Emmerich fordert mehr Sachverstand in der öffentlichen Debatte. So sei das Kupieren der Schwänze beim Schwein besser als die Gefahr von Nekrosen am Rückgrat. Ein anderes Thema war die Nitratbelastung von Grundwasser. Dazu wandte ein Besucher ein, dort zirkulierten mehr Medikamente als Pflanzenschutzmittel, aber über diese Gefahr werde zu wenig gesprochen. Martin Schreiner erinnerte daran, dass Landwirte üblicherweise nur so viel Dünger ausbringen würden, wie von Pflanzen aufgenommen wird.

Ein Landwirt sagte in der Dikussion aber auch, dass schwarze Schafe der Branche viel Gülle ausbringen würden, das sei aber bei den hessischen Bauern in Mittelgebirgslagen anders. Landwirt und Ex--Landespolitiker Kurt Wiegel fügte an, dass Rinder in Grünlandregionen wie dem Vogelsberg wichtig sind, um das Gras zu verwerten.

Tobias Wagner kritisierte, dass alle paar Monate neue Regelungen erlassen werden, die den Umbau von Ställen und Anlagen erfordern. Gefordert seien praxisnahe Vorgaben, die Planungssicherheit bieten. Andere Themen sind Flächenversiegelung, täglich würden rund 60 Hektar Land bebaut. Die Politik müsse zudem gegen den vermehrten Ankauf von Ackerflächen durch Unternehmen wie etwa Aldi aktiv werden.

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