Pro Bahn: RMV ist zu Frankfurt-fixiert

Vogelsbergkreis(kw). Der Rhein-Main-Verkehrsverbund vernachlässige die ländlicheren Regionen und insbesondere Mittelhessen: Das schreibt der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen in seiner "durchwachsenen" Bilanz zum 25-jährigen Jubiläum des RMV. Teilweise könne man jedoch durchaus von einer Erfolgsgeschichte sprechen, die erfreuliche Entwicklungen brachte - etwa das "Flügelkonzept" von Zügen, die in Gießen zusammengekoppelt und getrennt werden. Skeptisch äußert sich der Landesverband zu den Perspektiven der Wiederbelebung der Lumdatalbahn. Vom Land Hessen fordert er, den öffentlichen Nahverkehr stärker zu steuern. Pro Bahn erinnert an die heftigen Debatten, die der Gründung des RMV vorangingen. Nach der Bahnreform 1994 habe die damalige rot-grüne Landesregierung die Landkreise und Städte verpflichtet, sich zusammenzuschließen. Erwogen wurde zunächst auch ein Mittelhessischer Verkehrsverbund, der die fünf Kreise des Regierungsbezirks Gießen umfassen sollte. Die Städte Gießen und Marburg entschieden sich stattdessen für den Beitritt zum RMV. Die umgebenden Landkreise zogen nach.

Dass man fortan auf zwei Dritteln der Landesfläche mit einem Fahrschein verschiedenste Nahverkehrsmittel nutzen konnte, sei "einerseits der große Wurf" gewesen. Andererseits seien Fahrpreise auf kleinen Distanzen gerade im ländlichen Raum vom einen auf den anderen Tag um bis zu 75 Prozent gestiegen.

Busangebot oft "katastrophal"

Seitdem habe sich Positives getan, stimmt der Verband der Jubiläumsbilanz des RMV stellenweise zu: Modernere Züge, 50 Prozent mehr Fahrplanvolumen, die Vergabe an zuverlässige heimische Betreiber.

Das S-Bahn-Netz habe in den Anfangsjahren "einen gewaltigen Schub nach vorn" erlebt. Nun gehe der Ausbau endlich weiter, vor allem in Richtung Friedberg und Gießen.

Grundsätzlich allerdings gelte: "Der RMV konzentriert sich zu sehr auf die Metropole Frankfurt und das S-Bahn-Netz." Er wirke - im Gegensatz zum Nordhessischen Verkehrsverbund - "überhaupt nicht gestalterisch auf den lokalen Busverkehr" ein. Eine Folge: "Orte, welche nur wenige Kilometer vor einem Oberzentrum liegen, haben bis heute eine mangelhafte bis katastrophal schlechte ÖPNV-Anbindung."

"Sehr bedenklich" findet der Verband, "dass das Land Hessen die Hoheit über Planung, Gestaltung und Leistungsvergabe vollkommen in die Hand der Verkehrsverbünde gegeben hat. Dies ist einmalig in Deutschland." In Hessen gebe es auch aus diesem Grund keinen Fahrzeugpool und uneinheitliche Triebwagen, was zu häufigen Zugausfällen führe.

Die Kürzung von Bahnsteigen verhindere eine eigentlich nötige Verlängerung von Zügen. Dringender Modernisierungsbedarf bestehe besonders auf der Lahntalbahn und der Vogelsbergbahn. Was Reaktivierungen etwa der Lumdatalbahn oder der Horlofftalbahn betrifft, täten die Verbünde "alles" dafür, dass "es so gut wie keine dieser Strecken über die Ziellinie schaffen wird". Auch die Corona-Belastung der Staatsfinanzen könnte die Pläne gefährden. Das Land habe zu stark auf deren "unternehmerische" Entwicklung gedrängt, meint Pro Bahn. Es müsse den Nahverkehr "als eigene Aufgabe verstehen". Der RMV solle sich auf sein "Brot- und Buttergeschäft" beschränken, statt Tochterfirmen zu gründen. Für die nächsten Jahre wünscht der Landesverband den Verbünden "eine gute Weiterentwicklung" mit dem Blick auf das Ausbremsen des Klimawandels".

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