Ausstellung: Vor 80 Jahren Terror gegen Arbeiter

Alsfeld (jol). Beklemmend, aber unverzichtbar, ist der Blick zurück auf die düsterste Epoche deutscher Geschichte, als Nationalsozialisten die Macht in Deutschland errangen und erst nach zwölf Terrorjahren niedergerungen wurden.

80 Jahre nach der Machtergreifung im Frühjahr 1933 erinnert daran eine sehenswerte Ausstellung des DGB in Räumen der Max-Eyth-Schule Alsfeld, Raum 405 im kaufmännischen Gebäude. Zu sehen sind kompakte Erläuterungen und beeindruckende Bilder wie das eines martialischen Polizisten Seite an Seite mit einem SA-Mann, dazu ein Schäferhund.

Am Montag wurde die Ausstellung "Gerade Dich, Arbeiter, wollen wir" eröffnet, sie ist bis Freitag, 22. März, zu sehen; geöffnet täglich von 8 bis 15 Uhr. Vom 25. März bis 5. April werden die Banner im Foyer des Kreiskrankenhauses Alsfeld aufgestellt. Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung darauf, zu ergründen, weshalb der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund ADGB 1933 nicht zum Generalstreik aufrief. Das geschah wohl auf dem Hintergrund des Bruderkriegs von KPD und SPD, Angst der Gewerkschafter, bei einem Generalstreik die Massen nicht mehr friedlich halten zu können und einer krassen Unterschätzung der machtgierigen Nazis. Zudem hatten die Gewerkschafter viele Unternehmer gegen sich, die den Nazis großzügig spendeten.

In der Begrüßung verwies Schulleiterin Claudia Galetzka auf Folter und Mord an Gewerkschaftern durch die Nationalsozialisten, um die Opposition zu zerschlagen. Kein Verständnis hatte sie auf diesem Hintergrund für das lange Negieren der NSU-Morde, das werfe kein gute Licht auf die innere Verfassung unseres Staats. Ralf Fei, Koordinator Politik der MES, fügte an, es sei äußerst bedenklich, wenn 40% der Jugendlichen bei einer Befragung nicht den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie kennen. Demnach habe jeder Vierte ein "neutrales Bild" vom Nationalsozialismus. Zentral für eine demokratische Gesellschaft ist der Respekt vor dem anderen. Diesen Pluralismus gelte es zu verteidigen.

Ulrike Eifler vom DGB Mittelhessen fügte an, dass Nazis Teil der Geschichte und auch der Gegenwart sind. Deshalb sei ein Blick auf die Stufen der Machtergreifung wichtig. Ein wichtiger Schritt war dabei das Zerschlagen der KPD nach dem Reichstagsbrand, am 1. Mai 1933 rief die NSDAP zum nationalen Arbeiterkampftag auf und am 2. Mai besetzten die Schlägertrupps der Nazis die Gewerkschaftshäuser. Seite an Seite saßen Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter in den ersten Konzentrationslagern ein.

Mit Ermordungen, Schlägen und Demütigung wurde die Oppositionellen niedergemacht. Am 22. Juni wurde die SPD verboten, das Aus für die einzigen Gegner der Rechtsextremisten. Gestützt wurde die braune Bewegung durch Angestellte und Selbstständige, wie die Reichstagswahl am 5. März 1933 zeigte.

Eifler ging besonders auf die Gründe für das Stillhalten der sozialdemokratischen Gewerkschafter ein. "Es gibt viele Helden aus der Gewerkschaft, die sich den Nazis in den Weg gestellt haben", so beim Hitler-Attentat von 1944. Ein Grund war sicher der Terror von SA und SS, die zur Hilfspolizei ernannt worden war. Es gab den Schießbefehl, wonach Polizeibeamte Oppositionelle erschießen sollten. Gewerkschaftszeitungen wurden verboten, tausende Kommunisten in KZs verschleppt. Die Reichstagswahl vom 5. März 1933 geschah unter massivem Druck der Nazis. Im März wurden über 100 Antifaschisten aus Gießen ins KZ Osthofen gebracht. Der ADGB hoffte auf legales Weiterbestehen und erklärte sich für politisch neutral, das half aber nichts. Die Nazis schlugen am 2. Mai zu, es wurden Gewerkschafter verschleppt, lebensgefährlich zusammengeschlagen, gefoltert, die Gewerkschaftshäuser besetzt, das Vermögen beschlagnahmt.

Was die Gegenwehr verhinderte war auch der Zwist zwischen KPD und SPD, man bekämpfte sich gegenseitig statt Front gegen die braunen Truppen zu machen. Hinzu kam die Wirtschaftskrise, viele Menschen hofften verzweifelt auf ein Ende der Massenarbeitslosigkeit – 6 Millionen Menschen waren ohne Job. Die Arbeiterführung hatte Angst vor einem umfassenden Streik, weil man nach dem Generalstreik 1920 gegen den Kapp-Putsch die revolutionären Massen nicht mehr bändigen konnte. Sie wurden von den rechten Freikorps blutig niedergeschlagen, die später die Keimzelle von SS und SA bildeten. Der Aufstieg der NSDAP ist ohne massive Finanzhilfe von Unternehmern nicht zu erklären, so Eifler. Sie finanzierten den Apparat der Braunhemden mit, um die Arbeiterbewegung zu zerschlagen. Nach 1933 waren die Chefs kleine "Führer" im Betrieb.

Konsequenzen für Gewerkschaften heute: Einheitsgewerkschaft und politischer Einsatz gegen Rassismus und Militarismus.

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