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Ein 300-PS-Traktor ist hier mit einem angehängten Forstmulcher im Einsatz bei Schotten. Dort soll eine ursprüngliche Bergmähwiese im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes wiederhergerichtet werden. FOTO: AU

Hin zur artenreichen Wiese

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Vogelsbergkreis(au). Seit 2015 setzt sich der Verein Natur- und Lebensraum Vogelsberg im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes für den Erhalt des artenreichen Grünlands ein. Es wird versucht, wertvolle Wiesen zurückzugewinnen und typische Bergmähwiesenarten wieder anzusiedeln. Darüber hinaus werden bisher ungenutzte Wiesen zum Erhalt der vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten gemäht sowie invasive Arten wie die Lupine entfernt.

Übermächtiger Schwarzdorn

Die Vielfalt der Gräser und Kräuter der Bergwiesen dient Schmetterlingen, Bienen, Hummeln und anderen Insekten als Lebensgrundlage. Eine große Insektenvielfalt wiederum bietet Vogelarten wie etwa dem Wiesenpieper genug Nahrung, um Jungtiere aufzuziehen. Das Naturschutzgroßprojekt wird von Land, Bund und Vogelsbergkreis mit insgesamt 9,3 Millionen Euro unterstützt. Hessens Umweltministerin Priska Hinz zeichnete im Vorjahr das Projekt im Rahmen der UN-Dekade "biologische Vielfalt" aus. Damit würdigte sie die Anstrengungen des Trägervereins und des Projektteams für den Erhalt und die Entwicklung der einzigartigen Kulturlandschaft im Vogelsberg.

Seit Ende des vergangenen Jahres wird auf Weideflächen nahe dem Grebenhainer Ortsteil Bermuthshain in Etappen an einer sogenannten Entbuschungsmaßnahme gearbeitet. Auf der weitläufigen Weide waren die Gebüsche in Teilbereichen übermächtig geworden. Oft ist es für die Landwirte sehr schwer, den scheinbar "unzähmbaren" Schwarzdorn (Schlehe) unter Kontrolle zu halten. Vor allem überall dort, wo man nicht mit dem Traktor nachpflegen kann.

Auf den Weideflächen bei Bermuthshain ist so nach und nach immer mehr Grünland verloren gegangen und Pflanzenarten, die typisch für extensives Grünland sind, waren verschwunden. Eine Situation die sowohl für den Landwirt als auch den Naturschutz unbefriedigend war und so wurde jetzt gehandelt.

Bewirtschafter erhält Saatgut

Auch in der Schottener Gemarkung Rudingshain gab es bei zwei Flächen, die im Naturschutzgebiet "Lange Galle" und im FFH-Gebiet Hoher Vogelsberg liegen, Handlungsbedarf. Die südliche Fläche war eine Fichtenaufforstung mit etwa 0,7 Hektar Größe. Bei einer Fläche mit 0,6 Hektar an der Straße von der Poppenstruth nach Götzen war die Nutzung aufgegeben worden.

Beide Flächen sollen jetzt wieder wertvolle und artenreiche Bergmähwiesen werden. Aus diesem Grund findet nach dem Mulchen eine Einsaat mit sogenanntem Wiesendrusch statt.

Dies unternimmt der zukünftige Bewirtschafter der Flächen selbst, er wird dafür finanziell und auch mit dem Druschgut über das Naturschutzgroßprojekt unterstützt. Die nächsten drei Jahre wird die Maßnahme begleitet und gegebenenfalls wird noch einmal eingesät, falls der Zustand "artenreiche Wiese" noch nicht erreicht wurde.

Die Erhaltung der Vogelsberger Bergmähwiesen ist auch von nationaler Bedeutung, da dort eine Vielzahl der aus Naturschutzsicht wertvollsten Flächen in der gesamten Bundesrepublik vorhanden ist. Insgesamt sind bis heute mehr als 1000 Hektar Bergmähwiesen im ganzen Vogelsberg erhalten geblieben.

Als Hotspots der biologischen Vielfalt bieten sie zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Eine Vielzahl von Tieren ernährt sich von den Insekten der Bergmähwiesen.

Der Erhalt der Wiesen garantiert also auch den Fortbestand all derer, die auf die Blumenpracht angewiesen sind.

Nach den Entbuschungsarbeiten von Mitarbeitern einer Firma aus Schlüchtern war jetzt beim Mulchen eine Firma aus Herbstein mit eine 300-PS-Traktor im Einsatz.

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