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Künftig werden Pflegekräfte gemeinsam ausgebildet: Christiane Schwind und Thomas Müller an einem Übungsbett mit Puppe in der Pflegeakademie. Sie bereiten das Zusammenführen von Kranken- und Altenpflegeschule vor.

Pflege

Alten- und Krankenpflegeausbildung künftig unter einem Dach

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Immer mehr ältere Menschen kommen ins Krankenhaus und in Pflegeheime - und künftig werden sie im Kreis nach den selben Standards gepflegt. Die Ausbildung ändert sich.

Aus Zwei mach Eins - im kommenden Jahr entsteht einen neue Schule im Vogelsberg. Die bislang getrennten Ausbildungen zur Altenpflege und Krankenpflege werden zusammengelegt. Hintergrund ist das Pflegeberufegesetz, das 2020 in Kraft tritt. Im Kreis beginnen an der Krankenpflegeschule und der Pflegeakademie in diesen Tagen die letzten Ausbildungsgänge nach dem bisherigen System. An der neuen Schule werden ab kommendem Jahr zwei Klassen für je 25 Azubis starten, was der bisherigen Ausbildungszahl entspricht.

Es handelt sich eine duale Ausbildung mit 2100 Stunden in der Schule und mindestens 2500 Stunden im Betrieb. Allerdings ändert sich einiges im schulischen Bereich, wie Christiane Schwind, Leiterin der Krankenpflegeschule, und ihr Schulleitungskollege Thomas Müller von der Pflegeakademie berichten. Bei der Ausbildung in den Einrichtungen steigen die Anforderungen an die Ausbilder.

Es kommen die Themen der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege zusammen. Vorteile sieht Müller für die Altenpflege in der attraktiver werdenden Vergütung während und nach der Ausbildung. Und die neue Ausbildung ist EU-weit anerkannt, was neue Jobchancen eröffnet. Die Schule bildet im kombinierten Studientage- und Blocksystem aus. Dabei wird sechs Wochen am Stück im Klassenraum unterrichtet, dann arbeiten die Azubis wieder in Pflegeheim, Krankenhaus oder ambulantem Dienst. Vorgeschrieben sind drei Wochen in der Psychiatrie und in einer Kinderklinik.

Dort sind Engpässe vorprogrammiert, wie Schwind und Müller schätzen. Denn bislang musste man 20 Praktikumsplätze in beiden Bereichen finden, künftig sind es 50, Verhandlungen mit Kliniken laufen. Inhaltlich ändert sich auch etwas, denn es müssen ja die unterschiedlichen Schwerpunkte aus der Alten- und Gesundheits-/Krankenpflege zusammengeführt werden. Müller erinnert daran, dass Altenpflegerinnen und -pfleger vor allem Langzeitpflege betreiben. Sie begleiten Menschen in der letzten Lebensphase. "Da spielt der Beziehungsaufbau eine große Rolle", die Betreuer sehen die Menschen unter Umständen über fünf Jahre oder länger bis zu deren Tod. Sie müssen lernen, mit Altersdepressionen, Parkinson und Stufen von Demenz umzugehen. Die Sterbebegleitung ist ein großes Thema: "Das ist auch eine psychische Belastung"r.

Bei der Gesundheits- und Krankenpflege geht es um Patienten mit akuten Erkrankungen. Die Pflegenden müssen sich mit Diabetes bei Neunjährigen ebenso auskennen wie bei der von Senioren. Da die Zahl der älteren Patienten steigt, müssen Pfleger darauf achten, dass oft mehrere Erkrankungen vorliegen. Die neue Pflegeausbildung umfasst Elemente aus Alten-, Kinder- und Krankenpflege, deshalb können Absolventen künftig in allen drei Bereichen arbeiten. Allerdings besteht die Möglichkeit, sich im letzten Drittel der Ausbildung in der Alten- oder Kinderkrankenpflege zu spezialisieren.

In der Branche herrscht bereits Vollbeschäftigung, es gibt zahlreiche unbesetzten Stellen, die Jobchancen sind hervorragend. Allerdings wird in der Altenpflege derzeit noch schlechter bezahlt. Es könnte sein, dass die Gehälter steigen, weil die Fachkräfte sonst in Kliniken abwandern. Noch ein Vorteil für Pflegefachkräfte, auf den Schwind hinweist: Durch die einheitliche Ausbildung ist der Zugang zum Pflegestudium erleichtert.

Ein Nachteil ist die Straffung des Lehrplans. Um alle Bereiche abzudecken, könnten einzelne Krankheitsbilder nicht so vertieft werden. Nach einer Operation am Schultergelenk ist die Pflege anders als nach einer Knie-OP: "Es muss mehr Wissen von einem Krankheitsbild auf das andere übertragen werden". Bei einem Sechsjährigen mit Diabetes und bei einem 80-Jährigen mit Diabetes müssen die Pflegekräfte das Zusammenspiel von Ernährung, Behandlung und Bewegung gleichermaßen im Blick haben. Ein Vorteil: Wenn Patienten von Krankenhaus in ein Seniorenheim kommen, haben sie Pflegekräfte, die beide Bereiche kennen.

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