Alsfeld: Kompromiss zu Hasselhorst-Bildern in Sicht

Alsfeld (jol). Ein Gewerbeareal an eine expandierende Firma verkauft, Neuigkeiten über ein mögliches positives Ende des Rechtsstreits um 169000 Euro teure Kunst - die Stadtverordneten hatten Grund zur Freude.

Alsfeld (jol). Das Spannendste waren diesmal eine überraschende Ehrung und prickelnde Neuigkeiten von der Gerichtsfront mit Kunsthändler W.: Die jüngste Sitzung der Alsfelder Stadtverordneten bot ansonsten den einstimmigen Verkauf eine Gewerbegrundstücks an »eines der besten Pferde im Stall« und eine ruhige Debatte um zusätzlich Stadtbusfahrzeiten. Zudem soll Horst Weber »Ehrenstadtbrandinspektor« werden.

Unter Leitung von Heinz Heilbronn startete man am Donnerstag in der Stadthalle mit der Ehrung für Michael Riese, zentrale Person bei der Alternativen Liste. Er erhielt die silberne Ehrennadel der Kommune passend zu seinem 60. Geburtstag. Bürgermeister Ralf Becker würdigte ihn als Menschen, der sich besondere Verdienste um die Stadt erworben hat. Er könne auch mal etwas aushalten und sei stets daran interessiert, das Mögliche auszuloten. Becker dankte für gute Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg, Riese sei ein Politiker dem man anmerke, dass er gerne etwas in Bewegung bringt. Riese ist seit 2001 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, seit 2004 im Aufsichtsrat der Bäder GmbH und seit sechs Jahren im Kreistag. Besonders dankte Becker der Ehefrau Rieses, die ihren Gatten oft entbehren müsse. Der ALA-Politiker war »ganz gerührt« über die Überraschung. Swen Bastian überreichte einen Apfelbaum als Geschenk.

In den Rechtsstreit mit dem Kunsthändler W. aus Schwalmstadt kommt Bewegung, wie Becker darauf mitteilte. Kürzlich war ein Verhandlungstermin wegen eines Bildes, das der Stadt von einer alten Dame geschenkt worden war, das aber im Bestand des Händlers aufgetaucht war. Bei der Verhandlung ergab sich ein Kompromiss für ein weiteres Verfahren. Darin geht es um einige Bilder (unter anderem vom Maler Hasselhorst) und eine Abendmahlskanne für 169000 Euro, die vom vorherigen Bürgermeister für das Regionalmuseum gekauft worden waren. Die Stadtverordnetenversammlung fordert die Rückabwicklung des teuren Ankaufs, was vom Landgericht Marburg bestätigt worden ist. Das Gericht hat aber auch entschieden, dass der Kunsthändler einen Anspruch auf Erstattung seines Verlusts bei einer Rücknahme habe. Und darauf will W. nun verzichten, so Becker erfreut. Die Anwälte seien noch bei der Prüfung, aber er hoffte, dass die Stadt das Verfahren bald beenden kann. Wermutstropfen: Die Stadt verzichtet auf das Bild, das bei W. aufgetaucht ist.

Schnell wurde der Verkauf einer größeren Fläche im Industriegebiet Ost an ein Unternehmen beschlossen. Dabei dürfte es sich um B + T Group (bekannt als Firma Bohn) handeln, wie die Andeutungen Beckers nahe legen. »Das ist eine sehr positive Angelegenheit«, so Becker. Der Betrieb habe sich vor vier Jahren in Alsfeld angesiedelt und sei »eines der besten Pferde in unserem Stall«. Deshalb sei es vertretbar, die Erweiterung mit Wirtschaftsförderung zu unterstützen.

Eine erneute Abstimmung gab es zur Ausweitung des Stadtbus-Angebots. Mit Mehrheit von SPD/ALA und FDP gegen CDU und UWA beschlossen die Abgeordneten einen Zuschuss von 5600 Euro jährlich, um abends und Samstagnachmittag eine Zusatzfahrt anzubieten. Das war bereits im Dezember beschlossen worden, aber im Nachhinein stellte sich heraus, dass Swen Bastian (SPD) als Mitglied des Aufsichtsrates der Verkehrsgesellschaft VGO nicht hätte mitstimmen dürfen. Er verließ nun den Saal. Dr. Christoph Stüber (SPD) begrüßte Zusatzfahrten um 18.50 und 14.50 Uhr, gerade Menschen mit Handicap seien auf einen Stadtbus angewiesen. Berthold Rinner (CDU) kritisierte die Streckenführung, dadurch gebe es nur wenige Fahrgäste.

Man solle besser wieder Altenburg anbinden. Als Bürgermeister Becker erläuterte, dass der Vertrag mit der Verkehrsgesellschaft jährlich gekündigt werde kann, sicherte FDP-Abgeordneter Rolf-Peter Stein Zustimmung zu. Marko Berg (UWA) kritisierte, dass der Bürgermeister als Jurist den Interessenkonflikt Bastians hätte bemerken müssen. Das wies Becker zurück, weil er nicht bei jedem Abgeordneten alle Mandate im Blick haben könne. Das müssten die Abgeordneten für sich feststellen.

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