Wirbt für eine Altstadt, in der man gerne mit der Familie unterwegs ist: Bürgermeister Stephan Paule. FOTO: JOL
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Wirbt für eine Altstadt, in der man gerne mit der Familie unterwegs ist: Bürgermeister Stephan Paule. FOTO: JOL

"Alsfeld ist hoch attraktiv"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Alsfeld lebt im Spagat zwischen den Anforderungen an einen Touristenort und einen Gewerbestandort. Ein Gespräch mit Bürgermeister Stephan Paule über ein neues Parkdeck im Zentrum, den großen Wurf für ein Industriegebiet und eine attraktive Altstadt.

Seit vergangenem Jahr läuft in Alsfeld die Altstadtsanierung - sind Sie zufrieden mit dem Stand?

Das Förderprogramm heißt inzwischen "Lebendige Zentren" und beinhaltet öffentliche wie auch private Maßnahmen. Hinzu kommt das Förderprogramm der Stadt, "Fachwerkstadt Alsfeld", für Baumaßnahmen in der Kernstadt und den Stadtteilen. Hauseigentümer können Mehrkosten gefördert bekommen. Da gibt es viel Nachfrage und die Bauverwaltung prüft, ob das eine oder das andere für die betreffende Maßnahme besser passt. Eine der großen öffentlichen Maßnahmen ist die Sanierung des Marktplatzes. Dazu gehört auch das, was wir zwischen Obergasse und dem Bereich der Drogerie Rossmann planen.

Sind fehlende Parkplätze immer noch Kritikpunkt?

Schon in den 1960er Jahren wurde ermittelt, dass in der Altstadt 500 Parkplätze fehlen und das ist nicht gelöst. Deshalb hat die Stadt das Gelände der ehemaligen Metzgerei Koch an der Obergasse gekauft, um es zusammen mit dem Rossmann-Areal zu entwickeln. Die Idee ist, dort mehr Parkplätze zu schaffen und die Kunden des Drogerie-Markts besser in die Altstadt zu bringen. Ob dort Parkdecks entstehen oder etwas anderes, wird noch ermittelt. Es werden auf jeden Fall zusätzliche Parkplätze für Anwohner und Besucher der Altstadt benötigt. Außerdem fahren viele Autofahrer zur Zeit noch an der Altstadt vorbei, ohne das Fachwerkensemble zu bemerken. Das wollen wir ändern und sie zum Besuch der Altstadt bewegen.

Wenn Parkplätze fehlen, gehen Sie von Bevölkerungswachstum aus - wie ist denn der Trend?

Wir wachsen wieder. In der Großgemeinde gab es früher 18 000 Menschen, die Zahl war zwischenzeitlich auf unter 16 000 gesunken und nun liegen wir wieder darüber. Im vergangenen Jahr ging die Bevölkerungszahl in der Kernstadt um 200 hoch und in den Dörfern um 100 herunter. Das Leben in Alsfeld ist hoch attraktiv, bei den nutzbaren Wohnungen kennen wir keinen Leerstand.

Und dennoch hat der Einzelhandel Probleme, wie kann die Stadt helfen?

Einzelhandel und Gastronomie in Alsfeld sind attraktiv, aber die Geschäftsleute müssen sich anpassen. Viele Menschen kaufen in Zentren auf der grünen Wiese. Womit wir hier punkten, ist das Gesamtensemble Altstadt. Die Leute wollen eine historische Stadt erleben, in der Menschen auch wohnen und arbeiten. Sie wollen über den Marktplatz und durch die engen Gassen gehen und danach in einem Café oder Restaurant sitzen. Bedauerlich ist der Leerstand von Geschäften. Da ist einiges in Bewegung. Das Restaurant Pranger hat eine neue Pächterin, der Blumenladen einen neuen Mieter, allerdings kein Blumengeschäft, und die ehemalige Buchhandlung Heinz ist an einen Investor verkauft, der das Gebäude sanieren und ertüchtigen will. Die Stadt investiert in die Sanierung des Marktplatzes und will Parkplätze schaffen.

Alsfeld lebt nicht nur vom Tourismus, sondern bietet viele Arbeitsplätze in gewerblichen Unternehmen - gibt es Konflikte zwischen beiden Bereichen?

Die Touristen kommen nicht in das Industriegebiet, die großen Betriebe nicht in die Altstadt. Aktuell bietet die Stadt Gewerbeflächen für kleinere und mittlere Betriebe. Wir entwickeln gerade das Industriegebiet "Am Weißen Weg" in Richtung Eifa für große Unternehmen ab 100 000 Quadratmetern. Da laufen Gespräche mit Investoren, bei denen ist entscheidend, ob und wie viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Wie sehen denn solche Gespräche aus?

So ein Gespräch beginnt damit, dass jemand 1200 Arbeitsplätze ankündigt und wenn wir uns zum dritten Mal treffen sind nur noch 80 realistisch. Deshalb dauert das länger. Wichtig ist die Belebung von gewerblichen Brachen. So hat ein Unternehmen Interesse, das Galvano-Gelände an der Schwabenröder Straße zu kaufen. Da ist die Frage, wer bezahlt die Beseitigung der Altlasten. Es ist ein zähes Geschäft. Sehr positiv ist, dass 200 hochwertige Arbeitsplätze in der hessischen Lehrkräfte-Akademie nach Alsfeld kommen.

Wo sehen Sie Alsfeld in fünf Jahren?

Dann reden wir über ein Neubaugebiet mit 100 Plätzen. Wir sanieren die Kitas und bauen eine neue, weil so viele Kinder da sind. Das Welle-Gelände wird endlich erschlossen. Die Altstadt ist eine Wohlfühlzone für Besucher mit Kindern am Abend und für Ausflügler am Wochenende. Mehr Alsfelder arbeiten von zu Hause aus und beleben das Stadtbild.

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