Eine Auswahl von Weihnachtskrippen aus der Werkstatt von Thomas Rodemer. FOTO: AU
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Eine Auswahl von Weihnachtskrippen aus der Werkstatt von Thomas Rodemer. FOTO: AU

Aktuelles Thema Flucht aufgegriffen

  • vonDieter Graulich
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Herbstein(au). An der Nordseite der katholischen Kirche St. Jakobus ist seit Anfang Dezember eine weitere Jahreskrippe ausgestellt. Seit April dieses Jahres werden von dem Vogelsberger Krippenbaumeister Thomas Rodemer im Laufe des Jahres die Krippen mit verschiedenen Motiven ausgestellt.

Erstes Motiv war damals die Kreuzigungsszene auf dem Berg Golgatha außerhalb Jerusalems. Es folgten "Die Verkündigung Marias" und "Die Heilige Familie aus Nazareth in Galiläa". Bei Letzteren war Jesus zu sehen, wie er seinem Vater Josef in der Schreinerei hilft und Mutter Maria sich im Haus beschäftigt. Die neue Jahreskrippe stellt "Die Flucht aus Ägypten" dar und zeigt wie die Familie in einem Ruderboot über einen See flüchtet. Die Szene der "Flucht aus Ägypten" erinnert gleichzeitig auch an die heutige Zeit, in der Tausende von Menschen über das Mittelmeer nach Europa flüchten.

Wieder Krippenweg

An der neuen Jahreskrippe im Format von 40 mal 80 Zentimetern hat Thomas Rodemer etwa 50 Stunden gearbeitet. Die 14 Zentimeter hohen Figuren sind kaschierte Krippenfiguren der Firma Heide aus St. Ulrich im Grödnertal und werden von Verein der Krippenfreunde Herbstein bezahlt. Den Auftrag für den Bau der Krippen hat Thomas Rodemer von dem Verein "Krippenfreunde Herbstein" erhalten, der im Dezember 2007 anlässlich der 3. Krippenausstellung im "Bruder-Konrad-Haus" in Herbstein gegründet wurde.

Schon Jahre zuvor hatten sich am Krippenbau interessierte Erwachsene, meist Eltern mit Kindern und Jugendliche beider Konfessionen, die seit vielen Jahren kreativ waren, zusammengefunden, um nicht nur einem Hobby nachzugehen, sondern auch die uralte Tradition des Krippenbaus, in vielfältiger Weise der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Der Platz an der St.-Jakobus-Kirche wurde bisher immer bei dem im zweijährigen Abstand ausgerichteten Krippenweg genutzt. In diesem Jahr ist es bereits der 8. Krippenweg, der bis Anfang Januar 2021 angeschaut werden kann. Bedingt durch die Corona-Pandemie sind die Abstandsregeln einzuhalten.

Werkstatt öffnet

Die Corona-Pandemie macht auch dem Krippenbaumeister Thomas Rodemer schwer zu schaffen. So ist im Herbst der alljährliche Krippenbaukurs ausgefallen. Weihnachtsmärkte und Ausstellungen, bei denen er seine kunstvollen Weihnachtskrippen anbietet, wurden ebenfalls alle abgesagt. Ein kleiner Ausgleich sind nun die Tage der offenen Werkstatt an den Adventswochenenden freitags und samstags von 10 bis 20 Uhr.

Seine Werkstatt ist zwar nicht groß, aber alles hat seinen Platz, und so finden sich unendlich viele Kleinigkeiten darin. Flechten, Ästchen, Kiesel, Borken, Rinde, gemahlene Steine in den verschiedensten Farben, Styrodur-Platten und unzählige kleine Leisten und Brettchen. Jedes seiner kleinen Kunstwerke sind ein Unikat. Er baut aufwendige, detailverliebte Krippen im verschiedensten Stil. Jeder seiner Handgriffe sitzt. Unbehandelte Brettchen, Leisten, Klötzchen, kleine Rundhölzer, Stäbe erhalten Strukturen, geben jeder Krippe ihr "eigenes Gesicht".

Zur Entstehung des Krippenbaus insgesamt informiert Rodemer, dass die Umstände der Geburt Christi in einem Stall mitten im tiefsten Winter schon immer die Fantasie beflügelt hätten. So sei Christi Geburt vielfach landestypischen Vorstellungen angepasst und vom vorderen Orient bis in unsere Breiten verlagert worden. Im alpenländischen Raum habe der Krippenbau eine lange Tradition. Seit vielen Jahrhunderten werden in der Adventszeit selbst gefertigte Weihnachtskrippen in Wohnungen und Kirchen aufgestellt. Die erste Nennung einer Weihnachtskrippe sei die im Jahr 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung. Kurze Zeit später wurde das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit bereits eine Prestigesache.

Bei dem Vogelsberger Krippenbaumeister hat die Liebe zu den Krippen mit der großelterlichen Krippe angefangen, die dann plötzlich jedoch verschwunden war. Den Wunsch nach einer eigenen Familienkrippe kam dann, als er selbst Kinder hatte.

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