Schon ab dem kommenden 1. Januar könnten die Ärzte im ersten medizinischen Versorgungszentrum des Kreises die Arbeit aufnehmen. FOTO: MAURIZIO GAMBARINI/DPA
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Schon ab dem kommenden 1. Januar könnten die Ärzte im ersten medizinischen Versorgungszentrum des Kreises die Arbeit aufnehmen. FOTO: MAURIZIO GAMBARINI/DPA

Ärztezentrum ohne Ulrichstein

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Grebenhain und Freiensteinau bekommen ein medizinisches Versorgungszentrum. Ulrichstein wollte sich ursprünglich auch daran beteiligen. Dieses Ansinnen wurde fallen gelassen, weil es nicht mehr nötig ist, heißt es beim Kreis. Denn in Ulrichstein war Kritik laut geworden.

Die medizinische Versorgung im Bereich Freiensteinau und Grebenhain soll auf Dauer gesichert werden. Der Vogelsbergkreis will mit den beiden Gemeinden sein erstes kommunales MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) gründen. Das wurde nach einem Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, Hausärzten sowie Dr. Sigrid Stahl von der Fachstelle Gesundheitliche Versorgung mitgeteilt. Viele Hausärzte - vor allem im ländlichen Raum - finden bekanntlich keinen Nachfolger mehr, wenn sie aus Altersgründen ihre Praxis aufgeben wollen. Um die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen zu können, hat der Vogelsbergkreis schon früh in Zusammenarbeit mit den Gemeinden die Idee eines gemeinsamen kommunalen MVZs verfolgt. Die Vorteile lägen gerade für junge Ärzte auf der Hand. Sie müssen zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit nicht in das Risiko einer Selbstständigkeit gehen, sondern arbeiten als angestellte Mediziner im MVZ. Die angestellten Ärzte haben geregelte Arbeitszeiten, zudem besteht die Möglichkeit, Stunden zu reduzieren. "In der Zeit der Familienplanung ist das für viele Mediziner ein interessantes Arbeitszeitmodell."

Ein weiterer Vorteil sei, dass angestellte Ärzte "nur Arzt sein" müssten, mit der gesamten Praxisorganisation haben sie nichts zu tun. Diese umfangreiche Arbeit übernimmt eine Praxismanagerin.

"Der Schwerpunkt im MVZ liegt ganz klar auf der ärztlichen Tätigkeit, nicht auf umfangreichen Dokumentations- oder Abrechnungsarbeiten", beschreibt Mischak.

Von daher kann ein solches Modell auch für ältere Mediziner durchaus interessant sein, die sich in ihren letzten Berufsjahren noch einmal voll und ganz auf ihre eigentliche Arbeit am Patienten konzentrieren wollen. "Ein MVZ bietet also die Chance, Ärzte in die Region zu locken", sagt Mischak, "deshalb haben wir das Modell auch den Bürgermeistern unserer 19 Städte und Gemeinden vorgestellt".

Abgefragt wurde zudem, ob Interesse an einer solchen Einrichtung bestehe, "denn der Vogelsbergkreis kann es nicht alleine machen, das war von Anfang an klar". Außerdem mache man das nur, wenn sich keine anderen Lösungen vor Ort wie beispielsweise eine selbstständige Übernahme einer Praxis ergeben. Ein klares Ja kam aus den Gemeinden Freiensteinau und Grebenhain. Nachdem Ärzte aus den beiden Gemeinden in dieser Woche erklärt haben, sich zu beteiligen, fiel der Startschuss für das erste kommunale MVZ. Zunächst werden der Vogelsbergkreis und die beiden Gemeinden eine GmbH gründen, was laut Mischak nicht heißen muss, dass die anderen Gemeinden außen vor sind. "Wenn Interesse besteht, können noch andere Gemeinden beitreten."

Auch dort könnten dann nach und nach, soweit die Rahmenbedingungen stimmen, Zweigpraxen eröffnet werden. Starten wird das MVZ mit einer Hauptbetriebsstätte und zunächst einer Zweigpraxis, sodass sich für die Patienten nichts ändern wird: In beiden Gemeinden stehen Hausärzte zur Verfügung.

Start zum 1. Januar möglich

Es müssen aber noch einige Hürden genommen werden. So muss ein Gesellschaftervertrag abgeschlossen werden, politische Beschlüsse müssen gefasst werden, auch mit der KV müssen noch weitere Gespräche geführt werden. Wenn alles gut läuft, dann könnte das kommunale MVZ zum 1. Januar nächsten Jahres an den Start gehen. Zu diesem Zeitpunkt könnten die ersten zusätzlichen Mediziner eingestellt werden.

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