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Bei der Aktion Gelbes Band dürfen Äpfel auf Streuobstwiesen gepflückt werden, wenn deren Besitzer zustimmen.

Äpfel frisch vom Baum

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Äpfel, Birnen und Zwetschgen frisch vom Baum sind lecker. Und es ist nachhaltiger, das Obst von der Wiese zu essen als eingeflogene Früchte aus Neuseeland. Deshalb beteiligen sich Naturschützer in Mücke an einer bundesweiten Aktion, Bäume zum Pflücken freizugeben, die vom Besitzer nicht genutzt werden. Die werden mit einem gelben Band markiert.

Eine Idee aus Süddeutschland breitet sich aus, auch die »Mücker Bürger« und der Lahn-Dill-Kreis rufen dazu auf, ungenutzte Obstbäume zum Pflücken freizugeben. Dafür werden die Bäume mit einem gelben Band markiert. Damit soll ein kleiner Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung geleistet werden, so der Grundgedanke der Aktion. Initiiert wurde sie vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen mit mehreren Bundesländern und Organisationen der Lebensmittelbranche.

Die Idee ist recht einfach: Besitzer von Obstbäumen, die keine Zeit oder Kraft zum Ernten der Früchte haben, hängen ein gelbes Band an den betreffenden Baum. Dann kann für den eigenen Gebrauch zugegriffen werden. Für Mücke gibt es Infos auf der Seite www.muecker-buerger.de.

Das Band zeigt an, dass die Äpfel, Birnen oder Zwetschgen ohne Rücksprache für den eigenen Bedarf gepflückt und heruntergefallenes Obst kostenlos aufgelesen werden darf. Dabei sollen die Erntenden ein paar Verhaltensregeln einhalten. So soll man behutsam mit der Wiese und mit den Bäumen umgehen.

Mitnehmen dürfen die Teilnehmer, was in Griffhöhe hängt und am Boden liegt, Leitern sind nicht zugelassen. Geerntet werden soll nur so viel, wie man tatsächlich auch verarbeiten kann.

Engagierte Bürger

Ziel der Aktion ist es, mehr vom Obst zu verwerten. Jährlich landen in Deutschland rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne, wie es auf der Internetseite des Projekts heißt. Ein Großteil davon sind Obst und Gemüse. Deshalb unterstützt das Bundesministerium eine ganze Reihe an Einzelvohaben zur besseren Nutzung von Essbarem, darunter die Aktion Gelbes Band. Sie wurde in Esslingen zum ersten Mal angeboten und auf ganz Deutschland übertragen.

Die Wählergemeinschaft Mücker Bürger »MüBü« hat sich im Themenbereich Natur den Schutz und die Pflege der heimischen Obstbäume und Streuobstwiesen vorgenommen, wie Annette Stein erläutert. »Da wir auch einige der Themen außerhalb der Gemeindevetretung initiieren, planen wir für Mitte August den Start der Aktion »Gelbes Band« in Mücke.« Hierzu seien Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sowie einige Obst- und Gartenbauvereine als Multiplikatoren gewonnen worden. So sollen Bäume mit einem gelben Band markiert werden, die geerntet werden dürfen.

Es beteiligen sich auch Aktive des Obst- und Gartenbauvereins Ruppertenrod. Vorsitzende Dr. Anneliese Brunn sagte, man mache beim Verteilen der gelben Bänder mit. In dem Mücker Ortsteil gibt es gut drei Dutzend Gartenparzellen, die an Privatleute vergeben sind. Dazu kommen noch Grundstücke von Privatleuten. Der Verein betreut zwei Flächen der Gemeinde. »In den vergangenen Jahren haben sich Bürger sehr engagiert, die Streuobstwiesen instand zu halten.«

Sie findet die Aktion auch deshalb gut, weil sie zusätzlich zu den bisherigen Aktivitäten der Vereine läuft. So stoßen Obstbaumversteigerungen auf reges Interesse. In jüngerer Zeit machen wieder mehr Menschen selbst Apfelsaft, erläutert Brunn. Andererseits bleiben in Mücke immer wieder Obstbäume ungeerntet. Die Flächen sind besonders wichtig für die Natur, so sind ältere Bäume Lebensräume für Tiere, die sich von den übrig gebliebenen Früchten ernähren. Obstbäume, auf denen die Früchte vergammeln, sind im Bereich Zeilbach selten. Deshalb sei eine solche Aktion in dem Feldataler Ortsteil wenig sinnnvoll, wie Gabriele Keller vom Gartenbauverein sagt. »Bei uns wird gut abgeernet, es werden sogar noch Bäume neu gepflanzt.« Vor zwei Jahren hatten die Organisatoren des Mehrgenerationengartens einige Mühe, Bäume zu finden, um mit Kindern Äpfel zu ernten und Saft zu pressen. »Es wäre schön, wenn mehr Obstbäume da wären.«Auch in Nieder-Ofleiden werden die meisten Obstbäume abgeerntet. Dr. Christoph Willsch findet aber die Aktion Gelbes Band interessant für frühe Apfelsorten. Es gibt immer wieder Bäume, die schon vor der Keltersaison reife Früchte tragen. »Da kann ich mir das durchaus vorstellen«, sagt Willsch. In der Erntezeit verrotten nur wenige Früchte, die Versteigerungen zur Nutzung der städtischen Bäume im September stoßen auf reges Interesse. Dabei kommen Äpfel und Birnen unter den Hammer. Rund 400 Obstbäume stehen auf städtischen Flächen.

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