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120 ehemalige Munitionsbunker sind über das weitläufige Gelände im Oberwald verstreut.

Adolf Hitler kam zum Baubeginn

  • VonPhilipp Weitzel
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Wechselvoller geht es kaum: Bombenfabrik, Erholungsareal für Berliner Kinder, Lager für Zwangsarbeiterinnen und Kliniksgelände - die Fläche der Luftmunitionsanstalt Hartmannshain im Oberwald wurde seit Mitte der 1930er Jahre ganz unterschiedlich genutzt. Da- rüber kann man sich jetzt wieder bei Führungen samstags informieren.

Die Fläche ist immens: Auf 176 Hektar sind bei Grebenhain 120 Bunkeranlagen zur Bombenfertigung aus dem Dritten Reich verstreut. Und auch die Folgen sind gravierend: Als die Wehrmacht die nach Luftangriffen zerstörten Anlagen 1945 sprengte, wurden rund 450 Hektar Waldfläche mit Munitionsresten verseucht. Erst zwischen 1991 und 2013 wurden die gefährlichen Relikte beseitigt. In der Zwischenzeit entstanden auf dem einsam gelegenen und weitläufigen Areal im Oberwald Firmen, eine Klinik und Erholungslager für Kinder.

Die einstige Luftmunitionsanstalt Hartmannshain bei Grebenhain ist ein Relikt des Deutschen Reichs. Nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen gewährt eine Vereinigung ehrenamtlicher Forscher wieder einen Einblick in die Aufarbeitung der Geschichte der Anstalt sowie in die Bewahrung der baulichen Überreste. Die Führungen waren seit Monaten aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt worden.

Umgangssprachlich als »Muna« bezeichnet, bestand die Einrichtung der deutschen Wehrmacht in den Jahren von 1936 bis 1945 auf einer Gesamtfläche von bis zu 176 Hektar und wurde noch in der Bauphase von Adolf Hitler besucht. Zeitweise arbeiteten rund 800 Menschen an der Endfertigung von Bomben und Munition, darunter Zwangsarbeiter und Dienstverpflichtete. Zu ihnen zählten auch 110 junge Frauen und Mädchen aus der nordöstlichen Ukraine, sie waren zur Endfertigung von Splitterbomben in einem nahe gelegenen Barackenlager kaserniert. In der Anstalt selbst wurden nach neuesten Erkenntnissen zumindest kurzzeitig auch Teile der Vergeltungswaffe V1 gelagert.

Die Munitionsanstalt fand am 22. März 1945 ein jähes Ende. Amerikanische Jagdbomber nahmen an diesem Tag einen fast voll beladenen Munitionszug auf dem Anschlussgleis in Beschuss. Heftige Explosionen führten zu so starken Schäden, dass die Anstalt aufgegeben und von einem deutschen Kommando gesprengt wurde. Die Kampfmittelräumung dieser Sprengung dauerte auf einer Fläche von 4,5 Millionen Quadratmetern bis in das Jahr 2013 an.

Alte Flakstellung

Der Förderverein MUNA-Museum Grebenhain bietet wieder an verschiedenen Samstagen einen Einblick in die Überreste der gefährlichen und menschenunwürdigen Bedingungen der ehemaligen Luftmunitionsanstalt an. Insgesamt elf öffentliche Führungen sind bis Ende Oktober geplant. In dreieinhalb Stunden werden auf einer Strecke von gut acht Kilometern die Überreste gesichtet. Diese reichen von einer gesprengten Flakstellung über einen Waffenkrater bis hin zu den Überresten der 120 Munitionsbunker. Auch wird ein Einblick in das ehemalige NATO-Versorgungslager Grebenhain gewährt. Dieses wurde zu Zeiten des »Kalten Kriegs« auf dem früheren Muna-Gelände mit mehr als 20 Munitionsdepots errichtet. In einem der Depots werden Muna-Exponate verwahrt, die man besichtigen kann.

Buch informiert über das Areal

Interessant zu dem Thema ist auch ein vom Förderverein Muna-Museum Grebenhain herausgegebenes Buch mit dem Titel. »Muna im Wald, wir finden dich bald!« Herausgeber ist Carsten Eigner. Den Titel des Buches hat Eigner dem Reim entnommen, der angeblich auf Flugblättern stand, die im Zweiten Weltkrieg von alliierten Flugzeugen aus abgeworfen wurden. Die unterschiedliche und zeitweise wieder militärische Nutzung des Geländes nach 1945 haben laut dem Buch die Entwicklung der Großgemeinde Grebenhain und der gesamten Region bis heute beeinflusst. Ab 1946 siedelten sich auf dem ehemaligen Areal zahlreiche unter anderem von Flüchtlingen und Vertriebenen aufgebaute Industriebetriebe an. Zudem bestand seit 1957 ein »Berliner Ferienlager«, das Kindern und Jugendlichen aus Westberlin Erholung bot. Wieder militärisch genutzt wurde das Gelände seit Ende der 1970er Jahre, als die USA dort ein Versorgungslager errichteten. Auf knapp 22 Hektar entstanden Bunkeranlagen für konventionelle Waffen und eine unterirdische Tankanlage. Erst im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde das Nato-Lager nach und nach aufgegeben. Heute dienen die Bunkeranlagen verschiedenen Firmen als Lagerraum. 2013 wurde in einem der Bunker eine Außenstelle des Muna-Museums eingerichtet, die im Rahmen einer Führung durch das Gelände zugänglich ist.

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