Viel Platz haben die Prüflinge der Albert-Schweitzer-Schule im riesigen Foyer der Schule.	 FOTO: PM
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Viel Platz haben die Prüflinge der Albert-Schweitzer-Schule im riesigen Foyer der Schule. FOTO: PM

Abi-Prüfung auf 1200 Quadratmeter

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Alsfeld (pm). Es war umstritten, es wurde diskutiert, aber es war nie abgesagt: Unter verschärften Hygienebedingungen und unter Wahrung der behördlich vorgeschriebenen Abstände fanden in den vergangenen Tagen die Abiturprüfungen an den hessischen Gymnasien statt. Rund 14 500 Prüflinge traten hessenweit an, 85 davon an der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule.

»Für uns alle, die Lehrkräfte genauso wie die Schülerinnen und Schüler, war es am Ende eine Erleichterung, als das Kultusministerium bekannt gab, dass die Prüfungen stattfinden«, resümierte Schulleiter Christian Bolduan. »Die Abiturientinnen und Abiturienten hatten in den vergangenen Wochen und Monaten in ihren Kursen darauf hingearbeitet. Es ist gut, dass sie ihr gelerntes Wissen jetzt abrufen konnten und die Anspannung der Prüfungen hinter sich lassen können.«

In den Tagen vor dem Abitur liefen die Drähte heiß: Rückfragen bei den Tutoren, in den Sekretariaten. »Es waren eben auch viele Gerüchte unterwegs, während wir auf Weisungen des Ministeriums warteten«, erklärt Thomas Weidemann, stellvertretender Schulleiter, einen Teil der Verwirrung, »und es ist doch klar, dass die Abiturientinnen und Abiturienten Klarheit suchten.«

Vor der Prüfung Hände desinfizieren

Dabei verlangte die ungewisse Situation aufgrund der Corona-Pandemie nicht nur den Schülern eine gewisse Flexibilität ab, sondern auch der Schule: »Wir mussten mehrfach umplanen«, gibt Studienleiterin Doris Roth zu bedenken. Es mussten passende Räume für kleinere Gruppen gefunden werden, die wiederum mit mehr Aufsichtspersonal besetzt werden mussten. »An dieser Stelle können wir unseren Lehrkräften, den Verwaltungskräften und den Hausmeistern ein großes Dankeschön zollen«; führt Bolduan an. »Die derzeitige Situation stellt alle vor große Herausforderungen - organisatorisch wie pädagogisch.«

Zu den meisten Prüfungen wurden Aula und Foyer geöffnet: »1200 Quadratmeter standen den Abiturientinnen und Abiturienten auf diese Weise zur Verfügung, sodass der Sicherheitsabstand jederzeit gewährleistet war.« Am Eingang wurden alle Prüflinge nach ihrem persönlichen Zustand gefragt und angehalten, die Hände zu desinfizieren.

»Alle Schülerinnen und Schüler nahmen unsere Aufforderungen sehr ernst. Sie zeigten sich diszipliniert und kooperativ«, bestätigt Fachbereichsleiter Martin Wilhelm das Verhalten der jungen Erwachsenen, für die dieses Abitur in besonderer Erinnerung bleiben wird. Nicht zuletzt wegen der Ansprache am Morgen: »Wenn ihr fertig seid, verlasst das Gebäude, geht nach Hause, rottet euch nicht zusammen, sondern feiert per Skype.«

Die meisten der Abiturienten nehmen die Situation sehr pragmatisch, auch wenn ihnen gerade die Gemeinsamkeit sowohl beim Lernen als auch beim Feiern fehlt. Wobei sie sich beim Lernen mithilfe der digitalen Möglichkeiten gut behelfen konnten, wie einige berichteten: WhatsApp, Skype, Discord, IServ - es gab Alternativen zum persönlichen Kontakt. »Gerade durch das IServ-Programm unserer Schule war es einfach, mit den Lehrkräften Kontakt aufzunehmen und übrig gebliebene Fragen zu klären. Ich habe mich in der Prüfungsvorbereitung von der Schule nicht alleingelassen gefühlt«, sagt Schülerin Sarah Kuhla. Dennoch: Ein wenig Ablenkung im Kursverband, eine Aufmunterung und ein Schulterklopfen hätten gutgetan. Andererseits freuten sie sich über viele, viele Banner am Schultor und Mutmach-Nachrichten auf den Handys, die in den Kursgruppen die Runde machten. Dass die meisten von ihnen das Feiern nach den Prüfungen vermissen, ist klar, schon allein, »weil wir uns später mal nicht daran erinnern können.« Aber sie wissen auch: »In der aktuellen Situation wäre das nur rücksichtslos und egoistisch. Insofern macht es mir nichts aus, darauf verzichten zu müssen. Die Gesundheit aller und die Eindämmung des Virus‹ gehen vor«, meint Sonja Karl.

Nach einer kleinen Pause steht für die Abiturienten jetzt das mündliche Abitur an. »Ich denke, dass wir uns, jetzt nach den schriftlichen Prüfungen, alle erst mal eine kleine Auszeit nehmen und dann, natürlich zeitnah, mit dem Lernen beginnen, da die Prüfungen ja hoffentlich wie geplant stattfinden«, sagt Malte Graulich. Das hoffen alle Prüflinge der Schule, wenngleich sie auch mit gemischten Gefühlen auf die mündlichen Prüfungen schauen, denn für einige von ihnen werden sich die Bedingungen ändern: Prüfungen im Fach Darstellendes Spiel dürfen nicht mehr in Gruppenarbeit stattfinden und Sportprüfungen nur noch in manchen Disziplinen, die den Schülern aber vielleicht gar nicht liegen. Während in den Grundkursen auch noch einmal umgewählt werden kann, sind die LKler auf ihr Fach festgelegt: »Mich als Sport-LKler trifft es sehr, dass das praktische Sport -abitur höchst wahrscheinlich durch eine mündliche Ersatzprüfung ersetzt wird. Vor allem da sich die meisten von uns in einem solchen Fall verschlechtern werden, obwohl sie sich in bester körperlicher Verfassung befinden und gute Leistungen abrufen könnten«, gibt Lennart Elsing zu bedenken.

Es ist also durchaus kein Abitur wie alle anderen, und geradezu prophetisch erscheint das Motto, das sich der Jahrgang schon vor schier ewigen Zeiten gegeben hat: »Abicalypse«.

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