Sylvia Frech und Jochen Wegmann vom Polizeipräsidium Mittelhessen bei der Pressekonferenz zur A 49.
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Sylvia Frech und Jochen Wegmann vom Polizeipräsidium Mittelhessen bei der Pressekonferenz zur A 49.

2000 Polizisten bei Rodungen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Polizei plant die Räumung der Baumhäuser im Dannenröder Forst. Mit 2000 Beamten oder mehr will sie in den nächsten Tagen die "logistischen Maßnahmen" der Forstfirma begleiten, um mit dem Roden des Waldes für die Autobahn 49 zu beginnen. Dabei geht Sicherheit vor Schnelligkeit, betonen Polizeisprecher.

Mit einen aufwendigen Einsatz rechnet die Polizei im Dannenröder Forst in den nächsten Tagen. Am Montag kündigten Polizeisprecher an, dass in den nächsten Tagen "logistische Maßnahmen für die Rodungsarbeiten" auf der Trasse der künftigen Autobahn 49 anlaufen. Dazugehört das Räumen von einigen der gut 400 Barrikaden auf Waldwegen. Manche sind über einen Meter hoch und mit Zäunen, Stacheldraht und Beton verstärkt. Wann die über 100 Zelte und Baumhäuser geräumt werden, teilten Sylvia Frech und Jochen Wegmann aus einsatztaktischen Gründen nicht mit.

Sie riefen dazu auf, die friedlich Demonstrierenden sollten sich eindeutig von den Menschen distanzieren, die Straftaten begehen. "Protest ja - Gewalt nein", nennt das Frech. Unter den Waldbesetzern aus der Region und Nachbarländern seien einige, die wegen Nötigung aktenkundig sind.

Zufrieden äußerte sich Wegmann darüber, dass die Polizeistrategie aufgegangen sei. Bis zu 2000 Einsatzkräfte hätten die Rodungen in den Waldbereichen so abgesichert, dass weder Demonstrierende noch Beamte verletzt wurden. Im Mittelpunkt stehen der Schutz der Versammlungsfreiheit für Umweltschützer und die "Gewährleistung der Fällarbeiten". Vereinzelt sei es zu Gewalttaten gekommen, so seien Polizisten mit Zwillen beschossen und Steinen beworfen worden. Es habe auch Aufrufe zur Gewalt gegen Polizisten gegeben.

Problematisch sieht Wegmann die vier Abseilaktionen auf Autobahnen. Dadurch mussten Autofahrer teilweise stundenlang warten, bis die Streckenabschnitte wieder frei gegeben wurden. Solche Einschränkungen gibt es auch auf der Bundesstraße 62 zwischen Lehrbach und Niederklein, wo Waldaktivisten ein gut 200 Meter langes Seil über die Fahrbahn gespannt haben. Frech ergänzte, Experten schätzen die Situation als überaus gefährlich ein. So kann das Seil reißen und quer über die Fahrbahn peitschen. Zur Sicherheit ist die Strecke dann gesperrt, wenn ein Aktivist am Seil hängt - so wie am Montagmorgen.

Frech betonte, dass bei den Einsätzen Sicherheit vorgeht. Die Einsätze dauern "so lange, wie sie dauern", einen starren Zeitplan habe man nicht. Morgens werden in Abstimmung mit den beauftragten Firmen die Sicherheitsbereiche für die Fällarbeiten festgelegt. Das sind die Zonen, in denen ein umfallender Baum Gefahren für Umstehende bedeutet. Die Beamten aus Hessen und anderen Bundesländern räumen den Sicherheitsbereich, holen Aktivisten aus Baumkronen herunter und unter Barrikaden auf Wegen heraus.

Je nach Einschätzung der Lage schickt die Polizeiführung mehr oder weniger Beamte in das Waldgelände. Bei Bedarf können auch mehr als 2000 Einsatzkräfte losziehen. Sie schätzt die Zahl der Waldbesetzer auf "einen unteren dreistelligen Bereich".

Dabei zeigte sich Wegmann besonders dankbar, das die Beamten sehr professionell vorgehen. "Niemand soll zu Schaden kommen", so der Polizeisprecher. Ausdrücklichen Dank richtete er auch an die Bewohner der umliegenden Ortschaften, die durch die massive Polizeipräsenz unter Beeinträchtigungen leiden. Das habe auch schon einmal "zum Grummeln" angeregt.

Transparenz ist der Polizei Mittelhessen wichtig. So sollen mehr Medienbetreuer eingesetzt werden, um Medienvertretern zügig den Zugang zum jeweiligen Einsatzort zu gewährleisten. Da gab es in der Vergangenheit einige Kritik über Wartezeiten an Kontrollstellen.

Die aktuelle Corona-Infektionswelle beeinflusst auch die Polizeiarbeit. So wurde die Pressekonferenz am Montag per Videostream übertragen. Für die bis zu 2000 Polizistinnen und Polizisten bei dem Großeinsatz gelten strikte Hygienevorschriften. Bislang hat es lediglich zwei Corona-Fälle in ihren Reihen gegeben.

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