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Lidl und Aldi werden heuer wohl geringere Umsätze verbuchen.

Schlechte Prognosen

Aldi, Lidl, Penny - Große Discounter in Deutschland gehörig unter Druck

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Die Kosten steigen, die Umsätze schwächeln: Droht in Deutschland die Discounter-Dämmerung? Prognosen des Marktforschers Edge by Ascential legen das nahe.

München - Lange schien es nur einen Weg für die deutschen Discounter zu geben. Und der hieß Wachstum, Wachstum, Wachstum. Durch eine knallharte Niedrigpreis-Strategie setzten sie die Maßstäbe im Lebensmitteleinzelhandel.

Doch nun scheinen Aldi, Lidl und Co. zu schwächeln. Das legt zumindest ein Artikel des Handelsblatts nahe. Der Wirtschaftszeitung liegt exklusiv eine Prognose des Marktforschers Edge by Ascential vor, die zwar davon ausgeht, dass der Umsatz von Aldi, Lidl, Penny und Co. in Deutschland 2019 um 1,9 Prozent wachsen werde. Zum Vergleich: Die selbstständigen Kaufleute bei Rewe haben im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 9,1 Prozent gesteigert.

Auch eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung kommt zu ähnlichen Schlüssen: So sind die Umsätze von Supermarktketten wie Rewe und Edeka 2018 im Schnitt mindestens doppelt so stark gestiegen wie jene der Discounter. Der Marktanteil der Discounter geht zurück.

Aldi, Lidl und Penny unter Druck: Das sind die Gründe

Ursächlich für die sinkenden Umsätze seien neue Einkaufsgewohnheiten. Die Kunden achteten nicht mehr so stark auf den Preis, das Einkaufserlebnis stünde im Vordergrund. Und da hatten die Discounter lange wenig zu bieten.

Zwar versuchten Aldi Nord und Aldi Süd jüngst mit einem neuen Filialkonzept bei den Verbrauchern zu punkten. Die umfassenden Investitionen für Modernisierungsmaßnahmen scheinen jedoch nicht den gewünschten Effekt zu zeigen. „Die Discounter sind in einem Dilemma: Wer die Modernisierung nicht mitmacht, wird Marktanteile verlieren“, sagt Boris Planer, Chefökonom des Marktforschers Edge by Ascential zum Handelsblatt. „Gleichzeitig verursacht das Upgrade der Filialen hohe Kosten, die sich bei den geringen Margen nur schwer wieder einspielen lassen.“

Hinzu kommen steigende Kosten für die Erschließung neuer Kundengruppen, zum Beispiel durch die Aufnahme von Bio- oder veganen Produkten sowie Convenience-Food (fertig geschnittene Salate, Smoothies oder Sandwiches) ins Sortiment. Wodurch auch die internen Strukturen wuchsen. So oder so greift offenbar Nervosität um sich: Innerhalb eines halben Jahres haben sowohl Aldi Nord und Aldi Süd als auch Lidl den Austausch des Personals an der Spitze angekündigt.

Discounter-Krise: Aldi, Lidl und Penny auf der Suche nach neuer Strategie

Besonders hart trifft der Umbruch in der Branche Aldi Nord. Das Unternehmen musste 2018 erstmals einen Verlust auf dem deutschen Markt hinnehmen. Den Prognosen zufolge wird Aldi Nord 2019 sogar leicht an Umsatz verlieren. Schon im vergangenen Jahr hat Aldi Nord hierzulande erstmals einen Verlust verbuchen müssen.

Daher wollen die Aldi-Schwesterunternehmen nicht nur durch immer mehr Markenprodukte in ihren Regalen mehr Kunden in ihre Filialen locken. Aldi Nord und Aldi Süd haben zudem ihre Einkaufsstrategie angepasst. Und sich hier zusammengetan, um im ewigen gegenseitigen Unterbietungskampf der Discounter mithalten zu können. Die Einkaufsabteilungen sollen zwar nicht komplett verschmolzen werden. Aber so stark verzahnt, dass die Lebensmittelhersteller für jedes Produkt in der Regel nur noch einen Ansprechpartner haben. 

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Durch die größeren Einkaufsmengen erhoffen sich die beiden Unternehmen auch bessere Preise. Seit Kurzem schalten Aldi Nord und Aldi Süd sogar gemeinsame Fernsehwerbung. Die Neuausrichtung sei vor allem intern bedingt: „Unsere Struktur ist schon lange nicht mehr schlank“, zitiert das Handelsblatt einen Topmanager von Aldi Nord. Diese Einschätzung gelte aber für die gesamte Branche. „Amazon ist heute näher an der Discount-Idee von Karl und Theo Albrecht als Aldi.“

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