Für ein besseres Tierwohl

Milch-Revolution im Supermarkt? Landwirte lassen Kunden über Wunschpreis abstimmen - Ergebnis überrascht

  • Thomas Eldersch
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Seit Anfang der Woche gibt es in ausgewählten Rewe-Märkten eine neue Milchmarke zu kaufen. Das Besondere: Der Verbraucher durfte über den Preis abstimmen.

  • Seit Montag gibt es eine neue Milchmarke in ausgewählten Rewe-Märkten in ganz Deutschland.
  • Verbraucher konnten vorher den Preis für eine Packung festlegen.
  • So soll der Wert für Milch wieder steigen und Preisdumping verhindert werden.

Berlin - Heutzutage Landwirt zu sein ist nicht einfach. Nicht unbedingt weil die Arbeit schwerer geworden ist, sondern vor allem weil sie sich kaum noch lohnt. Besonders Milchbauern protestieren schon seit Jahren gegen zu niedrige Milchpreise und viele Höfe mussten bereits schließen. Jetzt sind einige Landwirte einen neuen Weg gegangen und haben die Verbraucher entscheiden lassen, wie viel ihnen ihre Milch wert ist. Das Ergebnis gibt ihnen Mut zur Hoffnung.

Milchpreis: Rund 10.000 Verbraucher haben abgestimmt

Die Berliner Tageszeitung taz hat einen Landwirt interviewt, der bei der Initiative für fairere Preise mitgemacht hat. Sven Lorenz ist einer von 13 Bauern der nun unter dem Namen „Du bist hier der Chef“ seine Milch in rund 400 ausgewählten Rewe-Märkten verkauft. Später einmal sollen noch andere Handelsketten folgen. Lorenz über die neue Marke: „Das gab es so alles noch nicht. Sie sehen schon auf der Verpackung, was anders ist.“ Die blau-grüne Äußere sieht tatsächlich anders als gewohnt aus. Plakativ prangt der Spruch „Diese Milch wurde von uns Verbrauchern gewählt“ auf der Front.

Auf der Internetseite dubisthierderchef.de konnten Verbraucher in den vergangenen Wochen einen Fragebogen mit acht Fragen beantworten. Abgefragt wurde unter anderem, für wie viel Euro sie eine Packung Milch im Laden kaufen würden. Rund 10.000 Kunden haben mitgemacht. Raus kam am Ende ein Preis von 1,45 Euro pro Liter - also weit über den durchschnittlichen Discounter-Preisen. Für Lorenz eine große Verbesserung. Der Biobauer bekam bisher einen Anteil von 47 Cent pro Packung. Sehr wenig für den Aufwand, den ein Biobauer bei der Viehhaltung hat, so Lorenz. Jetzt liegt sein Anteil bei 58 Cent. Das summiert sich bei dem Landwirt, der 100 Milchkühe hält, die alle etwa 20 Liter Milch am Tag geben.

Der höhere Milchpreis soll nicht nur den Landwirten sondern auch den Tieren zugute kommen

Das Konzept mit der Kundenmitbestimmung kommt aber nicht aus Deutschland. In Frankreich gibt es dieses Prinzip unter dem Namen „C’est qui le patron?!“ schon bei 35 Produkten. Viele Landwirte würden sich das wohl auch für Deutschland wünschen. Auch um ihren Tieren wieder ein annähernd artgerechtes Leben ermöglichen zu können. Denn Kühe beispielsweise könnten eigentlich bis zu 20 Jahre alt werden. In der konventionellen Tierhaltung werden sie aber selten älter als viereinhalb Jahre - auf Biohöfen in der Regel nur rund sechs Jahre.  (tel)

Bereits Anfang des Jahre gab es einen großen Aufschrei unter den Landwirten. Die Handelskette Edeka hatte mit einer Werbekampagne für billige Lebensmittel die Bauern aufgebracht. Und selbst die Kanzlerin, Angela Merkel, war von der Preispolitik der Supermarkt-Riesen nicht begeistert und bestellt sie ins Kanzleramt.

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Rubriklistenbild: © dpa/Carmen Jaspersen

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