Klarna ist vor allem als Anbieter des Online-Kaufs auf Rechnung bekannt, doch damit gab es zuletzt gehäuft Probleme.
+
Klarna ist vor allem als Anbieter des Online-Kaufs auf Rechnung bekannt, doch damit gab es zuletzt gehäuft Probleme.

Verbraucherschutz

Klarna in der Kritik: Kunden-Ärger um Rechnungen

  • VonSophie Mahr
    schließen

Die Verbraucherzentrale berichtet von zahlreichen Kundenbeschwerden zu Klarna. Teils sollen Kunden unberechtigterweise Mahngebühren aufgedrückt bekommen haben.

Gießen – Für Online-Einkäufe hat sich die Bezahlung über Klarna zu einer gängigen Option entwickelt. Doch nun warnt die Verbraucherzentrale vor Problemen mit dem Zahlungsdienstleister aus Schweden. Viele Kunden hätten sich zuletzt bei den Verbraucherschützern über Klarna beschwert, nachdem ihre Zahlungen nicht angekommen waren und es in der Folge sogar Mahnungen gegeben hatte.

Verbraucherzentrale spricht Warnungen wegen Klarna-Problemen aus

Wie die Verbraucherzentrale informiert, beziehen sich die meisten Beschwerden auf bereits bezahlte Rechnungen. Wer online kauft, bekommt auf vielen Portalen inzwischen die Möglichkeit, die Rechnung über die Klarna-Services zu bezahlen. Dabei schließt der Kunde seinen Vertrag wie gewohnt mit dem Online-Händler ab und erhält auch über diesen seine bestellten Waren, doch für die Bezahlung wird das Unternehmen Klarna dazwischen geschaltet.

Klarna geht sozusagen in Vorleistung, bezahlt also statt des Kunden dessen Bestellung. Im Anschluss hat der Kunde 14 Tage ab Versand Zeit, die Rechnungssumme unter einem bestimmten Verwendungszweck an den Zahlungsdienstleister zu überweisen. Genau an dieser Stelle gab es laut Verbraucherzentrale unschöne Komplikationen. Käufer hätten beklagt, ihre Rechnung zwar rechtzeitig beglichen zu haben, aber dennoch im Auftrag von Klarna von einem Inkassounternehmen gemahnt worden zu sein. Dadurch seien zusätzliche Kosten entstanden.

Verbraucherschützer warnen vor Zahlung mit Klarna: Verwendungszweck als Problem

Wie sich im Nachhinein herausgestellt habe, lag bei denjenigen, die sich beschwert hatten, ein Fehler beim Verwendungszweck vor, wie die Verbraucherzentrale aufklärt. Klarna gab in einer Stellungnahme gegenüber dem Magazin PC-Welt an: „Zahlendreher oder manuelle Veränderungen des Verwendungszweckes führen tatsächlich zu Problemen in der Zuordnung von Zahlungen.“ Nach Informationen der Verbraucherzentrale hatte Klarna durch den automatisierten Prozess die entsprechenden Zahlungen offenbar nicht den offenen Rechnungen zuordnen können. Dadurch sei es zu Rückbuchungen gekommen und die Rechnungen seien offen geblieben.

Auch auf Nachfrage, warum die Rechnung zurückgebucht wurde, hätten die Käufer vom Kundenservice zunächst keine hilfreiche Antwort bekommen, berichtet die Verbraucherzentrale über die Erfahrungen der Kunden. Der Fehler im Verwendungszweck sei erst später aufgefallen. Denn in einigen Fällen war es kein technischer Fehler in der angegebenen Nummer des Verwendungszwecks, sondern zusätzliche Angaben, die die Kunden selbst eingetragen hatten, durch die das System zusammenbrach. Die Verbraucherzentrale und Klarna berichten übereinstimmend, dass selbst kleinste Änderungen am Verwendungszweck dazuführen können, dass die Zuordnung zwischen Zahlung und Rechnung nicht mehr funktioniert.

Bei Zahlungen von Rechnungen über Klarna keine Änderungen beim Verwendungszweck vornehmen

Daher raten sowohl die Verbraucherzentrale als auch der Zahlungsdienstleister Klarna für die Überweisungen an Klarna:

  • Stets überprüfen, ob die eingetragene Nummer mit dem Verwendungszweck von Klarna übereinstimmt.
  • Falls bei der Rechnung kein Verwendungszweck angegeben ist, lieber nochmal bei Klarna nachfragen.
  • Keine zusätzlichen Angaben beim Verwendungszweck eintragen. Also auch nicht den eigenen Namen oder die Kundennummer ergänzen.
  • Wenn bei Klarna mehrere Rechnungen offen sind, nicht in einem Sammelauftrag überweisen, auch dann nicht, wenn es sich um den gleichen Anbieter handelt. Stets die Rechnung genauso bezahlen, wie Klarna sie anfordert.

Des Weiteren empfiehlt Klarna die Verwendung der Klarna App, um Fehlern und Mahnungen vorzubeugen.

Kritik der Verbraucherzentrale an Klarna – Stellungnahme von Klarna

Dr. Heiko Fürst von der Finanzmarktbeobachtung der Verbraucherzentrale kritisiert, dass die Kunden die Leidtragenden des automatischen Prozesses bei Klarna seien. „Anscheinend gibt es bei der Zuordnung von Zahlungen einen Prüfmechanismus, der sich auf den exakten Abgleich der Nummer des Verwendungszwecks stützt“, sagt Fürst. Sobald dieser Abgleich nicht passe, komme es zu Fehlern. Diese Fehler baden dann die Käufer aus, und das widerspreche dem von Klarna versprochenen reibungslosen Ablauf für die Kunden.

In der Stellungnahme gegenüber PC-Welt führte Klarna an, dass man die Kunden extra darauf hinweise, dass man keine Änderungen oder Ergänzungen am Verwendungszweck vornehmen solle. Damit es gar nicht erst zu den Problemen komme. Weil man Anregungen und Kritik „sehr ernst nehme“, habe man im zweiten Quartal 2021 einen manuellen Abgleichsprozess eingeführt, teilte Klarna mit. Dieser solle dabei helfen, einen Großteil der betroffenen Fälle zu erfassen.

Klarna will in den kommenden Jahren nachhaltig in den Standort Gießen investieren und plant, über 400 Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.*giessener-allgemeine.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare